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Gemeinschaftsschulen

Breite Kritik an Oberstufen-Vorstoß

Der Vorstoß der 16 Gemeinschaftsschulrektoren für die Einführung einer eigenen Oberstufe, ist bei den übrigen Schularten auf breite Kritik gestoßen. „Wir haben im Landkreis genügend Möglichkeiten, das Abitur zu machen“, so der geschäftsführende Schulleiter der Berufsschulen, Andreas Moser.

Mit modernsten Mitteln werden die Schüler am Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen unterrichtet. Archivfoto: Alfred Drossel
Mit modernsten Mitteln werden die Schüler am Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen unterrichtet. Foto: Alfred Drossel
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Kreis Ludwigsburg. Wie geht es weiter mit den Gemeinschaftsschulen (GMS) im Kreis Ludwigsburg? Derzeit gibt es 16 dieser Einrichtungen, fünf von ihnen haben jetzt die Klassenstufe 10 erreicht. Bislang kann an den GMS kein Abitur abgelegt werden. Schüler, die Gymnasialleistungen erbringen, müssen nach Klasse 10 an ein Allgemeines oder ein Berufliches Gymnasium wechseln. Im Gespräch ist, dass an „ein bis zwei Standorten“ eine Oberstufe für die Gemeinschaftsschulen eingerichtet wird (wir berichteten). Erste Gespräche wurden etwa mit Bietigheim-Bissingen geführt.

Die übrigen Schulen zeigen zwar Verständnis für den Vorstoß. Allerdings gibt es teilweise harte Kritik an den Plänen. Tenor: Es gibt genügend Möglichkeiten zum Abitur.

„Die Beruflichen Gymnasien bieten Gemeinschaftsschulen und Realschulen ideale Anschlussmöglichkeiten“ ist Andreas Moser überzeugt. „Im Landkreis gibt es flächendeckend entsprechende Kooperationen“, weist der Rektor der Ludwigsburger Oscar-Walcker-Schule auf die schon bestehende Zusammenarbeit zwischen Beruflichen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen hin. „Die Beruflichen Gymnasien gelten seit Jahrzehnten als Erfolgsmodell, wenn es darum geht, Realschüler zum Abitur zu führen und ihnen gleichzeitig berufliche Bildung zu vermitteln“, ergänzt Stefan Ranzinger. „Aufgrund unserer positiven Erfahrungen empfehlen wir diesen Weg auch den Gemeinschaftsschülern“, so der Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Bietigheim-Bissingen. Und er zweifelt auch an, dass es überhaupt eines weiteren Angebotes bedürfe: „In unserem Schulsystem gibt es einen Mangel an Qualität und einen Mangel an Lehrkräften, aber sicher keinen Mangel an Wegen zum Abitur.“

Auch an den Gymnasien stößt der Vorstoß auf Skepsis. „Natürlich wollen die GMS-Rektoren ihre Schulform absichern“, so der Geschäftsführende Leiter der Gymnasien, Mathias Hilbert. Sie bräuchten die Oberstufe als Perspektive. Allerdings sei das Kurssystem extrem komplex. Außerdem hätten die GMS derzeit noch nicht genügend Lehrer, die auf Gymnasialniveau unterrichten könnten: „Die sind auch nicht so leicht zu finden.“ Der Rektor des Otto-Hahn-Gymnasiums in Ludwigsburg glaubt allerdings nicht, dass die existierenden Gymnasien durch die Einrichtung einer Oberstufe an den GMS geschwächt würden. „Deshalb wird es auch in Zukunft sehr stark auf die Kooperation mit den Gymnasien ankommen,“ so Bernhard Bleil von der Eberhard-Ludwig-Schule, der als weiterer geschäftsführende Schulleiter in Ludwigsburg für die GMS zuständig ist.

Diesen Weg beschreiten auch schon seit Langem die Realschulen. „Wir betrachten uns ohnehin als die eigentliche Sekundarstufe.I“, so Hartmut Meier von der Gottlieb-Daimler Realschule in Remseck. „Für unsere Schulform brächte eine GMS-Oberstufe allerdings auch keinen Nachteil“, ergänzt er.“ „Wir sind schon wieder gestärkt“, findet auch sein Kollege Jochen Haar von der Matern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar. „Eine weitere Oberstufe benötigen wir nicht, eher weitere Kooperationen mit den Gymnasien.“

Eine Meinung, die auch Klaus Stöckle, Leiter der Realschule im Aurain, teilt. „Die Kooperation mit den Beruflichen Gymnasien ist wichtiger.“ Er hält ohnehin nicht viel von einer Oberstufe an den GMS. Es könnte mittelfristig zwar passieren, dass noch mehr Schüler den Weg zur Hochschulreife außerhalb der beruflichen Gymnasien wählten, fürchtet er. „Ob dies bei der dringenden Not an Ingenieuren und Technikern der richtige Weg ist, bezweifle ich stark.“ Der Weg – sechs Jahre Realschule, drei Jahre Berufliches Gymnasium – sei ein langjährig erfolgreich gegangener Weg. „Wozu braucht dieses „G9“ für Schüler, die in Klasse 4 vielleicht noch nicht zu den allerbesten zählen, eine Konkurrenz?“

Der Prozentsatz der Schüler, die derzeit überhaupt die nötigen Leistungen erbringen, um auf das Gymnasium zu wechseln, ist überschaubar. Vor wenigen Wochen fand eine Tagung mit Vertretern aller weiterführenden Schulen im Kreis und Vertretern des Kultusministeriums statt. Von den geforderten 60 Schülern, die für eine Oberstufe nötig wären, sind die GMS danach weit entfernt. Noch nicht einmal ein Dutzend könnten ins Gymnasium wechseln, hieß es in vertraulicher Runde.

Insgesamt sind die Zahlen der Schüler, die sich nach der Grundschule an einer Gemeinschaftsschule anmelden, im Kreis eingebrochen. 2018 hatten sich noch 549 Schüler für eine GMS entschieden. Das sind gegenüber dem Höchststand von 2015 (904 Anmeldungen), über 40 Prozent weniger.

Außerdem liegt die Übergangszahl bei den GMS im Kreis 2018 mit 11,4 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 12,8 Prozent. „Gewinner“ der vergangenen Jahre beim Schülerzulauf aus den Grundschulen sind die Realschulen, die einen Anstieg um rund 15 Prozent zu verzeichnen haben. (2014: 31,7 Prozent, 2018: 36,5 Prozent).

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