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Colin Sauerzapf (SPD) im Gespräch zum Thema Wohnen und Mieten

Colin Sauerzapf will für die SPD im Wahlkreis Ludwigsburg in den Landtag. Mit unserer Zeitung spricht er über Wohnen und Mieten.

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Wohnen wird in Ballungsräumen wie dem Landkreis Ludwigsburger immer teurer und für Normalverdiener kaum noch bezahlbar. Wie kann dieser Trend gestoppt werden?

Wohnen und Mieten ist ein langfristiges und komplexes Thema. Es ist ein Wunschtraum zu glauben, dass mit einer Maßnahme alle Probleme gelöst werden. Es gibt kurzfristige Bestrebungen wie etwa die Mietpreisbremse. Um Entspannung zu schaffen, müssen mehr Wohnungen gebaut werden. Hier sehe ich die Kommunen, aber auch das Land in der Pflicht, eine bessere Bodenpolitik zu betreiben. Wir brauchen Erleichterungen für die Gemeinden, um Grundstücke zu erwerben und eine zukunftsfähige Stadtentwicklung voranzutreiben. Natürlich unter Beachtung des Naturschutzes. Eine Flächenversiegelung im großen Stil sollte vermieden werden. Wir brauchen eine Nachverdichtung des Bestands.

Wird durch solche Maßnahmen das Wohnen wirklich günstiger?

Ja, natürlich. Der Markt regelt das Thema Wohnen, das meiner Ansicht nach zur Daseinsfürsorge gehört, nicht. Man muss bedarfsgerecht bauen – nicht immer das für Bauträger Lukrativste. Es darf nicht immer die Penthousewohnung sein. Langfristig muss mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen, mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften oder auch mit Genossenschaften. Wien ist hier ein gutes Beispiel. Zudem gibt es zu viel Leerstand. Da will die SPD ran und die Grundsteuer für Wohnungseigentümer erhöhen, die nicht vermieten. Es muss finanziell unattraktiv werden, eine Wohnung leer stehen zu lassen. Ich will hier aber auf keinen Fall die Ängste der Vermieter aus den Augen verlieren. Um diese Ängste zu mildern, schlägt die SPD zum Beispiel vor, dass Städte und Gemeinden als Zwischenmieter einspringen. Ein solches Modell könnte auch Menschen zu einem Zuhause verhelfen, die wenig Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben. Kommunen und freie Träger haben dies ja bereits erfolgreich bei der Unterbringung von Geflüchteten übernommen.

Lesen Sie hier das persönliche Porträt von Colin Sauerzapf

Ist der soziale Wohnungsbau gescheitert?

Ja, das könnte man so sagen. Ich meine aber, die Idee ist gut, wir haben leider verschlafen, sie richtig umzusetzen. Wir haben einen extrem geringen Anteil an Bestandswohnungen, die Eigentum der Kommunen sind. In den 1990er Jahren wurde der Fehler gemacht, viele Sozialwohnungen zu verkaufen. Das ist auch ein Grund, warum die Wohnungssituation bei uns in der Region so angespannt ist. Deshalb ist es für die SPD ein Auftrag, für den sozialen Wohnungsbau mehr zu tun.

Immer mehr Menschen arbeiten im Homeoffice, dadurch werden vor allem in Innenstädten Büroflächen frei. Sollten diese in Wohnraum umgewandelt werden?

Das ist jetzt wiederum ein spezieller Fall von Leerstand. Darüber muss diskutiert werden. Letztlich entscheidet die Kommune über den Bedarf und eine Umwidmung von Büro- in Wohnraum. Prinzipiell ist dieser Vorstoß gut. Wenn wir es schaffen, dadurch mehr Wohnraum zu bekommen, bin ich sofort mit dabei.

Zeigt die Mietpreisbremse Wirkung?

Die Antwort ist hier ein klares Jein. Mit der Mietpreisbremse können sowieso nicht alle Probleme des Wohnungsmarkts gelöst werden. Es muss an vielen Punkten nachgesteuert werden. Sie müsste allgemeingültiger angewendet werden können. In unserer Region gib es mehrere Kommunen, in denen die Mietpreisbremse nicht umgesetzt wird, obwohl die Mieten hoch sind. Studien zeigen, dass in Regionen mit Mietpreisbremse die Mieten vergleichsweise niedriger sind als in Regionen ohne Deckelung der Mieten. Zudem sollte bei den Mietern das Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass sie bei zu hohen Mieten die Preisbremse juristisch einfordern können.

Im Wahlprogramm der SPD steht, dass die Partei dem Auseinanderdriften von armen und reichen Wohnvierteln entgegenwirken will. Gibt es dafür Beispiele in Landkreis?

Wir haben dieses Auseinanderdriften in der Region. Viele junge Leute wohnen nicht mehr in den Städten, in denen sie aufgewachsen sind, sondern ziehen vermehrt ins Umland, weil sie sich die Preise in Remseck, Ludwigsburg oder Kornwestheim nicht leisten können. Die Situation verschärft sich durch den Zuzug in den Landkreis. Auch hier gilt die Forderung: Wir müssen bedarfsgerecht bauen, also nicht nur für die Ingenieurin bei Daimler, sondern auch für den Verkäufer im Supermarkt. Mit einer Sozialbindung von 30 Prozent bei Wohnbauprojekten wird schon eine Durchmischung erzielt. Aber das reicht nicht. Wohnen ist für die SPD eine Gerechtigkeitsfrage und bezahlbares Wohnen ist eines der Topthemen der Partei.

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