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Wochenmarkt

Arrangieren mit dem Ausweichquartier

Erstmals fand der Wochenmarkt am Samstag wegen der Sanierung der Fußgängerzone auf dem Parkplatz an der Stadionhalle statt. Unsere Zeitung hat sich mit Kunden und Marktbeschickern über das Ausweichquartier unterhalten. Es gibt Lob, aber auch Kritik.

Händler und Kunden müssen sich noch an das Ausweichquartier für den Wochenmarkt gewöhnen.Fotos: Ramona Theiss
Händler und Kunden müssen sich noch an das Ausweichquartier für den Wochenmarkt gewöhnen. Foto: Ramona Theiss
Das Tuk Tuk pendelt zwischen Innenstadt und Stadionhalle.
Das Tuk Tuk pendelt zwischen Innenstadt und Stadionhalle.

Marbach. Muhammed Aktas ist mit seinem Standort nicht direkt unzufrieden. Alles sei übersichtlich, geräumiger als sonst in der Markstraße. Und die Sonne scheine auf den Stand, das sei in der Altstadt nie der Fall gewesen. Bislang verkaufte er sein Obst und Gemüse direkt vor dem ehemaligen Feinkostladen Aktas in der Marktstraße, den die Familie seit zwei Jahren nicht mehr betreibt. Derzeit wird das Geschäft lediglich als Lager genutzt.

„Im Sommer könnte die Sonne aber ein Problem werden“, meint Aktas. Und mehr Arbeit habe er nun auch. „Wir mussten vier Mal hin- und herfahren, bis alles vor Ort war. Jetzt müssen wir uns wohl einen Anhänger besorgen.“ Die Premiere auf dem Parkplatz an der Stadionhalle sei bislang relativ ruhig verlaufen. „Es war definitiv weniger los als sonst“, hat Aktas beobachtet. „Viele ältere Marbacher wohnen nun mal in der Altstadt, die kommen nicht hier raus. Aber es ist der erste Tag – man muss erst mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.“

Aktas‘ Vater erklärt seiner Kundin Eva Dunder gerade ein türkisches Rezept. Sie und ihr Mann kaufen regelmäßig auf dem Wochenmarkt ein. Zur Premiere an der Stadionhalle sind sie im Tuk Tuk von Christa Schultheiß gefahren, bei der die Stadt einen kostenlosen Pendelservice zwischen Markt und Innenstadt in Auftrag gegeben hat. Auch der Bürgerbus legt eine Extraschleife ein und bringt Kunden zum außerhalb gelegenen Parkplatz.

„Der Markt ist sehr schön geworden“, lobt Dunder. Dennoch bedauert sie, dass die Händler ihre Waren in den kommenden zwei Jahren nicht in der Altstadt anbieten können. Der Markt sei ein wichtiger Treffpunkt, von der erhöhten Publikumsfrequenz profitierten nicht zuletzt die Cafés und Geschäfte im Zentrum der Schillerstadt. „Die Einkäufer fehlen jetzt in der Innenstadt. Die Geschäfte wurden erst von Corona gebeutelt, und jetzt kommt die Sanierung der Fußgängerzone – das ist eine absolute Katastrophe und könnte den Tod der Innenstadt bedeuten.“

Auch Marina Wottke ist skeptisch. Als Stammkundin sei es für sie selbstverständlich, die Marktbeschicker nach dem Umzug weiterhin zu unterstützen. „Aber man hätte versuchen sollen, je nach Fortschritt der Sanierungsarbeiten in der Altstadt freie Plätze für die Stände zu finden.“ Der Markt habe das Marbacher Zentrum samstags belebt. „Danach trifft man sich noch mit Freunden und Bekannten in einem Café. Das fällt jetzt alles weg, und die Geschäftstreibenden haben weniger Einnahmen.“

Wie in der Vergangenheit werde sie auch künftig regelmäßig auf dem Wochenmarkt einkaufen, sagt Ute Endrizzi. Sie wohnt in Murr und ist mit dem Auto in die Schillerstadt gefahren. Dass sie an der Stadionhalle sofort einen Parkplatz gefunden hat, wertet sie natürlich als Pluspunkt. Auch sonst hat sie wenig am Ausweichquartier auszusetzen, „der Platz hier ist schon in Ordnung“. Grundsätzlich aber gehöre ein Wochenmarkt in die Innenstadt, findet Endrizzi, „das hat einfach mehr Flair“.

Ilse Erfurt kann sich ebenfalls mit dem Provisorium anfreunden. Sie ist sogar aus Waiblingen angereist. „Wir suchen uns immer mal wieder einen anderen Markt in der Region aus“, erzählt sie. Ihr erster Eindruck ist positiv. „Das Angebot hier ist gut, wir sind freundlich bedient worden. Und dass wir sofort einen Parkplatz gefunden haben, ist schon sehr praktisch.“

Am späten Vormittag stellt sich doch noch reges Markttreiben an den Ständen ein, die auf zwei gesperrten Parkplatzreihen stehen. Der Tag sei ganz gut angelaufen, sagt Petra Lintzen. Sie verkauft mit einer Freundin Honig, den ihre heute verhinderte Mutter Sonja Lintzen auf mehreren Grundstücken in der Umgebung produziert. Der Aufbau des Standes sei auch leichter gewesen als in der Altstadt, meint die junge Frau. „Aber die Laufkundschaft fehlt hier oben, das merkt man schon. Wahrscheinlich wird es noch ein bisschen dauern, bis sich alles eingespielt hat.“

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