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Porträt

Stephan Ludwig (Die Linke) im Porträt - Für sozialen ökologischen Wandel

Der Kandidat der Linken im Wahlkreis Vaihingen, Stephan Ludwig, hält den Einzug seiner Partei in den Landtag für möglich

Am Leudelsbach bei Markgröningen geht Stephan Ludwig gern spazieren.Foto: Holm Wolschendorf
Am Leudelsbach bei Markgröningen geht Stephan Ludwig gern spazieren. Foto: Holm Wolschendorf
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Korntal-Münchingen. „Ich bin in die Linke eingetreten, um das Thema Ökologie mit in die Partei zu tragen“, sagt Stephan Ludwig. Dann habe er festgestellt, dass sich dort schon viele damit auskennen. Das war 2015. Inzwischen ist der Klimawandel auch durch Fridays for Future in aller Munde. „Dass man bei dem Thema zögert, verstehe ich nicht“, so der 33-Jährige. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Familie in Korntal-Münchingen. Bei jeder Gelegenheit ist er gern draußen unterwegs, wandert oder geht mit den beiden Kindern im Alter von vier und zehn spazieren. Einer seiner Lieblingsorte ist der Leudelsbach zwischen Markgröningen und Tamm: „Man kann dort sehr schön im Tal oder auf der Höhe laufen.“

Für das Gespräch meldet sich Stephan Ludwig per Skype aus einem Labor im Keller des Instituts für Technische Optik an der Universität Stuttgart, wo er arbeitet. Seine Promotion will er in diesem Jahr abschließen. Nach dem Physikstudium hatte er vorübergehend an einem Stuttgarter Gymnasium als Vertretung unterrichtet. Über seine Frau, die als Lehrerin arbeitet, erhalte er ebenfalls Einblicke. „Das könnte mir auch Spaß machen“, schließt er das Unterrichten für die ferne Zukunft nicht aus.

Als Landtagskandidat für den Wahlkreis Vaihingen wurde Stephan Ludwig im Herbst nominiert. Bereits 2019 war er für die Wahl zum Kreistag angetreten. Mit Vollzeitarbeit, Promotion und Familie war er schon vor dem Wahlkampf gut beschäftigt. Nun hängt er auch noch Plakate auf, verteilt Flyer und gibt Interviews. Er versuche, jede Einladung wahrzunehmen. „Ich bin ordentlich im Stress“, sagt er lachend. „Und nebenher ziehen wir auch noch um.“ Trotzdem kommt er noch zum Lesen, wechselt zwischen Sachbüchern und Belletristik. Gerade hat er „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“ von Richard David Precht angefangen.

Aufgewachsen ist Stephan Ludwig mit drei Geschwistern in einer Architektenfamilie in Murr. Mit Klimathemen wie der Umstellung der Energieversorgung habe er sich schon als Schüler am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium beschäftigt. Im Klimawandel sieht er die größte Gefahr für die menschliche Gesellschaft. Dieser sei im Gegensatz zur Coronapandemie etwas, das bleibt. „Dem müssen wir uns entschieden und mit einem großen Investitionsvolumen entgegenstellen“, ist Stephan Ludwig überzeugt. Geschehe das nicht, komme es die Menschen am Ende noch viel teurer. Und zu sagen, dass etwa ein steigender Meeresspiegel Mitteleuropa nicht betreffen würde, hält er für zu kurz gedacht – zumal, wenn man weiterhin vom Export leben wolle.

Ob er gegen den Klimawandel eher Verbote oder Anreize einsetzen würde? „Beide Komponenten kann man natürlich zusammen anwenden“, so Stephan Ludwig. Unnötiges wie etwa Plastiktüten zu verbieten, anstatt das dem Markt zu überlassen – dagegen spreche nichts. Eng damit verbunden ist sein zweiter Schwerpunkt, eine zukunftsfeste Wirtschaft. Denn wenn man den Individualverkehr reduzieren und mehr auf öffentliche und umweltfreundliche Verkehrsmittel setzen wolle, müssten Firmen andere Produkte herstellen. Die Politik müsse beim Wandel unterstützen und bei Bedarf auch investieren: „Man muss Firmen in die Pflicht, aber auch in die Partnerschaft nehmen.“

Für eine Verkehrswende im Kreis würde sich Stephan Ludwig für den Ausbau des Stuttgarter Straßenbahnnetzes etwa nach Ditzingen und Schwieberdingen sowie für die Reaktivierung der Strohgäubahn bis Feuerbach und der Bottwartalbahn einsetzen. Die derzeit zu erwartenden niedrigen Fahrgastzahlen lässt er als Gegenargument nicht gelten: „Da brauchen wir ein Angebot, bevor die Nachfrage da ist.“

Entscheidend beigetragen zu seinem Engagement für die Linke habe eine Oxfam-Studie zur ungleichen Verteilung des Reichtums auf der Welt. Besonders Familien möchte er unterstützen. „Irgendwie tun wir das doch für alle Menschen“, sagt er über das Aufziehen von Kindern. Und eine nachhaltige Lebensweise koste zusätzlich: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen das nötige Kleingeld haben.“ Ein Instrument dafür sieht er in einem Mietendeckel. Dieser dürfe am Ende aber nicht zur Reduktion von Wohnraum führen und könne so angesetzt werden, dass sich Mietwohnungen als Altersvorsorge trotzdem noch lohnen.

Dass seine Partei in den Umfragen auf Landesebene derzeit unter fünf Prozent bleibt, schreckt ihn nicht ab: „Grundsätzlich habe ich die Überzeugung, dass wir in den Landtag kommen können.“ Nur mit ihnen könne die SPD für Themen wie gebührenfreie Kitas eine Mehrheit bekommen. In der Coronakrise seien viele gesellschaftliche Themen „hinten runtergefallen“. Stephan Ludwig hofft aber, dass die Wähler weiter in die Zukunft denken.

Weitere Informationen zur Landtagswahl bieten wir Ihnen auf www.lkz.de/landtagswahl-2021. Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der Kandidaten in Videoform.

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