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Museumsschätze

Abschied von einem Kleinod

Museumsbeauftragter Armin Brenner hat die Einrichtung aufgebaut – Kirchengemeinde braucht den Platz

Der Museumsbeauftragte Armin Brenner und Pfarrer Samuel Hartmann, der zwischen den Säulen der Turmtorempore von 1668 steht. Foto: Andreas Becker
Der Museumsbeauftragte Armin Brenner und Pfarrer Samuel Hartmann, der zwischen den Säulen der Turmtorempore von 1668 steht. Foto: Andreas Becker

Pleidelsheim. Es ist eine weiße Tür, die die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit schafft. Eben steht der Besucher noch im Pfarrbüro. Kaum öffnet sich die unscheinbare Pforte, gibt sie den Blick frei auf eine weitere Tür aus Massivholz. Sie stammt aus dem Jahr 1787, das frühere Eingangstor der Mauritiuskirche. Und schon steht der Besucher mittendrin im Evangelischen Kirchenmuseum Pleidelsheim, das in der ehemaligen Waschküche des Pfarrhauses zu finden ist. Noch, bedauert der Museumsbeauftragte Armin Brenner. Die Kirchengemeinde benötigt den rund 20 Quadratmeter großen Raum für Besprechungen, als Archiv und für den barrierefreien Zugang ins Pfarrhaus. Das Museum muss ausziehen.

Ein sang- und klangloser Abschied, unbemerkt von den Bürgern, soll es nicht werden, das ist Pfarrer Samuel Hartmann wichtig. „Wir sind als Kirchengemeinde sehr daran interessiert, dass es einen würdigen Abschluss im Pfarrhaus bekommt.“ Besucher können den Raum einzeln besuchen und sich alles anschauen – ein letztes Mal in der Gesamtschau. Das Angebot für eine Führung hat die Ludwigsburger Kreiszeitung natürlich gerne angenommen – unter Einhaltung der Coronavorschriften.

Brenner hat das Museum von Anfang an thematisch gegliedert, das erleichtert die Orientierung.

Den Auftakt des Rundgangs macht das Kirchengebäude: Sehenswert sind die Kranzgesimsteile der alten Predigtkanzel von 1613, die über der alten Kirchentür thronen. Auch zwei eichene Säulen der ehemaligen Turmchorempore finden hier Platz. Sie wurden auf rekonstruierte Sandsteinpostamente gestellt. Ein Hingucker sind der alte eichene Opferstock, eine samtbezogene Kniebank und die freigelegte Fachwerkwand. Zu jedem Exponat kann Brenner eine Anekdote erzählen. Die beiden Emporensäulen beispielsweise soll Daniel Pfeiffer, ehemaliger Rektor und „heimatbeflissener Pleidelsheimer“, kurz vor der Entsorgung gerettet haben. Von einem Fuhrwerk soll er die Säulen gezogen haben, während die Fahrer beim wohlverdienten Bier saßen. Apropos Pfeiffer: Dessen Sammlung wurde als Dauerleihgabe von der Gemeinde in die Museumsausstellung integriert.

Der Blick schweift über Apostelbilder, die an der Wand hängen. Während der Renovierung der Mauritiuskirche von 1953 bis 1956 sei vieles aus dem Innenraum abgebaut worden, erzählt Brenner. Beim Abbau der Längsempore im Kirchenschiff seien unter den Emporenbildern von 1751 – Christus und seine Jünger darstellend – weitere, etwas einfacher bemalte und mit denselben Motiven versehene Holztafeln zum Vorschein gekommen. „Zumindest hat man den kunsthistorischen Wert erkannt und sie auf dem Kirchendachboden zwischengelagert“, lobt der Museumsbeauftragte. Zum Abschluss dieses Themenfeldes präsentiert er eine Turmnachbildung mit Zifferblatt und Teilen des Uhrwerks aus dem Jahre 1904. Sie läuft noch – allerdings im Schnelldurchgang. Der Besucher entdeckt auf dem Turm alte, grün glasierte Dachziegel aus fünf Jahrhunderten und den Klöppel einer Glocke.

Weiter geht es in die Sakristei. Dort warten auf einem kleinen Tisch vergoldete Abendmahlskelche („im Lederetui“), ein Kruzifix, verzierte Leuchter, eine Altarbibel und eine Altardecke.

Im Rundgang schließt sich der Archivbereich an. Im alten Schrank aus dem Gewölbekeller des Pfarrhauses stehen neben Tauf- und Abendmahlskannen aus den Jahren 1753 und 1825 noch zahlreiche Bücher. Darunter auch ein „ganz besonderer Foliant“ mit einem Verzeichnis über den „Verkauf“ der Kirchenstühle. Daraus lasse sich sehr gut ablesen, wie im 18. Jahrhundert die Sitzgelegenheiten vergeben waren, erklärt Brenner.

Zentrales Element im Pfarrhausbereich

ist ein alter Sekretärschrank mit zahlreichen Schriftstücken. Darauf platziert wurden zudem noch alte Pfarramtssiegel, eine Lutherspieluhr und ein Barett des früheren Pfarrers Heinz Golder (1938–1956). Die Spieluhr lasse zwei Lieder erklingen, meint Brenner: „Ein feste Burg ist unser Gott“ und „Lobe den Herren“. An die jüngere Geschichte erinnert der Inhalt einer Schublade: Eine Garderobe trägt einen Talar samt Beffchen des früheren Pfarrers Martin Benzing (1956-1986) und sein Barett. Auf einem alten Kirchenregister-Schrank liegen alte Gesangbücher auf der Ablage.

Eine Rarität stellt außerdem die Fotosammlung dar. Im Museum sind 100 historische Fotos zu sehen. „Das ist die bislang größte zusammenhängende Fotosammlung der Geschichte der Kirchengemeinde.“ Die farbigen und schwarz-weißen Fotos seien Reproduktionen, die aus dem Kirchenarchiv, dem gemeindlichen Archiv, staatlichen Archiven und aber insbesondere auch von Privatpersonen stammen. Schautafeln zeigen unter anderem die Geschichte der Mauritiuskirche, das Pfarrhaus und die Pfarrergenerationen bis 1907.

Wie geht es jetzt weiter? „Wir werden die Gegenstände des Museums archivieren, sichern und auf den Dachboden der Kirche bringen.“ Dem Museumsbeauftragten wird dabei das Herz bluten. „Wir hoffen, dass wir die Museumsgegenstände in der Zukunft immer mal wieder temporär ausstellen können“, sagt Pfarrer Hartmann. „Außerdem wird es eine kleine Dokumentation und eine Würdigung im Livestream-Gottesdienst geben.“ Ob das Kirchenmuseum irgendwann wieder aufleben kann, das sei offen.

Info: Wer sich die Schätze anschauen möchte, bevor sie eingelagert werden, kann sich per E-Mail bei Pfarrer Samuel Hartmann melden: Samuel.Hartmann@elkw.de.

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