Ludwigsburg | 01. August 2017

Landgericht lässt Vorwurf der Vergewaltigung fallen

Angeklagt war er wegen Entführung und Vergewaltigung seiner Ex-Freundin – verurteilt worden ist ein 43-Jähriger aber nun lediglich wegen Geiselnahme und vorsätzlicher Körperverletzung. Zwei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil des Stuttgarter Landgerichts am Dienstagmorgen für die Tat, die ihn und die Frau von Wernau bis zu einem Waldstück bei Markgröningen geführt hat. Der Vergewaltigungsvorwurf war für die Richter nicht nachweisbar.

Die Vorwürfe gegen den Handwerker aus dem Kreis Ludwigsburg hatten am ersten Prozesstag noch sehr schwer gewogen. Und der Mann hätte nach ersten Einschätzungen der Staatsanwaltschaft mit einer Freiheitsstrafe sogar im zweistelligen Bereich rechnen müssen. Die Ankläger hatten in ihrem Plädoyer aber nur noch sechs Jahre Haft gefordert. Im gestern verkündeten Urteil gingen die Richter der 8. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht nun davon aus, dass die Version des Angeklagten, dass nämlich die „Vergewaltigung“ einvernehmlich geschah, der Wahrheit entsprach. Dies auch vor dem Hintergrund, dass auch das 31-jährige Opfer diese Geschichte im Zeugenstand als eine Art „Versöhnungssex“ dargestellt hatte. Die Richter folgten damit eher den Argumenten der Verteidigung, die die Einstellung dieses Anklagepunktes gefordert hatte.

Laut Urteil war nur noch der Vorwurf der Geiselnahme, Entführung und vorsätzlichen Körperverletzung begründet. Demnach hatte der 43-Jährige am Abend des 30. Januar der 31-Jährigen an deren damaligem Wohnort Wernau im Kreis Esslingen aufgelauert. Als sie nach Hause kam, schlug er sie im Treppenhaus nieder und schleifte sie an den Haaren zu seinem Fahrzeug, fesselte und knebelte sie und raste mit ihr unter ständigen Todesdrohungen, wobei er auch ein Teppichmesser einsetzte, auf der B 10 nach Bad Cannstatt und weiter nach Markgröningen. Dort im Wald nahm er ihr die Fesseln ab und wollte sie wie angekündigt vergewaltigen.

Davon jedoch konnte die Frau ihn in einem versöhnlichen Gespräch schließlich abbringen, wie es in dem Urteil heißt. Sie habe so lange auf ihn eingeredet, bis er die Absicht, sie zuerst zu vergewaltigen und dann zu töten, aufgab. Um ihn dann dazu zu bringen, mit ihr nun schnell wieder aus dem Waldstück herauszufahren, habe sie den Sex freiwillig über sich ergehen lassen, sagte der Strafkammervorsitzende in der Urteilsbegründung. Das war demnach keine Vergewaltigung im Sinne des Strafrechts, sondern eher eine Art Versöhnungssex.

Geblieben waren die Geiselnahme und die vorsätzliche Körperverletzung. Letzteres durch das Niederschlagen zu Beginn der Entführung, die allerdings schon kurz danach von Nachbarn in Wernau beobachtet und der Polizei gemeldet worden war. Dabei war die Frau auch leicht verletzt worden. Die Polizei nahm den Vorfall sehr ernst und fahndete mit mehreren Streifenwagen nach dem Fahrzeug des Angeklagten, wozu auch ein Polizeihelikopter eingesetzt wurde. Doch erst bei der Rückfahrt von Markgröningen nach Wernau klickten dann bei Zuffenhausen die Handschellen, nachdem das Tatfahrzeug angehalten wurde.

Für den angeklagten 43-Jährigen ging der Fall gestern im Stuttgarter Gerichtssaal gut aus. Denn weil die verhängten zwei Jahre Haft zur Bewährung ausgesetzt wurden, wurde er sofort frei gelassen. Als Bewährungsauflage muss er 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Ob mit der gestrigen Freilassung des 43-Jährigen das Verhältnis mit der 31-jährigen Ex-Freundin wiederhergestellt wurde, ist nicht bekannt.

VON BERND WINCKLER
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