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Natur

Büffel fühlen sich saumäßig wohl

Vor einem Jahr sind sechs Büffeldamen in die Aue der Bottwar gezogen – Tierwelt entwickelt sich positiv weiter

Die Wasserbüffel in der Bottwartal-Aue sind die Stars bei Spaziergängern und Radfahrern. Bald soll es noch mehr Infos zu dem Projekt geben.Archivfoto
Die Wasserbüffel in der Bottwartal-Aue sind die Stars bei Spaziergängern und Radfahrern. Bald soll es noch mehr Infos zu dem Projekt geben.Archivfoto Foto: privat
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Foto: Holm Wolschendorf

Großbottwar. „Die Büffel haben sich saumäßig gut eingelebt“, freut sich Gerhard Fahr. Er ist Vorsitzender des Vereins für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal und fungiert zusammen mit den Großbottwarer Landwirten Andreas und Ulli Weigle sozusagen als Büffeleltern. Jeden Tag sind sie draußen und so haben sich die sechs Damen und vier Kälber gut an ihre Eltern gewöhnt. Sie lassen sich nicht nur locken, sondern auch treiben, wenn sie zur nächsten Wiese sollen. „Sie sind richtig zutraulich“, freut sich Fahr.

Vor rund einem Jahr kamen die sechs asiatischen Büffeldamen von Überlingen am Bodensee in die Bottwaraue zwischen Großbottwar und Kleinbottwar. Nach der Idee von Claus-Peter Hutter von der Stiftung Nature Life International sollen die Büffel mehrere Aufgaben erfüllen. Sie sollen als Weidetiere die Fläche abgrasen, unter anderem das Schilfgras, das in der Talaue überhandgenommen habe – ein Teil des Schilfs bleibt aber stehen, auch die Bottwar und das Umfeld des Wassergrabens bleiben unangetastet. Durch ihre Präsenz sollen sie für mehr Artenvielfalt sorgen.

Im Vorfeld hatte es viel Kritik gegeben. Die sei inzwischen verstummt, so Fahr. Im Gegenteil: Er bekomme nur positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Kindergärten, Schüler kommen extra vorbei, sogar Familien aus Schorndorf und Heilbronn hat Fahr schon getroffen. „Manche Spaziergänger kommen nur wegen der Büffel und sind enttäuscht, wenn sie sie nicht sehen“, sagt Fahr. So könne man den Kindern wieder einen Bezug zur Natur vermitteln. In Zukunft sollen deshalb auch Führungen angeboten werden, wenn dies wieder möglich ist. Die Begeisterung ist noch größer, seit es die kleinen Büffelbabys gibt. „Da haben uns die Büffel wirklich überrascht“, sagt Fahr. Im September kam das später auf den Namen „Habo“ (nach der Handballgemeinschaft Bottwartal) getaufte erste Kalb zur Welt, im Februar folgten noch drei weitere Babys. „Wir haben es den Tieren bis zum Schluss nicht angesehen, dass sie trächtig sind“, berichtet Fahr. Doch da Wasserbüffel eine Tragezeit von 310 Tagen haben und in dem Projektgebiet am Bodensee, aus dem sie stammen, in einer gemischten Herde gehalten wurden, konnte man sich den Nachwuchs erklären. Habo sei inzwischen schon eine junge Dame und auch das zweite Fräulein, das im Februar geboren wurde, sei ein ganz hübsches und zutrauliches Kalb. „Die lässt sich sogar umarmen“, berichtet Fahr. Auch die beiden Jungs haben sich gut entwickelt. „Sie schlecken uns sogar an der Hand“, so Fahr. Auf ihre Namen, die sie teilweise haben, hören sie zwar nicht, aber sie seien sehr aufmerksam.

Doch nicht nur das: Auch die Natur entwickle sich gut. Wer aufpasst, hört Frösche quaken, Libellen surren und Stare singen. Biologen, Ornithologen und Landespfleger haben jetzt mit dem Monitoring begonnen, jährlich wird ein Bericht verfasst, wie sich die Ansiedlung der Tiere auswirkt. In den Suhlen, die die Wasserbüffel schaffen, wenn sie sich im Schlamm abkühlen, siedeln sich Insekten an. Mit ihren Hufen bilden die Büffel zudem bis zu 30 Zentimeter tiefe Pfützen, die von Amphibien wie Wasserfröschen und Gelbbauchunken genutzt werden und Libellen und Schmetterlinge anlocken. Auch Erdkröten wurden schon entdeckt. „Ganz toll sind auch die Starenschwärme. Die Stare sitzen sogar auf den Rücken der Büffel“, freut sich Fahr. Vögel wie Schilfrohrsänger, Sumpfrohrsänger und Rohrammer fühlen sich in Schilf besonders wohl, weshalb diese Bestände von der Beweidung ausgenommen wurden. Das Nahrungsspektrum für sie werde sich durch die Insekten, die nun hinzukommen, aber noch verbessern. Auf den Holzpfosten und Drähten der Zäune fühlen sich bereits Neuntöter und Goldammer wohl. Auch die für Großbottwar so wichtigen Weißstörche wurden auf dem weitläufigen Grünland schon gesehen.

Auch das Schilf, das überhandgenommen hat, wird weniger. „Es ist aber noch genug da, die Tiere leben wie im Schlaraffenland“, sagt Fahr. Das Gelände zeichnet sich durch Kleinseggen-Riedstrukturen, Salbei-Glatthafer-Wiesenelementen, Schilfflächen und dicht bewachsene Wassergräben, Sumpf- und Wasserflächen aus. Wasserbüffel fressen zunächst die schmackhaftesten Weidekräuter. Im Laufe des Jahres vertilgen sie aber auch „minderwertigere“ Futterpflanzen, wie Binsen und Seggen, sowie Brennnesseln oder Ampfer. Dadurch bekommen auch Sumpfdotterblumen und andere Blütenpflanzen wieder eine Chance. Initiator Claus-Peter Hutter ist überzeugt davon, dass sich die Ansiedlung auch auf gefährdete Arten positiv auswirken wird. Dies daure aber ein paar Jahre.

Überwältigt ist Hutter auch von der Einsatzbereitschaft der sechs Stammhelfer. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat das Team mehr als 2200 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. Sie schauen täglich nach den Tieren, machen Heu, kontrollieren und bauen neue Zäune, bauen Stege, wenn die Tiere über die Bottwar müssen, kümmern sich. „Es ist richtig Geschäft, aber macht auch Spaß“, betont Gerhard Fahr.

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