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Andreasmarkt

Belebungsversuch für Totgesagten

„Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis.“ Selbst der sonst so nüchterne Bürgermeister Patrick Holl kann sich angesichts des vor sich hinsiechenden Andreasmarktes einen gewissen Zynismus nicht verkneifen.

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Der Andreasmarkt lockt kaum noch Besucher.Archivfoto: Holm Wolschendorf

Beilstein. Der Andreasmarkt hat in den vergangenen Jahren an Anziehungskraft verloren, so steht es sehr vorsichtig formuliert in der Beschlussvorlage des Gemeinderats. Und es folgt eine Analyse des Niedergangs einer alten, etwa 350-jährigen Tradition. Am Veranstaltungssamstag vor dem ersten Advent sei das Risiko schlechten Wetters hoch. Das schränke die Aktionsmöglichkeiten ein. Außerdem sei ein eintägiger Markt für die Marktbeschicker zu aufwendig und unattraktiv. Die Konkurrenz in der Region mit attraktiven Weihnachtsmärkten sei zudem groß. Die Bereitschaft dagegen, sich ehrenamtlich einzubringen, sei gering.

Es müsse auch geprüft werden, ob sich die Stadt finanziell engagieren sollte. „Was können wir generell tun?“, fragte Holl. Es fehle am klaren Profil und die Geschäfte in der Hauptstraße seien nicht glücklich, dass ihre Schaufenster von den Buden verdeckt werden. Die „Versorgungsfunktion“ des Marktes aus früheren Zeiten ist längst entfallen, es müsse die soziale, gesellige Funktion in den Vordergrund rücken. Die Erwartung an schnelle Erfolge sollte nicht zu groß sein, warnt die Verwaltung. Ein angekratztes Image, das über mehrere Jahre entstanden sei, könne kaum von einem Jahr auf das andere geheilt werden. Das Thema „Andreasmarkt“ sollte zeitnah nochmals aufgegriffen werden, damit 2018 nach Möglichkeit zumindest erste Verbesserungen erzielt werden könnten.

Nach den Ausführungen Holls herrschte sekundenlanges Schweigen im Rat – ein Ausdruck von Ratlosigkeit. Denn schon einmal setzte sich eine Arbeitsgruppe zusammen, um dem Krämermarkt mit seinem billigen Angebot zu neuem Schwung zu verhelfen. Aktionen wie Webstuhl, Schafe, „Beilstein belebt die Bühne“ oder ein riesiger Kürbisadler brachten aber nicht die erhofften Impulse.

„Es ist ein vollkommenes Umdenken nötig“, brach Dietmar Rupp von den Freien Wählern das Schweigen. In letzter Konsequenz müsse man „von einem toten Pferd absteigen“, auch wenn das hart formuliert sei. Weder Handel noch Vereine zeigten Interesse am Andreasmarkt, bedauerte Oliver Kämpf (CDU). In Beilstein gebe es keinen Bürgerverein, der sich einsetzen würde, wie zum Beispiel in Großbottwar beim historischen Markt. „Wir haben doch noch den Ostermarkt für das Krämerpublikum“, meinte Ursula Fein von der FDP. „Der Krämermarkt ist überflüssig und tot“, sagte Peter Gruner von der Initiative. Er forderte ein zeitgemäßes, neues Motto, das Gäste anlockt. Oliver Muth betonte, dass man „mit Dampf an die Sache herangehen muss, um Alleinstellungsmerkmale des Marktes herauszuarbeiten“. Zum Beispiel die Weinproklamation.

„Also doch wieder eine Arbeitsgruppe anstoßen, die Impulse setzt und Handlungsträger aktivieren und motivieren soll“, meinte Holl. Thomas Bauer (FW) begrüßte den Schritt. Man müsse weg vom Krämermarktimage, und dazu brauche es städtische Anstöße. Es gebe schon viele Ideen, man müsse nur jemanden finden, der sie auch umsetzt, so Ramona Weller (FW). Die Bürger sollten von Anfang an mit einbezogen werden“, meinte Brigitte Kobiela (CDU).

Bis auf den Beschluss, es noch einmal mit einer Arbeitsgruppe zu versuchen, kam aus den Reihen des Gemeinderates allerdings wenig Konkretes zur Neukonzeption des Andreasmarktes.