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Sommerserie: Besondere Gärten
Bei Ehepaar Pöppke in Großbottwar steht der Hühnerstall unter Bananenblättern

Albrecht und Hilde Pöppke mitten in ihrem Garten in Großbottwar. Fotos: Andreas Becker
Albrecht und Hilde Pöppke mitten in ihrem Garten in Großbottwar. Fotos: Andreas Becker
Der Garten ist Arbeit und Erholung zugleich.
Der Garten ist Arbeit und Erholung zugleich.
Die Bananenstaude überragt fast alles.
Die Bananenstaude überragt fast alles.
Die Wellensittiche wollen stets gefüttert werden.
Die Wellensittiche wollen stets gefüttert werden.
In diesem Teich laichen im Frühjahr Molche.
In diesem Teich laichen im Frühjahr Molche.
Auch die Bonsais brauchen Pflege.
Auch die Bonsais brauchen Pflege.
In unserer Sommerserie stellen wir besondere Gärten vor. Heute gewähren uns Hilde und Albrecht Pöppke Einblicke in ihr Paradies in Großbottwar, in dem nicht nur zahlreiche Pflanzen wachsen, sondern auch viele Tiere leben.

Großbottwar. Grau zieht sich der Asphalt der Landesstraße durch Großbottwar. Der von der Sonne erhitzte Gehweg lädt nicht gerade zum Verweilen ein. „Früher war an dieser Stelle ein Graben“, weiß Anwohner Albrecht Pöppke. „Da sind noch Frösche rumgehüpft.“ Der 70-Jährige kommt wie seine Frau Hilde ursprünglich aus dem Teilort Winzerhausen, ist aber größtenteils mitten in Großbottwar aufgewachsen. Vor rund 20 Jahren haben die beiden das Haus seiner Eltern übernommen – und aus dem Garten dahinter, sofern er es nicht ohnehin schon war, ein Paradies geschaffen, das man von der Straße aus nicht erahnen kann. Auch auf den zweiten und dritten Blick entdecken Besucher hier noch eine weitere Blume, dort ein anderes Gemüse oder gar ein Tier.

Heimat für Hühner, Wachteln, Wellensittiche und Forellen

Bis zur Auflösung des örtlichen Kleintierzüchtervereins war Albrecht Pöppke dessen Vorsitzender und hat selbst zunächst Tauben gezüchtet. „Mit der Kaninchenrasse Sachsengold war ich württembergischer Meister“, sagt er voller Stolz, aber doch auch irgendwie bescheiden. Entsprechend präsentiert das Ehepaar auch seinen Garten. Denn für die beiden ist es ganz normal, dass über den Ställen mit Hühnern, Wachteln und Wellensittichen die Blätter einer Bananenstaude wehen und im natürlichen Bach, der das Grundstück durchquert, Forellen schwimmen. Im Weiteren verläuft der Hannenbach unter der Straße und mündet in die Bottwar. Um ihn zu überqueren, haben die Pöppkes einen Holzsteg angelegt. Zwei Weiden, die links und rechts stehen, haben sie darüber zu einer Art Bogen zusammengeführt. An der Wasseroberfläche wächst Brunnenkresse. „Sie kommt schon im Frühjahr raus, wenn es noch kalt ist“, sagt Albrecht Pöppke. Da schmecke sie auch besonders scharf, man könne sie etwa im Salat verwenden.

Der Garten ist für die beiden Arbeit und Erholung zugleich

Woher sie ihr Wissen über Tiere und Pflanzen haben? „Ich bin schon so aufgewachsen“, sagt er. „Man bekommt auch Ideen aus Zeitschriften und von Gartenschauen“, ergänzt sie. Einmal waren die beiden sogar in den Niederlanden auf der Floriade, einer internationalen Gartenbauausstellung. Doch so richtig begeistert hat die Albrecht Pöppke offenbar nicht. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn der eigene Garten so nah liegt? Da man sich ständig um ihn kümmern muss, ist das Urlauben ohnehin nicht so ganz leicht. „Ein schöner Garten wischt den Staub des Alltags von der Seele“, steht auf einem Schild, das die Schwiegertochter gestaltet hat. „Man kann den Garten auch einfach genießen“, sagt die 63-jährige Hilde Pöppke, „aber wenn ich dann so dasitze, denke ich immer, das könnte ich noch machen und das …“

Viel Arbeit steckt etwa in den Bonsai-Versionen heimischer Baumarten. Vor rund 30 Jahren hat Albrecht Pöppke eine Esche in eine der flachen Schalen gepflanzt, die Wurzeln immer wieder ein Stück weit aus der Erde gezogen und kleinere Seitenwurzeln entfernt. Mit dem riesigen Walnussbaum im hinteren Teil des Gartens verbindet das Ehepaar eine noch viel längere Geschichte. Er ist aus einem Setzling gewachsen, den sie bei einem Spaziergang im Wald mitgenommen hatten. Das war noch vor ihrer Hochzeit, die inzwischen 43 Jahre zurückliegt.

Bienenfreundliche Pflanzen und eigener Honig

Auch für die drei Kinder und besonders die vier Enkel gibt es im Garten immer etwas zu entdecken, etwa wenn im Frühjahr im Teich Molche laichen, oder etwas zu naschen. Denn die Pöppkes haben auch einen Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern sowie mehrere Bienenstöcke. Deshalb achten sie darauf, dass die Pflanzen bienenfreundlich, deren Blüten offen anstatt gefüllt sind. Den Honig stellen sie selbst her. „Ich kann nicht zählen, wie oft ich schon gestochen wurde“, sagt Albrecht Pöppke. „Ich habe einen Imkeranzug, aber den ziehe ich nicht an. Ich kann das nicht gebrauchen.“

Als unsere Zeitung auf der Suche nach einem Garten in Großbottwar war, antwortete der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Oliver Hartstang: „Da denke ich spontan an den wunderschönen Garten der Familie Pöppke.“ Tatsächlich war der Besuch ein Erlebnis mit unzähligen Eindrücken. Oder wie unser Fotograf Andreas Becker sagte: „Es ist eigentlich unmöglich, das zu fotografieren.“

Zur Serie

In unserer Sommerserie stellen wir immer mittwochs und freitags besondere Gärten im Kreis Ludwigsburg vor.