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VerkehrsWende

ADFC fordert mehr Fahrradboxen

Eine Verkehrswende, die diesen Namen verdient, muss verschiedene Verkehrsmittel klug verknüpfen, zum Beispiel das Fahrrad mit dem öffentlichen Nahverkehr. Allerdings fehlt es dafür an der S-Bahnlinie 4 zwischen Benningen und Backnang an der Infrastruktur, bemängelt der ADFC Marbach.

Insgesamt gibt es am Marbacher Bahnhof 21 abschließbare Fahrradboxen, doppelt so viele könnte die Stadt für 50 Euro im Jahr vermieten – aber die Planung stockt.Foto: Holm Wolschendorf
Insgesamt gibt es am Marbacher Bahnhof 21 abschließbare Fahrradboxen, doppelt so viele könnte die Stadt für 50 Euro im Jahr vermieten – aber die Planung stockt. Foto: Holm Wolschendorf

Marbach/Benningen/ Erdmannhausen. Wer mit dem Fahrrad, womöglich einem teuren E-Bike, zum Bahnhof radelt, um dort in die S-Bahn einzusteigen, will sein Zweirad diebstahlsicher abstellen. In Ludwigsburg und Bietigheim gibt es Fahrradparkhäuser, in anderen Kommunen verschließbare Boxen, die man mieten kann. 21 davon gibt es in Marbach, keine einzige in Benningen und Erdmannhausen. Deshalb wollten die im ADFC organisierten Radler herausbekommen, wie groß der Bedarf ist. Die Umfrage fiel enttäuschend aus – es beteiligte sich kaum jemand.

Dass sich „noch nicht einmal eine Handvoll Interessierter“ gemeldet habe, stehe im krassen Widerspruch zur Warteliste derer, die gerne eine Fahrradbox am Marbacher Bahnhof mieten würden, schreibt Markus Mattheis vom ADFC Marbach in einer Pressemitteilung. Für das enttäuschende Ergebnis kann er sich drei Gründe vorstellen: die Coronakrise, die alles in den Hintergrund gedrängt habe, das Nichtbespielen sozialer Medien wie Facebook – der ADFC hatte in den Lokalzeitungen und auf seiner Homepage für die Umfrage geworben – und als Drittes eine gewisse resignierte Politikverdrossenheit nach dem Motto „es nützt ja doch nichts!“.

Tatsächlich führt das Liegenschaftsamt Marbach eine Warteliste für die Miete von Fahrradboxen. 20 Interessenten gibt es, die sofort eine Box für eine Jahresgebühr von 50 Euro mieten würden. Zusammen mit den 21 bereits bestehenden Boxen ergibt das annähernd den Bedarf, den auch der ADFC sieht: 55 Boxen für Marbach und fünf bis zehn für Erdmannhausen.

Natürlich halte man weitere Fahrradboxen für sinnvoll, sagt Marbachs Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling auf Nachfrage unserer Zeitung, man habe sogar schon einen Standort im Blick, aber momentan einfach nicht die personellen Kapazitäten, um die Sache voranzutreiben, auch sei der Plan noch nicht ausgereift.

Als Standort habe sich die Stadt den nördlichen Bereich Richtung Kirchenweinberg hinter Gleis 2 ausgeguckt, um dort so viele Boxen unterzubringen „wie der Platz hergibt“; allerdings bedürfe es dafür Verhandlungen mit der Bahn. „Wir haben das auf unsrer To-Do-Liste!“, versichert Seiberling.

In Benningen reagiert Bürgermeister Klaus Warthon unwirsch auf die Nachfrage: Dass es noch keine Boxen für Räder gebe, sei ein Platzproblem, rund um die S-Bahn-Station sei alles sehr eng, es gebe keine Flächen. Im Übrigen habe die Gemeinde „einen wunderbaren Plan in der Schublade“: Ein Neubau anstelle des 30 Jahre alten, schrägen, engen und stark sanierungsbedürftigen Parkdecks brächte nicht nur 150 Abstellplätze für Autos (derzeit sind es nicht mal mehr 99), sondern auch „eine „wunderbare Lösung für Radplätze“, so der Schultes. „Ich stelle gar nicht in Abrede, dass es eine Nachfrage nach Radboxen gibt“, sagt Warthon weiter, „aber wir sind nicht Grundstückseigentümer; wir brauchen dazu den Verband Region Stuttgart, das Regierungspräsidium, und die Bahn muss auch mittun, dann wäre das ein großer Wurf.“

Hätte Erdmannhausen im Zuge der Sanierung des Bahnhofs 2012 wenigstens fünf bis zehn Fahrradboxen aufstellen lassen, so gäbe es heute ebenfalls Wartelisten, ist sich Markus Mattheis vom ADFC sicher. Bisher gibt es dort nur sechs Anschließbügel, die noch nicht mal überdacht sind. „Wie will man so die Pendler erreichen, anstatt mit dem Auto mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu kommen?“, fragt Mattheis.

Marcus Kohler, neu gewählter Bürgermeister in Erdmannhausen, sagt: „Ich bin offen für das Thema!“ Allerdings wüsste er vorher gern den Bedarf, denn: „Was hab ich von Boxen, die herumstehen und die keiner nutzt?“ Er stehe für „nachfrageorientierte Investitionen und nicht für Angebotsinvestitionen“. Im nächsten Gemeindeblatt hat er deshalb selbst eine Umfrage gestartet. Auch im Zukunftsforum, das Kohler im Herbst starten will, soll das Thema diskutiert werden.

Der ADFC jedenfalls will am Thema dranbleiben und hofft, dass die Kommunalverwaltungen künftig „mehr Flagge zeigen für Radler und Pendler“.

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