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Jugendhilfe Hochdorf

Auf Missstände offensiv reagiert

Claudia Obele geht nach 16 Jahren als Leiterin der Jugendhilfe Hochdorf in den Ruhestand. Auf Missstände hat sie in ihrer Amtszeit offensiv reagiert. Ein Missbrauchsfall im eigenen Haus etwa wurde nicht unter den Teppich gekehrt, sondern gab den Anstoß für die Entwicklung eines ganzheitlichen Schutz- und Präventionskonzepts.

Claudia Obele geht nach 16 Jahren als Leiterin der Jugendhilfe Hochdorf in den Ruhestand, am Freitag wurde sie offiziell in der Hochdorfer Gemeindehalle verabschiedet.Foto: Holm Wolschendorf
Claudia Obele geht nach 16 Jahren als Leiterin der Jugendhilfe Hochdorf in den Ruhestand, am Freitag wurde sie offiziell in der Hochdorfer Gemeindehalle verabschiedet. Foto: Holm Wolschendorf

Remseck. Der Abschied von der Jugendhilfe Hochdorf falle ihr nicht leicht, sagt Claudia Obele, bevor sie am Freitagnachmittag in der Hochdorfer Gemeindehalle offiziell verabschiedet wird, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge und werde die vielen Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, vermissen.“

Die enge Verbundenheit mit ihrem Arbeitgeber verwundert nicht, immerhin fing die Sozialpädagogin und Psychotherapeutin schon 1992 beim damaligen Kinderheim Hochdorf als stellvertretende Heimleiterin an. 2005, die Einrichtung hatte sich mittlerweile in Jugendhilfe Hochdorf umbenannt, übernahm Obele die Leitungsfunktion.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel verändert, das zeigt sich schon am Personalstamm. Anfang der 1990er Jahre waren 25 Mitarbeiter bei der Jugendhilfe tätig, heute sind es etwa 100. „Wir haben deutlich ausgebaut“, sagt Obele. Als sie anfing, gab es lediglich klassische, stationäre Wohngruppen. Längst aber sind teilstationäre Angebote und Tagesgruppen hinzugekommen. Solche Tagesgruppen besuchen die Kinder nur tagsüber, abends und an Wochenenden wohnen sie bei ihren Familien. „Unser Ziel ist immer, so wenig wie möglich in das Familienleben einzugreifen“, betont Obele.

Tagesgruppen gibt es in den größeren Kommunen des Landkreises, um eine wohnortnahe Betreuung zu ermöglichen. „Diese Dezentralität ist wichtig“, sagt sie. „Die Angebote müssen dort entstehen, wo die Familien wohnen.“ Dazu gehört auch, dass die Jugendhilfe in die Schulsozialhilfe einstieg und ambulante Gruppen heute möglichst in der Nähe von Schulen geplant werden.

Der Präventionsbereich ist ebenfalls massiv gewachsen. So wurde etwa eine sozialpädagogische Familienhilfe aufgebaut. Mitarbeiter der Jugendhilfe besuchen Familien und unterstützen die Eltern bei der Bewältigung des Alltags, leisten Ernährungsberatung, organisieren die Schuldnerberatung oder stellen Kontakte zu Therapeuten her. „Es geht darum, die Eltern zu entlasten, damit sie ihre Kinder besser unterstützen können“, so Obele.

Früher habe es häufig zu lange gedauert, bis Kinder und ihre Familien unterstützt wurden. Das habe sich geändert. Erzieherinnen und Lehrer seien wesentlich aufmerksamer, wenn sich Probleme in Kita oder Schule andeuten. Das Jugendamt könne deshalb schneller reagieren. Obele: „Das ist besser, als abzuwarten, bis eine Trennung unvermeidlich wird.“

Wichtig war ihr immer, die Mitarbeiter möglichst weit an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Das habe sich nicht zuletzt positiv auf die pädagogische Arbeit ausgewirkt. „Wer selbst beteiligt wird, ist eher dazu bereit, die Kinder selbst zu beteiligen“, meint sie.

Als Einrichtungsleiterin war sie bereit, auch Missstände zu thematisieren und anzupacken. Nachdem ein Missbrauchsfall im eigenen Haus bekanntgeworden war, setzte sich Obele ab 2009 dafür ein, den Vorfall umfassend aufzuarbeiten.

Diese Auseinandersetzung mündete in ein umfassendes Schutz- und Präventionskonzept. „Bundesweit waren wir Vorreiter darin, wie man einen solchen Aufarbeitungsprozess aufgrund eigener Betroffenheit in der Einrichtung in einen positiven Organisationsentwicklungsprozess überführen kann.“ Es seien intensive Gespräche mit Mitarbeitern geführt worden. „Wir haben schnell reagiert und sind das Thema offensiv angegangen“, blickt Obele zurück. „Und am Ende haben wir mehr gewonnen als verloren.“

Was ihre Nachfolge angeht, ist sie guter Dinge. Voraussichtlich im Oktober werde die Mitgliederversammlung der Jugendhilfe eine Personalentscheidung treffen, „eine interne Nachfolgerin hat sich schon beworben“.

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