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Blühende Bienen-Arche in einem Meer aus Asphalt

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Asperg. Auf den ersten Blick sehen die beiden Holzkisten am Eingang zum Asperger Bahnhof aus wie normale, nicht so richtig gepflegte Hochbeete. Aber die haben es in sich: Es sind Spezialanfertigungen, in denen sich insbesondere Wildbienen wohlfühlen.

„Archen“ nennt Eva Stengel ihre Erfindung, weil sie in den innerstädtischen Meeren aus Asphalt Insekten und Wildbienen einen Zufluchtsort bieten. Es sind zwei größere Boxen, die es nur im Doppelpack gibt. In der einen Kiste sind blühende Wildstauden aus biologischem Anbau gesetzt. Die Pflanzen sind sorgfältig nach Eignung für Wildbienen ausgewählt und so zusammengestellt, dass die Tiere von Frühjahr bis Herbst Pollen und Nektar finden. Sie sind robust und wesentlich hitzebeständiger und pflegeleichter als Kulturpflanzen.

Ergänzt wird die Box durch einen Aufsatz mit weiteren Nisthilfen und einer Hummelhöhle. Im anderen Hochbeet können sich die Insekten ihre „Wohnung“ bauen und nach eigenem Geschmack einrichten, ihren Nachwuchs großziehen. Gefüllt ist sie mit einer speziellen Lehm-Sand-Mischung, Ästen und Steinen.

Eva Stengel entwickelte ihre Idee zur wissenschaftlich fundierten Serienreife mit Experten der Heinz-Sielmann-Stiftung. Ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem sorgt dafür, dass weder die Tiere noch die Pflanzen ertrinken. Das Nahrungsbeet ist so bepflanzt, dass so gut wie jedes Insekt fündig wird.

Gebaut, befüllt, bepflanzt und vertrieben werden diese sogenannten Trittsteinbiotope von der Behindertenhilfe Ostalb der Samariterstiftung. Verwendet wird robustes und witterungsbeständiges Lärchenholz aus heimischen, zertifizierten Wäldern. Die Einlegefolie besteht aus recyceltem Material, die verwendete Erde ist torffrei.

Mit den „Das-tun-wir-Archen“ wird Lebensraum geschaffen, wo es eigentlich keinen mehr gibt: auf Parkplätzen, Marktplätzen, in Fußgängerzonen und Gewerbegebieten oder vor Bahnhöfen. Asperg ist jetzt einer von dreien in Baden-Württemberg, der damit von der Deutschen Bahn ausgestattet wurde.

„Hier wird deutlich, wie auch auf kleinen, versiegelten Flächen Räume für mehr Artenschutz und Biodiversität geschaffen werden können“, freut sich Bürgermeister Christian Eiberger über das Engagement der Bahn. „Umwelt- und Artenschutz ist für die Bahn ein wichtiges Thema. Als umweltfreundliches Verkehrsunternehmen haben wir die Verantwortung, die biologische Vielfalt zu schützen, indem wir Lebensräume schaffen und erhalten. Mit den Rettungsinseln geben wir Wildbienen an Bahnhöfen ein neues Zuhause“, betonte Bahnhofsmanager und Naturfreund Nikolaus Hebding bei der Einweihung der Archen am Donnerstag, dem Weltbienentag.

„Ich werde die Idee der Arche weiterentwickeln, um die Kombination von Habitat sowie Nahrungsangebot in unterschiedlichen Formaten anbieten zu können“, erklärt Eva Stengel. (tf)

Internet: www.dastunwir.de

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