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Tayfun Tok (Die Grünen) zum Thema kommunale Klimapolitik

Tayfun Tok bewirbt sich für die Grünen um ein Landtagsmandat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen (14). Für das Interview mit unserer Zeitung hat er sich das Thema Kommunale Klimapolitik ausgewählt.

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Alle reden im „Fridays for Future“-Zeitalter übers Klima, aber wie geht Kommunale Klimapolitik eigentlich? Und was gehört für Sie alles dazu?

Nachhaltige Klimapolitik ist direkt vor Ort und für alle Menschen sichtbar – hat auch viel mit der Frage nach Lebensqualität zu tun –, etwa mehr Grün, kürzere Wege, gesündere Lebensmittel, bessere Luftqualität.

Für mich heißt das konkret: Umstieg auf saubere Energie und eine energieeffiziente Straßenbeleuchtung. Hinzu kommen das ressourcenschonende Bauen und die energetische Gebäudesanierung, aber auch eine nachhaltige Stadtentwicklung. Wichtig ist auch die Infrastruktur wie E-Ladestationen, der Radwegausbau, Carsharing-Angebote für klimafreundliche Mobilität – da hat die Kommune einen großen Gestaltungsspielraum. Dies sehe ich auch in meiner Arbeit als Gemeinderat in Murr. Zugleich sind solche Infrastrukturmaßnahmen ein Jobmotor fürs lokale Handwerk.

Und wie sehen Sie den Klimaschutz vor Ort in den Städten und Gemeinden?

Die Kommunen können die Kraft für den Klimaschutz schlechthin sein. Bei dieser Frage sollten die Gemeinderätinnen und -räte sowie die Bürgermeisterinnen und -meister ihre Macht nicht unterschätzen. Jeden Euro, den Städte und Gemeinden ausgeben, gilt es nach seiner Bedeutung für das Klima zu hinterfragen. Vielleicht hilft die Frage, ob unsere Kinder die Entscheidung in wenigen Jahren immer noch so treffen würden, wie wir sie heute erwägen. Wir haben gesehen, dass junge Menschen bei Fridays for Future für ihre Zukunft und für das Klima demonstriert haben. Die Kommunen könnten die jungen Menschen hier stärker einbinden.

Kümmern sich der Landkreis und die Kommunen ausreichend um die Anpassung an den Klimawandel?

Während meiner Bürgermeistertour konnte ich erleben, wie kreativ und mutig einige Kommunen sind. Besonders beeindruckt bin ich vom Nahwärmekonzept der Kommunen Freiberg, Steinheim oder Freudental, die perspektivisch ganze Wohnquartiere dezentral mit Wärme versorgen möchten. Dies wäre ein großartiger Beitrag, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren. Die Stadt Bietigheim-Bissingen hat beispielsweise massiv Geld in den öffentlichen Nahverkehr investiert und bietet günstige Stadttickets an. Dennoch wird in einigen Städten immer noch versucht, mit dem Klima zu verhandeln. Wenn immer noch für Parkplätze Flächen betoniert werden, dann passt das nicht in die heutige Zeit und ist nur in seltenen Fällen wirklich vertretbar.

Lesen Sie hier das persönliche Porträt von Tayfun Tok

In welchen Bereichen könnten die Kommunen zum Beispiel durch eigene Programme zusätzlich zu denen von Bund und Land mehr tun?

Klimaschutz muss nicht viel Geld kosten, kann auch Spaß machen und den Zusammenhalt in einer Kommune stärken. Man muss sich nur in anderen Kommunen umschauen und davon lernen. In Brackenheim etwa können Bürgerinnen und Bürger aufgrund einer Kooperation der Stadt mit dem Einzelhandel Frischwaren ohne Kunststoffverpackung einkaufen. Auch in Kantinen, seien es Schulmensen oder die Kantinen der kommunalen Betriebe, kann eine Vermeidung von Einwegplastikgeschirr oder Plastikflaschen umgesetzt werden. Eine Lösung könnten Klimaschutzmanager sein, die die Leute und Kommunen zusammenbringen, Kompetenzen bündeln und das Thema Nachhaltigkeit in die Firmen, Vereine oder städtische Einrichtungen bringen.

Ein Blick in den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen – welche Projekte schätzen Sie als besonders wichtig ein?

Für mich ist in unserem Wahlkreis die Stadtentwicklung eine große Chance, den Klimaschutz voranzutreiben. In den nächsten Jahren stehen einige große Projekte an: Dazu gehören die Landesgartenschau in Marbach/Benningen, das Bogenviertel in Bietigheim-Bissingen, die Erneuerung des Freiberger Stadtzentrums, die Renaturierung der Murr oder auch der Enzpark in Besigheim. Wichtig wäre auch eine Reaktivierung der Bottwartalbahn, um den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr zu erleichtern. Hier würde ich die Kommunen gerne als Landtagsabgeordneter unterstützen, die Gebiete nachhaltig zu gestalten.

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