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Gewerbegebiet

„Benzäcker“: Jetzt ist die Region am Zug

Mit dem Gewerbegebiet „Benzäcker“ befassten sich die Mundelsheimer Gemeinderäte am Donnerstagabend. Interessant wird es auch am kommenden Mittwoch: Dann entscheidet die Regionalversammlung, ob das Verfahren zur Verlegung eines regionalen Grünzugs eingeleitet wird.

Die Mundelsheimer Gemeinderäte stehen hinter dem geplanten Gewerbegebiet Nahe der A 81. Foto: Alfred Drossel
Die Mundelsheimer Gemeinderäte stehen hinter dem geplanten Gewerbegebiet Nahe der A 81. Foto: Alfred Drossel

Mundelsheim. Im Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Besigheim war am Montagabend, als die Fortschreibung des Flächennutzungsplans auf der Tagesordnung stand, kontrovers diskutiert worden. Denn das Planwerk sieht an der A81 die Erschließung des Gewerbegebiets „Benzäcker“ auf Mundelsheimer Markung vor. GVV-Mitglieder aus Besigheim und Walheim hatten unter dem Eindruck der jüngsten Hochwasserkatastrophe massive Bedenken gegen diese Flächenversiegelung angemeldet (wir berichteten).

Boris Seitz, selbst Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband, war die Kritik sauer aufgestoßen. Der Mundelsheimer Bürgermeister sah seine Gemeinde zu Unrecht an den Pranger gestellt. Das betonte Seitz nochmals, als sich sein Gemeinderat am Donnerstagabend mit den „Benzäckern“ beschäftigte. „Die Diskussion im GVV hat sich nur um Mundelsheim gedreht“, so der Bürgermeister. „Vielleicht wollte man davon ablenken, dass die anderen Kommunen auch im großen Maßstab versiegeln.“

Im eigenen Gemeinderat musste Seitz erwartungsgemäß keine kritischen Nachfragen beantworten, das Gremium steht geschlossen hinter der Erschließung des 20 Hektar großen Gewerbegebiets. In den „Benzäckern“ könnten sich innovative Unternehmen ansiedeln, meinte etwa Andreas Link (Freie Bürgerliche Wählervereinigung). Das Areal sei über die Autobahn gut erreichbar, Konflikte wegen steigender Verkehrsbelastung im Mundelsheimer Zentrum seien deshalb auszuschließen. Die aktuelle Debatte über die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete sei zumindest ein Stück weit „dem Zeitgeist geschuldet“, meinte Link. Eine Zukunft ohne Gewerbe sei für ihn nicht vorstellbar. „Wir müssen dafür sorgen, dass auch die nächste und die übernächste Generation Lohn und Arbeit hat.“ Es gebe immer Argumente für und gegen Pläne, Flächen für die gewerbliche Entwicklung auszuweisen, sagte Thomas Kizler (Freie Wählervereinigung). „Wir Gemeinderäte haben es uns nicht einfach gemacht. Aber wir sollten diese Möglichkeit nutzen und hoffen, dass die Bevölkerung hinter uns steht.“

Im Rathaus habe beispielsweise ein Handelskonzern wegen des Baus eines Zentrallagers angefragt, berichtete Bürgermeister Seitz, „aber Logistiker wollen wir nicht“. Das Gewerbegebiet werde CO-neutral und für Ansiedlungen mit hoher Arbeitsplatzdichte geplant. „Wir reden hier von 50 bis 60 Arbeitsplätzen pro Hektar, wenn nicht mehr.“

Es sei nicht davon auszugehen, dass örtliche Betriebe in den „Benzäckern“ in nennenswertem Umfang zum Zug kommen, bemerkte Christian Bürkle (Bürgerliche Wählervereinigung). Deshalb müsse der Verband Region Stuttgart (VRS) der Gemeinde innerörtliche Erweiterungsflächen für Mundelsheimer Unternehmen zugestehen, forderte Bürkle, „unsere eigenen Betriebe müssen Perspektiven haben“. Thomas Kiwitt werde dieses Anliegen sicher wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wandte sich Bürgermeister Seitz an den Leitenden Technischen Direktor des VRS, der aus Stuttgart zu der Gemeinderatssitzung gekommen war. Die Gemeinde hat bereits ein kleines Gewerbegebiet neben den Netto-Markt für die Innenentwicklung vorgesehen.

Die nächste Planungshürde steht am kommenden Mittwoch an. Derzeit liegt das für die „Benzäcker“ vorgesehene Areal in einem regionalen Grünzug. Das Regionalparlament wird kommende Woche darüber abstimmen, ob ein Verfahren zur Verlegung dieses Grünzugs eingeleitet wird. „Wenn alles gut läuft, ist das in anderthalb Jahren durch“, sagte Kiwitt.

Der VRS-Planungschef wies auch darauf hin, dass die Region interkommunale Zusammenarbeit voraussetzt. Gemeinsam mit den Mitgliedskommunen des Zweckverbands Ottmarsheimer Höhe soll Mundelsheim deshalb einen neuen Zweckverband für die „Benzäcker“ gründen. „Wie Sie das machen, ist Ihre Sache“, meinte Kiwitt. „Aber wir bestehen auf der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden.“

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