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Sanierung

An der Galerie nagt der Zahn der Zeit

Der „Neubau“ ist fast 20 Jahre alt – Elektroarbeiten, Klimaanlage und neue Wände für rund 185.000 Euro

Nach knapp 20 Jahren müssen auch die Ausstellungsräume im Neubau der Galerie saniert werden. Archivfoto: Alfred Drossel
Nach knapp 20 Jahren müssen auch die Ausstellungsräume im Neubau der Galerie saniert werden. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die städtische Galerie besteht eigentlich aus zwei Teilen: Dem Altbau, in dem vornehmlich regionale Künstler gezeigt werden und dem modernen, funktionalen Neubau. Der eine wurde im Jahr 1989 eröffnet, rechtzeitig zum 1200-Jahre-Stadtjubiläum, der neue Bau stammt aus dem Jahr 2000.

Rund 23000 Besucher in der städtischen Galerie

Die Besucherzahlen der städtischen Galerie in der Bietigheimer Altstadt können sich sehen lassen. Im Zeitraum von Dezember 2017 bis November 2018 kamen rund 23.000 Besucher. Gezeigt wurde eine Gruppenausstellung mit Gemälden der norddeutschen Landschaft seit dem Jahr 1900, Arbeiten zum Thema Büro und eine Schau mit Produktionskunst, die auf den Namen Drehmoment hört. Diese Ausstellung wurde gemeinsam mit der Kunstregion Stuttgart veranstaltet. Dabei wurde beispielsweise eine Lichtinstallation mit Robotern eines örtlichen Unternehmens präsentiert.

Es ging aber auch Kunst von Bietigheim aus. Die Jubiläumsausstellung zum Wettbewerb „Linolschnitt heute“ war in Quedlinburg, in Würzburg oder auch im norddeutschen Husum zu sehen.

Doch Kunst will auch vermittelt werden – an Kinder und Erwachsene. Daher gab es zu allen Ausstellungen ein umfangreiches Begleitprogramm mit acht bis zehn Veranstaltungen im Monat. Es gab szenischen Rezitationen mit Schauspielern, Veranstaltungen mit Kindergartenkindern oder auch dem Verein Aktive Senioren. Außerdem wurden Künstlergespräche, Expertenführungen oder Workshops für Kinder angeboten.

In diesem Jahr werden noch Arbeiten von Franz Radziwill und Otto Nebel gezeigt. Zudem startet wieder der internationale Wettbewerb „Linolschnitt heute“. Schließlich hat die Stadt über die DLW einen besonderen Bezug zu dem Material Linoleum. (fe)

Nach knapp 20 Jahren Neubau stehen im Mai und Juni Sanierungsarbeiten im Altbau und im neueren Teil der Galerie an. Die Einrichtungen bleiben während dieser Zeit geschlossen, die nächste Ausstellung beginnt dann wieder Ende Juli.

Der größte Brocken ist die Erneuerung der Elektroverteilung im Altbau. Diese schlägt immerhin mit 75.000 Euro zu Buche. Außerdem muss die Kältemaschine der Klimaanlage ausgetauscht werden. Das kostet weitere 50.000 Euro. Eine solche Anlage ist in einer Galerie besonders wichtig, schließlich müssen vor allem ältere Gemälde auf einer konstanten Temperatur gehalten werden.

Der Aufbau der Wände im Neubau, an welchen die Bilder für die Ausstellungen hängen, muss ebenfalls erneuert werden – er ist in die Jahre gekommen. Die Sanierung kostet 35.000 Euro. Ebenfalls sanierungsbedürftig sind die Toiletten im Altbau. Die Erneuerung der Anlage wird mit 25.000 Euro kalkuliert.

Seit 1989 gab es in der Galerie neben mehr als 170 Ausstellungen auch ein umfangreiches Begleitprogramm. Einmal im Jahr finden die Workshopwochen für Schulklassen statt, deren Ergebnisse anschließend in einer Auswahl präsentiert werden. Ebenso zeigt die Galerie in ihrem historischen Gebäudeteil in wechselnden Ausstellungen Künstler der Region, die sich einen Namen gemacht haben oder die es zu entdecken gilt.

Außerdem wird regelmäßig ein Einblick und Querschnitt des eigenen Bestandes geboten, unter anderem mit Gemälden von Gustav Schönleber, Walter Strich-Chapell, Theodor Werner, Hermann Rombach, Paul Reichle, Bruno Diemer und Wolfgang Häberle. Die Sammlung an künstlerischen Linolschnitten vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ist weltweit einzigartig – mit Arbeiten von August Macke und Pablo Picasso über Lill Tschudi und Henri Matisse bis hin zu Philipp Hennevogl und Uta Zaumseil.

Die allererste Schau war Gustav Schönleber gewidmet, der 1851 in Bietigheim geboren, als Professor an der Karlsruher Akademie zu einem wichtigen Protagonisten moderner Landschaftsauffassung wurde. Ausstellungen zur Klassischen Moderne, insbesondere zu Vertretern des deutschen Expressionismus wie Erich Heckel, Max Pechstein, Gabriele Münter oder Marianne Werefkin, aber auch zu Pablo Picasso, Heinrich Vogeler, Egon Schiele oder Conrad Felixmüller sorgten für den guten Ruf der Galerie.

Erste Pläne für den Bau gab es bereits im Jahr 1979. Damals hatte der Gemeinderat eine Kulturkonzeption verabschiedet, in der eine eigene Galerie als Wunsch formuliert war. Als diese schließlich am 31. März 1989 eröffnet wurde, war dies der Startschuss für eine kulturelle Institution, die bald überregionale Bedeutung erlangen sollte.

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