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Brand in Korntaler Mehrfamilienhaus wurde gelegt

Gutachten schließt andere Brandursache „nahezu aus“ – Vier Wohnungen seitdem nicht mehr nutzbar – Große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung

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Das Feuer hatte sich über die Balkone ausgebreitet. Archivfoto: H. Wolschendorf

Korntal-Münchingen. Es war ein Feuer mit dramatischen Folgen: Vier Wohnungen waren nach dem Brand im Schlesierweg am Morgen des 20. Oktober längerfristig nicht mehr bewohnbar, drei Familien mussten in Notunterkünfte, ein Mann kam privat unter, zudem erlitten zwei Menschen Rauchvergiftungen. Und nun stellt sich auf Nachfrage beim Ludwigsburger Polizeipräsidium heraus: Mit großer Wahrscheinlichkeit steckte Absicht hinter dem Unglück.

Der Brand sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit vorsätzlich gelegt worden“, heißt es in einer später verschickten gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. „Eine andere Brandursache ist nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nahezu auszuschließen.“ Das sei das vorläufige Ergebnis eines von der Staatsanwaltschaft Stuttgart beauftragten Sachverständigengutachtens. Es gibt zudem den Schaden mit rund 300 000 Euro an.

Als Brandausbruchsstelle lokalisierte der Sachverständige des Landeskriminalamtes den Balkon im Hochparterre des vierstöckigen Hauses. In diesem Bereich hätten sich weder elektrische Leitungen noch Gegenstände befunden, die die Gefahr der Selbstentzündung bargen. Von dem Balkon aus hatten die Flammen auf darüber liegende Balkone und über die Türen auf die Wohnungen übergegriffen.

Wer das Feuer aber gelegt hat, ist noch unklar. „Hinweise auf einen möglichen Täter haben sich bisher nicht ergeben. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Ludwigsburg dauern an“, heißt es dazu aus dem Präsidium.

Unterdessen hat es zumindest für die Bewohner von zwei zerstörten Wohnungen gute Nachrichten gegeben. Die Siedlungsgesellschaft, der der Gebäudekomplex in der Nähe des Korntaler Bahnhofs gehört, konnte zwei Familien mit kleinen Kindern neue Wohnungen dort anbieten. Und dem Ehepaar, das die Stadtverwaltung nur wenige Stunden nach dem Brand in einer nahe gelegenen Notunterkunft untergebracht hat, habe die Gesellschaft eine Wohnung in Ditzingen angeboten, so Michael Siegel, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt. Der Bewohner einer vierten Wohnung war von Anfang an privat untergekommen. Die Nachricht, dass das Feuer mit großer Wahrscheinlichkeit gelegt wurde, bezeichnete er als „brutal“. Und sagte: „Wir hoffen, dass die Polizei herausbekommt, wer’s war.“

Das Unglück hatte eine große Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Nur kurze Zeit nach dem Bekanntwerden waren Bürger mit Kleidung und anderem in die Sporthalle der Teichwiesenschule gekommen, wo alle Bewohner zunächst waren. Zudem baute das Rote Kreuz einen Stand vor dem Koroneo auf. Schon wenig später meldete die Stadt, dass man keine Kleiderspenden mehr benötige, dafür aber kleine Möbel. Auch jetzt kümmere man sich bei der Stadt noch um die Verteilung, so Michael Siegel.