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Beratung wechselt, Zuschüsse bleiben

Ausschuss des Kreistags beschließt: Caritas ist künftig für Betreuung bei Essstörungen zuständig

Kreis Ludwigsburg. Die Zahl der Essstörungen nimmt zu. Bislang wurden Betroffene und deren Angehörige vom „Verein Frauen für Frauen“ beraten und betreut. Diese Aufgabe übernimmt jetzt die regionale Caritas. Unverändert bleiben die Zuschüsse vom Landkreis.

Vor allem Frauen und Mädchen leiden unter Essstörungen. Aber auch Männer, wenn auch sehr selten. Sie haben seelische Probleme oder rennen dem trügerischen Schönheitsideal „rank und schlank“ hinterher. Die einen essen nur noch wie die Spatzen und erbrechen oft das wenige, das sie kurz davor zu sich genommen haben. Das führt zu körperlichen Mangelerscheinungen und irgendwann zu Magersucht, die tödlich enden kann. Die anderen haben regelrechte Fressattacken, in denen sie unkontrolliert alles in sich hineinstopfen, was ihnen vor die Finger kommt. Das ist kein Spleen, sondern eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die behandelt werden muss.

In den vergangenen fünf Jahren erreichte die Fachberatungsstelle 475 Personen, darunter 56 Männer. 876 Gespräche wurden geführt – auch mit Angehörigen. So lange, bis ein Therapieplatz gefunden wurde. Die Dunkelziffer dürfte allerdings viel höher liegen. Vergangenes Jahr wandten sich 85 Betroffene an „Frauen für Frauen“. 2021 sind das bereits 71. Und das, obwohl in beiden Jahren Corona die wichtigen persönlichen Kontakte über Wochen unmöglich machte und die Stelle seit Juni unbesetzt ist. Eine Nachfolge wurde bislang nicht gefunden.

Das ist auch der Grund, warum sich der Verein nach fast zehn Jahren von diesem Angebot trennen will. Außerdem möchte man sich auf die Präventionsarbeit gegen häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder konzentrieren. „Es wurde in der Vergangenheit hervorragende Arbeit geleistet“, loben die Kreistagsmitglieder im Sozialausschuss. Diese Aufgabe sei weiterhin unverzichtbar und müsse fortgeführt werden.

Mit der Caritas sei, so die Kreisverwaltung, ein neuer Träger gefunden, der über ein vielfältiges Netz an Beratungsangeboten in allen angrenzenden Hilfefeldern verfügt. Aufgrund der inhaltlichen Nähe zur Arbeit der Psychologischen Familien- und Lebensberatung sowie der Suchtberatungsstelle – beide mit Sitz in Ludwigsburg – könne dieses Angebot als eigenständiger Kompetenzbereich fortgesetzt werden. Die Caritas wird diese Aufgabe bereits zum Jahreswechsel übernehmen und mit einer berufserfahrenen Teilzeitkraft besetzen.

Einstimmig wurde die Empfehlung an den Kreistag ausgesprochen, die Fachberatungsstelle bei Essstörungen beizubehalten und auf fünf Jahre mit 44000 Euro an Personalkosten weiter zu bezuschussen.

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