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Nikolaos Boutakoglou (AfD) zum Thema Fachkräftemangel

Nikolaos Boutakoglou führt einen eigenen Handwerksbetrieb mit sechs Mitarbeitern und möchte für die AfD (Wahlkreis Bietigheim-Bissingen) in den Landtag einziehen. Für das Interview hat er sich das Thema Arbeitsplätze ausgesucht.

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Foto: Andreas Becker

Hätten Sie im Hinblick auf die Arbeitsplätze beim Lockdown anders gehandelt?

Ja. Ich hätte einen Lockdown light eingeführt. Schulen, Kitas, Friseure, Restaurants, Einzelhandel hätte ich unter strengen Corona- und Hygieneschutzmaßnahmen offen gehalten. Dann hätte der Staat nicht so viel an zusätzlichen Hilfen ausgeben müssen. Es hätte vielleicht wegen der Abstandsregeln Einkommensverluste gegeben, aber nicht so viel Schaden wie jetzt.

Zwischen Juni und September war es zum Beispiel in den Restaurants super geregelt, da muss ich die Regierung loben. Die Wirtschaft wurde am Leben gehalten und ist wieder gelaufen. Warum hat man das alles nicht unter strengen Regeln weitergeführt?

Beim Ordnungsamt hätte man das Personal aufstocken können, das kontrolliert, ob die Maßnahmen eingehalten werden. Wer sie nicht einhält, muss selbstverständlich mit Konsequenzen rechnen.

Die Corona-Schutzmaßnahmen haben auch bewirkt, dass es Krisengewinner gibt. Was halten Sie von dem Vorschlag, diese stärker zu besteuern?

Ich hätte nichts dagegen, auch persönlich nicht. Ich hatte das große Glück, als Handwerker weiterarbeiten zu können, obwohl auch mir Aufträge weggebrochen sind. Ich würde auch etwas mehr Steuern zahlen, wenn das Geld denjenigen zugutekommen würde, die nichts verdienen konnten. Ich würde das gutheißen.

Lesen Sie hier das persönliche Porträt von Nikolaos Boutakoglu

Wie könnten Sie als Landespolitiker die Arbeitsmarktpolitik in der sozialen Marktwirtschaft beeinflussen?

Ich engagiere mich in der Innung und kann bestätigen: Im Handwerk herrscht Fachkräftemangel. Das liegt auch daran, dass in den Schulen nicht für einen handwerklichen Beruf geworben wird.

Wenn ich zum Beispiel das Erneuerbare-Energien-Gesetz betrachte, sind die Vorgaben der Regierung gar nicht so schlecht: Um sie aber etwa für Photovoltaik oder Wärmepumpe statt Ölheizung umzusetzen, fehlt einfach das Personal. Deshalb würde ich eine To-do-Liste gegen den Fachkräftemangel herausgeben. Wichtig ist, nach unseren und den EU-Normen auszubilden.

Wir sind in der Europäischen Union, wir müssen schauen, dass wir junge Leute aus Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal anwerben. Ich bin auch für Flüchtlingshilfe. Menschen aus Krisengebieten muss geholfen werden. Aber wir müssen schauen, dass wir Ausbildungswillige aus Europa einladen. In Griechenland, wo ich geboren bin, gibt es viele, die rauswollen. Aber sie können die Unterkunft und die Verpflegung hier nicht bezahlen. Deshalb schlage ich ein Institut vor, das sich um Ausbildungswillige aus dem Ausland kümmert, ihnen 1500 Euro gibt. Im Gegenzug müssen diese hier bei einer Firma ein Praktikum machen. Ich kann die Programme, die die Regierung bei der Ausbildung macht, nur begrüßen, aber da wird geschlafen. Die Bildungsministerien in Deutschland müssen mit den ausländischen zusammenarbeiten. So hätten wir, das Potenzial an den Schulen hier mitgerechnet, 70 Prozent weniger Fachkräftemangel.

Wenn man Ihnen zuhört, stellt man fest: Es gibt doch einige Themen, bei denen Sie den Kurs der Bundes- und Landesregierung gar nicht so schlecht finden. Dennoch treten Sie für eine Partei an, die AfD, die die Regierungen sehr viel kritisiert.

An den Stammtischen höre ich viel Kritik. Ich bin aber niemand, der dauernd kritisiert, sondern lieber anpackt. Ob CDU, SPD oder eine andere Partei – ich habe mit keinem ein Problem. Mir geht es um die kleinen Leute und darum, hier vor Ort zu unterstützen und die Probleme zu lösen. Man muss sich den Respekt der Leute als Person und Partei erst einmal verdienen. Und vor allem muss man miteinander reden, dafür stehe ich ein.

Wenn Sie am 14. März gewählt werden, was packen Sie als Erstes an?

Die Arbeitslosenzahl ist durch die Coronakrise gestiegen. Ich fürchte, nach dem Lockdown werden einige Betriebe schließen müssen. Ich würde dann die Inhaber dieser Betriebe fragen, ob bei ihrem Personal Interesse an Weiterbildung oder Umschulung besteht, vielleicht von der Kellnerin zur Bürokauffrau. Sie könnte sich dann im Handwerk als Büroassistentin einbringen.

Oder für einen Koch würde ich, wenn er handwerkliche Fähigkeiten hat, ein Praktikum in einer Firma organisieren, damit er vielleicht umschulen kann. Dann hätte man diese Arbeitsplätze gesichert oder, besser gesagt, umgewandelt. So könnte man die Arbeitslosenzahl wieder senken.

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