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Kindergarten-Aktion

Aus Baumstümpfen wird Holzkunst

Erinnerung an gefällte Pappeln – Motorsägen-Workshop in der Kita Onkel Toms Hütte – Holzkünstler gibt sein Wissen weiter

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An die Sägen, fertig, los! Aus den Pappeln entstanden ein Pilz, eine Schlange, eine Schildkröte und ein Backenzahn. Die Väter hatten vorher den Umgang mit der Säge gelernt.Foto: Holm Wolschendorf

Pattonville. Groß war die Trauer bei Kindern und Erziehern, als vor einigen Monaten die beiden Pappeln auf dem Gelände von Kita Onkel Toms Hütte gefällt wurden. Doch die rund 60 Jahre alten Bäume, die wegen Astbuchgefahr weichen mussten, sind nicht komplett verschwunden. Aus ihrem Holz sind jetzt Skulpturen gefertigt worden, die den großzügigen Spielbereich hinter der Kindertageseinrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Bostonring zieren.

Vier Väter haben am Samstag gemeinsam mit Kita-Leiter Tobias Tiefensee zur Kettensäge gegriffen. Unter der Anleitung des Holzkünstlers Edwin Karl aus Forchtenberg-Schleierhof haben sie aus den Stümpfen und Stämmen Figuren gesägt.

„Im Sinne der Nachhaltigkeit wollten wir Reste der Bäume erhalten“, sagte Tobias Tiefensee. Jahrelang hätten die Pappeln das Erscheinungsbild von Onkel Toms Hütte geprägt und an heißen Sommertagen Schatten gespendet. Noch einige Zeit wird es dauern, bis die Bäume, die als Ersatz gepflanzt worden sind, diese Funktion erfüllen. Aus dem Stumpf des Baumes, der vor der Kita stand, hat Edwin Karl bereits ein Pilzhaus angefertigt. Das hölzerne Dach fehlt noch, da es aktuell imprägniert wird.

Am Samstag heulten die Sägen und die Holzspäne flogen, nachdem Edwin Karl die Männer in den Umgang mit den Motorsägen eingewiesen und Wissenswertes zum Werkstoff Holz vermittelt hatte. Wie geht man bei der Umsetzung der Motive vor? Wie lassen sich spezielle Effekte erzielen und die Oberflächen bearbeiten? Das waren Fragen, die beim Workshop behandelt wurden.

Alle Teilnehmer waren mit einer Schutzausrüstung – unter anderem Helm, Gehörschutz und Schnitthosen – ausgestattet. Im Vorfeld hatten Eltern und Erzieher gemeinsam überlegt, wie die Holzskulpturen aussehen sollen. Bewusst hatte man sich für Motive entschieden, mit denen der Nachwuchs angesprochen wird. Und so entstanden ein Backenzahn, eine Schlange, ein Vogelhaus, eine Schildkröte und ein Bobbycar. Kinder, Eltern und Mitarbeiter der Einrichtung waren eingeladen worden, um sich die Verwandlung von Baumüberresten in Kunstwerke anzuschauen – natürlich aus einem gewissen Sicherheitsabstand. Mehrere Stunden dauerte es, bis die Verwandlung perfekt war.

„Die Teilnehmer machen alles selbst, bis ins letzte Detail“, betonte Edwin Karl, der seit 35 Jahren mit Holz arbeitet und seit mehr als 20 Jahren Kunstwerke mit der Kettensäge kreiert. „Ich säge alles kurz und klein“, so der Holzkünstler mit einem Lächeln im Gesicht. Kunst am Stumpf, das Sägen von Klangbäumen sowie von Skulpturen aus Holz und Eis hat er zu seinem Beruf gemacht. Und gibt sein Wissen wie bei der Aktion in Pattonville gerne weiter.

Große Augen machten die Kinder, als sie am Montag wieder in Onkel Toms Hütte kamen und die Kunstwerke entdeckten. Es fehlt zwar noch der Feinschliff. Dass es sich um wunderschöne Unikate handelt, ist aber jetzt schon zu erkennen.