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Stefanie Knecht (FDP) zum Thema Digitalisierung in der Schule

Stefanie Knecht bewirbt sich für die FDP um ein Landtagsmandat im Wahlkreis Ludwigsburg. Für das Interview mit unserer Zeitung hat sie sich das Thema Digitalisierung der Schule ausgewählt.

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Welche Defizite sehen Sie denn in unserer Schullandschaft?

Wir waren bis 2011 im Schul-Ländervergleich ziemlich spitze, seither sind wir kontinuierlich abgerutscht. Einer der Gründe ist sicher die Unterfinanzierung des Systems. Wir haben seit Jahren Lehrermangel, aber es wurde dagegen nichts unternommen. Die naturwissenschaftlichen Fächer sind Mangelfächer, wie ich aus dem Schulalltag meiner Töchter weiß. Die Nachbarländer schnappen uns die Lehrer weg, weil diese hierzulande nach der Referendarszeit erst mal zu Arbeitslosen gemacht werden, bevor sie eingestellt werden. Das ist ein richtiger Konkurrenzwettlauf. Es fiel bereits vor Corona viel Unterricht aus. Wir brauchen ein gerechtes Schulsystem, das die Vielfalt und Vielseitigkeit der jungen Menschen in den Vordergrund stellt und das jedem die gleichen Chancen auf lebenslanges Lernen und einen Aufstieg ermöglicht. Deshalb setzen wir uns für den Erhalt unseres vielfältigen, differenzierten Schulsystems ein.

Die Digitalisierung vor Corona ist schleppend verlaufen. Gibt es Versäumnisse?

Wir hinken im europäischen Vergleich ja schon lange hinterher. Die skandinavischen Länder sind uns weit voraus. Die Bildungsschere geht weiter auseinander, das wird von der grün-schwarzen Regierung sehenden Auges toleriert. Außer einem Sofortprogramm mit Endgeräten für viel zu wenige Schüler ist nichts passiert. Das bedeutet eine Benachteiligung von Jugendlichen aus sozial schwächeren und bildungsferneren Familien und ist eine der größten sozialen Ungerechtigkeiten, die Corona ans Licht gebracht hat. Wir brauchen eine bessere digitale Ausstattung für die Schulen, die Landesregierung hat da viel zu wenig unternommen. Man ging immer davon aus, dass Präsenzunterricht nach den Sommerferien stattfinden wird.

Lesen Sie hier das persönliche Porträt von Stefanie Knecht

Die FDP will ja den Präsenzunterricht in Schule und Studium um Fernunterricht ergänzen. Wie stellen Sie sich das vor?

Wichtig ist vor allem, dass Präsenz- und Fernunterricht besser miteinander verzahnt werden – und dass auch Hybridunterricht ermöglicht wird, damit man in Pandemiezeiten schneller umschalten kann. Schüler und Studierende haben ein Recht auf Bildung, und zwar überall an allen Schulen im ganzen Land. Bildungsgerechtigkeit bedeutet gleiche Voraussetzungen für alle. Wir werden noch länger mit dem Coronavirus und seinen Mutationen leben müssen. Ziel ist, dass Schüler von überall, auch wenn sie krank oder in Quarantäne sind, sich online in die Klasse zuschalten können.

Was muss sich verändern?

Wir müssen jetzt den Digitalisierungsturbo zünden. Dies beinhaltet schnelles Internet und eine moderne technische Ausstattung in allen Klassenzimmern, zudem digitale Fortbildungsangebote für die Lehrkräfte und digitale Lernplattformen. Digitale Medien ermöglichen einen interaktiven und kreativen Unterricht. Fremdsprachen könnten mit einer Comic-App gelernt oder eine Klausur als digitale Quizrunde vorbereitet werden. So können Lerninhalte den Bedürfnissen der Schüler angepasst werden. Eine digitale Lernkultur wird sich positiv auf die Motivation auswirken. Ich bin überzeugt, dass Kinder dadurch mehr Spaß am Unterricht haben und ihre Leistungsmöglichkeiten besser abrufen können.

So ein Digitalisierungsturbo kostet Geld...

Ja, und die überbürokratischen Antragsverfahren für Fördermittel aus dem Digitalpakt verhindern diesen Turbo und sind nicht ausreichend. Bis jetzt ist zu wenig Geld bei den Kommunen und Schulen gelandet. Zudem sieht der Digitalpakt nur vor, dass nur 20 Prozent der Mittel für die digitale Ausstattung verwendet werden und der Rest für Infrastrukturmaßnahmen. Da reichen 650 Millionen Euro für den Südwesten nicht aus. Wir können es uns als Land, dessen einzige Ressource Bildung ist, nicht länger leisten, hinterherzulaufen. Wir stehen heute mehr denn je in einer internationalen Konkurrenz als zu den anderen 15 Bundesländern. Verpassen unsere Schüler den Anschluss, werden ihre Zukunftschancen schwinden. Das ist eine schwere Hypothek. Die FDP sieht die Digitalisierung der Schulen als gesamtstaatliche Aufgabe. Die Landtagsfraktion hat im Herbst den Gesetzesentwurf „über die Digitale Schule“ eingebracht, um die Digitalisierung zu beschleunigen. Dieser beinhaltet Mittel in Höhe von 1,1 Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre für die digitale Ausstattung der Schüler und Lehrer, für Systemadministratoren, für Software und für Lehrer-Fortbildungen. Bis jetzt gab es dafür keine Mehrheit. Wir werden weiter kämpfen, dass wir nach dem 14. März mit einer Regierungsbeteiligung der FDP den Digitalisierungsturbo zünden können.

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