Logo

Bloß keine Angst vor Geistern und Horrorgestalten

Schulkinder arbeiten mit den Schauspielern Rüdiger Erk und Boris Hauck an einem integrativen Theaterstück, das allerdings noch keinen Titel hat

Wie gruselig geht, das erklären Rüdiger Erk (Bildmitte) und Boris Hauck (Dritter von rechts) den jungen Darstellern, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Foto: Alfred Drossel
Wie gruselig geht, das erklären Rüdiger Erk (Bildmitte) und Boris Hauck (Dritter von rechts) den jungen Darstellern, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Spannung und Aufregung herrschen im Jugendhaus. Durch die Räume wuseln zehn Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren. Sie sind verkleidet und in die Rollen von Gruselgestalten geschlüpft. Ihre Haare sind wirr, die Gesichter sind bleich geschminkt. Die rote Farbe an den Mundwinkeln sieht aus wie Blut.

Zusammen mit den beiden Schauspielern Rüdiger Erk und Boris Hauck erarbeiten die jungen Darsteller ein Theaterstück, das allerdings noch keinen Namen hat. „Es handelt sich um ein integratives Theaterprojekt, das unterstützt wird vom Freundeskreis Asyl, dem Marketing Concept Besigheim und dem Bund der Selbstständigen in Besigheim“, erklärt Nicole Petzold, Leiterin des Jugendhauses. „Bei diesem Projekt können und sollen auch Kinder mitmachen, die im Flüchtlingsheim am Wasen untergebracht sind.“ Es gehe nicht nur um ein Miteinander im Spiel mit den anderen, sondern um das Thema Angst.

Denn Grundlage des Stücks ist das Grimm’sche Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“, sagt Hauck. Es gehe um die Frage, was einem Angst macht und ob Angst zu haben, auch etwas Positives sein kann. Hat die Angst denn auch etwas Gutes? „Ja“, bestätigen Joeva, Joya, Judith, Lena, Mila, Liv und Sara. „Wenn man seine Angst überwunden hat, ist man stärker geworden“, sind sich die jungen Darstellerinnen einig. „Und die Angst zeigt einem auch die eigenen Grenzen auf. Wenn man beispielsweise ein mulmiges Gefühl bei irgendetwas hat, sollte man es auch nicht machen.“

Die Rollen in dem Theaterstück sind nicht festgelegt. Die Schauspielprofis nehmen die Ideen, aber auch die Energie der Kinder auf und setzen die Impulse mit ihnen um. „Wer möchte, darf eine der Hauptrollen übernehmen“, sagt Rüdiger Erk. Da gibt es beispielsweise die ältere Schwester eines Zwillingspärchens, die ist völlig furchtlos und muss einige Prüfungen in einem Horrorzirkus oder in einem Gespensterschloss bestehen. „Am Ende gibt es eine Hochzeit mit dem Prinzen. Oder, wenn ein Junge die Rolle des älteren Bruders übernimmt, heiratet er die Prinzessin.“ Leo wetzt als gruseliger Geist zwei Messer, um seine Mitspielerinnen zu erschrecken. Der Zehnjährige macht zum dritten Mal bei einem Theaterprojekt dieser Art im Jugendhaus mit. „Ich schlüpfe gerne in andere Rollen, das macht mir Spaß.“

Der Spaß wird auch bei den Mädchen ganz groß geschrieben, „wir freuen uns jeden Dienstag auf die Proben und darauf, dass wir uns sehen und an dem Stück arbeiten“. Joeva und ihre Schwester Joya träumen davon, Schauspielerinnen zu werden. Es mache ihnen nichts aus, Texte zu lernen, Lampenfieber zu haben und vor Publikum zu spielen, meinen sie. „Das gehört alles dazu.“

INfo: Wie es sich für ein Theaterstück gehört, wird auch dieses vor Publikum aufgeführt. Premiere wird am Dienstag, 22. Oktober, im kleinen Saal der Stadthalle Alte Kelter sein. Die Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

Autor: