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Musik

Aus und jenseits von Afrika

Die Band Mandenroots präsentiert beim „Best of Music“ einen vielfältigen Stilmix – Zehnte Auflage des Festivals

Nur kurzzeitig können die Besucher von „Best-of-music“ auf dem Marktplatz die Regenschirme zu lassen und der Musik lauschen.Fotos: Alfred Drossel
Nur kurzzeitig können die Besucher von „Best-of-music“ auf dem Marktplatz die Regenschirme zu lassen und der Musik lauschen. Foto: Alfred Drossel
Bouba Kante lebt seit einigen Jahren in Deutschland.
Bouba Kante lebt seit einigen Jahren in Deutschland.

Bietigheim-Bissingen. Ausgesprochen ungünstige Wetterbedingungen herrschten in den vergangenen Tagen beim „Best-of-Music“-Festival des Bietigheimer Kultur- und Sportamts. Schon bei der offiziellen Eröffnung der zehnten Auflage am Donnerstagabend regnete es ausgiebig, und auch am Freitag hatte der Wettergott die Veranstaltung mit seinen Kapriolen fest im Griff.

Am Samstag aber zeigt Petrus ein Einsehen, zumindest tagsüber bleibt es trocken. Das ändert sich allerdings schon bald, als am Abend die Band Mandenroots die Bühne betritt. Schon bald nach Konzertbeginn öffnet der Himmel wieder seine Schleusen. Frontmann Bouba Kante nimmt die Wettereskapaden mit afrikanischer Gelassenheit. „Ein bissel Bier, danach geht’s wieder“, empfiehlt er dem Publikum, das trotz der durchwachsenen Wetterlage zahlreich auf den Marktplatz geströmt ist.

Kante kann mühelos mit dem Publikum kommunizieren, der Sänger lebt seit einigen Jahren in Deutschland. Geboren wurde er aber im westafrikanischen Guinea, wo Kante vor mehr als 40 Jahren in eine ausgesprochen musikalische Familie hineingeboren wurde. Sein Vater, ein erfolgreicher Schauspieler und Musiker, war zu seinen Lebzeiten nicht nur in seinem Heimatland Guinea, sondern in halb Afrika eine Berühmtheit. Und sein Onkel ist Mory Kante, der Ende der 80er Jahre mit seinem Lied „Yeke Yeke“ einen Welthit landen konnte.

Wie sein Onkel pflegt auch Bouba Kante einen Stilmix ganz unterschiedlicher Stile aus und jenseits von Afrika. Dabei lässt er sich von musikalischen Traditionen seines Heimatlandes inspirieren, aber auch von Stilen, die sich nach der Verschleppung von westafrikanischen Sklaven in der Karibik und in diversen mittel- und südamerikanischen Ländern etablierten.

Insbesondere den Reggae hat sich Bouba Kante, der sich nicht umsonst den Künstlernamen Mandenrasta zugelegt hat, gründlich angeeignet – allerdings die Roots-Reggae-Variante im Stil von Bob Marley, Peter Tosh oder Jimmy Cliff. Mit dem aktuellen jamaikanischen Reggae, der als Dancehall bezeichnet wird und auf computergenerierte Klänge statt auf handgemachte Musik setzt, hat das nicht mehr viel zu tun.

Macht aber nichts, denn Bouba Kantes Interpretation des musikalischen Erbes der afrikanischen Diaspora in Übersee ist ebenso zeitlos wie tanzbar. Das stellt auch das Bietigheimer Publikum schnell fest, das den Musiker vom ersten Augenblick an ausgiebig feiert. Mit Teningbe Diawara hat Kante zudem eine stimmgewaltige Backgroundsängerin am Start. Seiner fünfköpfigen Band lässt der Maestro beim Auftritt ausreichende Freiräume für die Selbstverwirklichung an Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Percussioninstrumenten.

Weitere wichtige Einflüsse in Kantes explosivem Stilmischmasch sind Salsa, Afro-Pop und klassische Afro-Beat-Klänge im Stil eines Fela Kuti.

Das Konzert von Mandenroots erweist sich als überaus facettenreicher musikalischer Schmelztiegel, bei dem nicht nur die Musiker selbst, sondern auch die Besucher, die trotz des Regens auf dem Marktplatz ausharren, voll auf ihre Kosten kommen.

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