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Porträt

Nadja Schmidt (Die Linke): „Arbeitsrecht ist einfach mein Ding“

Nadja Schmidt möchte etwas bewegen, Dinge entscheiden und die Welt etwas besser machen. Ihr Ziel ist es, für die Linke in den Landtag zu kommen. Bei einem Spaziergang durch Alt-Hoheneck erzählt sie, warum sie sich zu diesem Schritt entschieden hat.

Das Antiquariat in Alt-Hoheneck ist der Lieblingsplatz von Nadja Schmidt. Foto: Andreas Becker
Das Antiquariat in Alt-Hoheneck ist der Lieblingsplatz von Nadja Schmidt. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Die Sonne strahlt direkt in den alten Ortskern von Hoheneck, die Bücher im Regal des Antiquariats leuchten in bunten Farben. Die Sonne wärmt das Gesicht, aber so richtig trauen möchte man dem Frühlingswetter noch nicht an diesem Freitagmittag. Die Vögel zwitschern, leise hört man Orgeltöne aus der Kirche. Idylle pur – und genau deshalb ist Alt-Hoheneck der Lieblingsplatz von Nadja Schmidt, die für die Linken für den Landtag kandidiert. „Ich schaue schon immer, ob hier eine Wohnung frei wird“, sagt die Oßweilerin. Dann würde sie sofort umziehen. Das Antiquariat zum Stöbern, die Nähe zum Neckar, die verwinkelten Gassen: „Als ich das erste Mal hier war, war ich total begeistert“, sagt sie.

Als sie vor zehn Jahren für die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin nach Ludwigsburg gekommen ist, kannte sie die Barockstadt noch nicht. Aufgewachsen ist sie in Ötisheim bei Mühlacker, dann hat sie Philosophie und Geschichte in Dortmund studiert und dort sechs Jahre lang gelebt. Bleiben wollte sie im Ruhrgebiet jedoch nicht, auch wenn es ihr dort gefallen hat. „Ich hatte Heimweh“, sagt die 42-Jährige. „Ich bin Schwabe, ich mag es aufgeräumt.“ Ludwigsburg habe ihr gleich gefallen.

Zuerst arbeitete Nadja Schmidt in der Ludwigsburger Unfallchirurgie als Krankenschwester. Sie spricht von einer „täglichen Belastung“ in diesem Job. Ihre Bewunderung für die Kollegen, die diesen Job jahrelang machen, sei sehr groß. Nadja Schmidt bekam schnell Kontakt zur Gewerkschaftsgruppe und war dann sechs Jahre lang freigestellte Betriebsrätin. „Den Job als Krankenschwester hätte ich nicht durchgehalten“, sagt sie. Seit einem Jahr ist Schmidt nun Pflegereferentin der Geschäftsführung im Klinikum. „Ich bin sehr kritisch, aber immer konstruktiv und mit Leidenschaft dabei“, beschreibt sie sich selbst. Außerdem studiert sie aktuell nebenher Gesundheits- und Sozialmanagement.

Das Lieblingsessen der Schwäbin: Spätzle

Gesundheitspolitik war für Nadja Schmidt schon immer ein wichtiges Thema. Aber gewerkschaftlich immer nur für ein Thema aktiv sein – das war nichts für die Oßweilerin. Deswegen kandidierte sie 2019 für den Ludwigsburger Gemeinderat. „Dann habe ich bemerkt, dass ich auch im Gemeinderat nur beschränkt etwas bewegen kann“, sagt sie. Sie stellte fest: Wenn sie wirklich etwas verändern möchte, dann muss es die Entscheidungsebene sein. Die Wahl fiel auf den Landtag. „Der Bundestag ist mir zu weit weg, ich bin hier verwurzelt“, sagt sie frei heraus, wie es ihre Art ist. Das schwäbische Essen würde ihr in Berlin fehlen. Um ihr Lieblingsessen zu beschreiben, reicht ein Wort: Spätzle. Ihre Leibspeise kombiniert sie mit allerlei Gemüse, denn Nadja Schmidt ist seit ihrer Kindheit Vegetarierin. Mit ihrem dreijährigen Sohn kocht sie jeden Tag frisch. „Das ist die intensivste gemeinsame Zeit“, sagt sie.

Politisch hat sie einige Themen. Ganz vorne steht das Arbeitsrecht. „Das ist einfach mein Ding“, so Schmidt. Es sei nicht in Ordnung, dass Menschen in sozialen Berufen, mit den Arbeitsbedingungen alleingelassen werden. Sie spricht dabei aus ihrer Erfahrung als Gesundheits- und Krankenpflegerin: „Ich habe gewusst, dass der Beruf schlecht bezahlt wird. Ich habe aber nicht gewusst, dass ich meine Patienten nicht gescheit versorgen kann und keine Freizeit mehr habe.“ Weitere Themen, die sie angehen möchte, sind: bezahlbarer Wohnbau („Der kommunale Wohnungsmarkt muss gestärkt werden.“), Mobilität („Wegen mir am liebsten umsonst.“), Bildungspolitik („Wir brauchen Kitaplätze ab dem ersten Lebensjahr.“) und Klimaschutz („Das allerwichtigste Thema!“).

Dass der Wahlkampf dieses Jahr hauptsächlich online stattfindet, sei schade. „Ich glaube, der Straßenwahlkampf wäre mehr mein Ding“, sagt Nadja Schmidt. Trotzdem hat sie das Gefühl, dass der Wahlkampf inhaltlicher als sonst ist. In Online-Podiumsdiskussionen werde gut diskutiert. Nadja Schmidt hat im Gegensatz zu anderen Kandidaten keinen Wahlkampfmanager. „Ich mache alles selbst“, sagt sie. Neben ihrem Job, dem Studium, Kleinkind und Gemeinderat. „Ich komme schon an meine Grenzen.“

Ob ihr Tag mehr als 24 Stunden hat? Nein. Ihr Geheimnis: „Ich guck kein Fernsehen.“ Deshalb schafft sie es trotz allem Engagement, ihren Hobbys nachzugehen. Sport gehört dazu – Yoga, Radfahren und „alles auf dem Wasser“ – und Skatspielen mit Freunden. Nach dem Gespräch nimmt sich Nadja Schmidt die Zeit, noch in den Büchern des Antiquariats zu stöbern. Während sie zu den Regalen läuft, dreht sie sich noch einmal um. Ihr ist eine weitere Freizeitbeschäftigung eingefallen: lesen. „Da denk ich nie dran, das ist einfach selbstverständlich.“

Info: Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie kurze Porträts der Kandidaten in Videoform.

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