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Konrad Epple (CDU) zum Thema Ehrenamt

Konrad Epple bewirbt sich für die CDU erneut um ein Landtagsmandat im Wahlkreis Vaihingen. Für das Interview mit unserer Zeitung hat er sich das Thema Ehrenamt ausgewählt.

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Warum ist das Ehrenamt für Sie so wichtig?

Ich bin ja ehrenamtlich schon lange tätig, ob im Kleintierzüchterverein oder früher im Kreisjugendring. Und bei der Feuerwehr bin ich schon, seit ich 18 bin. Man sagt ja übers Essen, dass es Leib und Seele zusammenhält. Und das Ehrenamt und die Vereine halten das bürgerliche Zusammenleben zusammen.

Würde die Gesellschaft ohne Ehrenamt überhaupt funktionieren?

Gott sei Dank wissen wir das nicht. Wobei ich sehr besorgt bin, dass das ehrenamtliche Engagement jetzt wegen Corona zurückgeht. Man kann sicherlich einen Termin wie etwa den Markgröninger Schäferlauf einmal auslassen, der findet dann im Jahr darauf wieder statt. Aber wenn etwa ein Sportverein den allgemeinen Übungsbetrieb ganz einstellen muss, kann es durchaus sein, dass Mitglieder abspringen und der Verein anschließend nur schwer oder ganz anders wieder Tritt fasst – gerade auch finanziell. Andererseits haben die Vereine in der Geschichte immer wieder einmal schlechte Phasen erlebt. Dass sie das auch jetzt gut überstehen, das ist eine Herzensangelegenheit für mich.

Vergangenen November hat die Landesregierung ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stärkung des Ehrenamts verabschiedet. Unter anderem durch Bürokratieabbau, aber auch mehr Ansprechpartner für Ehrenamtler vor Ort. Reicht das aus Ihrer Sicht aus, um das Ehrenamt zu stärken?

Der Anfang ist damit gemacht. Wenn man etwa die Vereinsvorsitzenden bei der Verwaltung durch weniger Bürokratie entlastet, ist das schon von Vorteil und eine große Unterstützung. So kann man dem Ehrenamt sicher helfen.

Auch finanzielle Anreize gab es, weil der Bund im vergangenen Jahr die Übungsleiterpauschale und die Ehrenamtspauschale angehoben hat. Sehen Sie Ihr eigenes Engagement fürs Ehrenamt dadurchbestätigt?

So funktioniert Politik. Mit den Erhöhungen hat man berücksichtigt, dass durch die Preisentwicklung auch das Leben teurer geworden ist. Es muss aber klar sein: Die Pauschalen sollen eine Würdigung, eine Anerkennung sein, aber keine Bezahlung. Es geht dabei um Wertschätzung. Das Ehrenamt leistet sehr viel. Aber es darf den Hauptamtlichen nicht ersetzen.

Wo fehlt es noch an Würdigung?

Beim Ehrenamt in der Berufsausbildung. Wenn man aufs Handwerk schaut, das Innungsleben und die Berufsverbände, die Prüfer bei der IHK und bei der Handwerkskammer, stellt man fest: Das läuft alles im Ehrenamt. Dass da auch sehr viel geleistet wird, wird oft vergessen. Wir haben beim Ehrenamt einen vielfältigen Strauß, schauen aber zu oft bloß auf ein paar Blüten.

Was die Nachwuchsgewinnung angeht, ist die Lage in den Vereinen sehr unterschiedlich. Während manche Gesangvereine fusionieren oder gar aufhören müssen, hat die Feuerwehr kein Problem. Wohin geht die Entwicklung?

Es wird eine Konzentration geben. Vereine, die sich jetzt schon schwertun, werden sicher noch größere Probleme bekommen. Aber: Vor Jahrhunderten hat man sich als Freizeitbeschäftigung nichts anderes vorstellen können als Singen, später kam dann das Turnen dazu. So wird es auch künftig immer Veränderungen geben. Die Feuerwehr etwa hat die Zeichen der Zeit erkannt und hat bei der Jugendarbeit das Alter erst von 18, dann auf 14 und jetzt auf zwölf Jahre gesenkt, um schon frühzeitig das Potenzial der Nachwuchsarbeit zu vergrößern. Sportvereine machen es ähnlich. Das eröffnet Zukunftsperspektiven.

Wo gibt es noch dringenden Handlungsbedarf, um für das Ehrenamt vielleicht sogar ideale Bedingungen zu schaffen?

Auf jeden Fall darf es keine Verschlechterung geben. Vom Land aus tun wir alles, die Kommunen finanziell nicht im Stich zu lassen, gerade jetzt in der Coronakrise. Wenn eine Gemeinde finanzielle Ressourcen und Mittel hat, dann muss sie nicht daran gehen, Vereinsförderungen zu kürzen, die ja freiwillige Leistungen der Kommune sind und bei eventuellen Einsparungen immer an erster Stelle stehen. Mein Appell an die Kommunen bleibt, die Vereine weiterhin zu fördern. Und ich glaube auch, dass sie das machen werden. Denn die Kommunen wissen, was sie von einem gut funktionierenden öffentlichen Leben haben. Es bringt ihnen nichts, wenn sie das kaputtsparen. Den Kommunen, den Kreis- und Gemeinderäten ist sehr wohl bewusst, dass mancher Vereinsfunktionär viel mehr bewirkt, als man alternativ beispielsweise mit einem Hauptamtlichen erreichen könnte.

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