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Motorradlärm

Bündnis gegen die volle Dröhnung

Rücksichtlosen Bikern könnte ein schärferer Wind um die Nase wehen. Die „Initiative Motorradlärm“ macht auf breiter Front aktiv gegen Krach. Angesiedelt ist sie und ein Lärmschutzbeauftragter beim Verkehrsministerium. Auch Bietigheim-Bissingen, Gerlingen und Vaihingen sind daran beteiligt.

Bikerkontrolle: Ein Polizist sucht nach möglichen unerlaubten Veränderungen, die Motorräder besonders laut machen. Archivfoto: Patrick Seeger/ dpa
Bikerkontrolle: Ein Polizist sucht nach möglichen unerlaubten Veränderungen, die Motorräder besonders laut machen. Foto: Patrick Seeger/ dpa

Kreis Ludwigsburg. Bald beginnt die Motorradsaison. Dann schwärmen die Fahrer mit ihren Maschinen wieder – und können für lärmgeplagte Anwohner zur Last werden. Zumal schwarze Schafe unter den Bikern auf höchsten Touren durch schönste Gegenden jagen. Bevorzugt sind kurvenreiche Bergstrecken, aber auch gerade Ausfallstraßen, auf denen die Beschleunigung geräuschvoll ausgekostet wird.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) schätzt die Quote der Soundfetischisten, die keine Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen, auf zehn Prozent. Meint aber zugleich: „Auch die Mehrheit, die genießt und cruist, produziert Lärm, wenn sie in Rudeln unterwegs ist.“ Sasbachwalden im Ortenaukreis ist eine der besonders betroffenen Gemeinden. „Bei einem Höhenunterschied von 1000 Metern fallen die Motorradfahrer vor allem an den Wochenenden ein wie Insektenschwärme“, beschreibt die Bürgermeisterin Sonja Schuchter die Situation. Sommers könne man auf manchen Terrassen wegen des Krachs keinen Sonntagskaffee mehr trinken. Selbst bei geschlossenen Fenstern und Türen seien normale Gespräche manchmal unmöglich. „Wir haben nichts gegen die, die sich vernünftig benehmen“, sagt sie. Aber Rowdys wolle man sich nicht länger gefallen lassen.

Schuchter ist die Sprecherin der Mitgliedskommunen von „Initiative Motorradlärm“. Der sind landesweit mittlerweile 71 Städte und Gemeinden beigetreten, darunter Gerlingen, Vaihingen und Bietigheim-Bissingen. Außerdem sieben Landkreise. Aus dem Ludwigsburger Landratsamt verlautet, der Kreis sei weniger stark betroffen als etwa die Nachbarn in Rems-Murr. Man werde die Entwicklung aber beobachten.

Insgesamt repräsentiere die Aktion mittlerweile rund 1,5 Millionen Bürger in Baden-Württemberg, so der Lärmschutzbeauftragte und Landtagsabgeordnete Thomas Marwein (Grüne). Er weiß, dass es dicke Bretter zu bohren gilt: Die Genehmigungs- und Zulassungsregeln müssten überarbeitet werden. Insbesondere sollen die Dezibelwerte deutlich nach unten geschraubt werden. Das ist aber Sache der Europäischen Union. So sollen Hersteller und Händler gezwungen werden, leisere Fahrzeuge zu produzieren und zu verkaufen. Auch die Anbieter von Tuning-Sätzen und speziellen Abschaltvorrichtungen sollen in ihre Schranken gewiesen werden. Derzeit aber sei zu vieles legal.

Die Motorradfahrer selbst sollen gegenüber ihrer Umwelt sensibilisiert werden. Mit mobilen Lärmmessgeräten zum Beispiel. 20 Stück davon sind aktuell Im Einsatz, mahnen aber nur: „Leiser!!“ Ob die technisch zu echten Lärmblitzern nach dem Vorbild von Radarkontrollen, die auch gerichtsverwertbare Daten liefern, aufgerüstet werden können, bezweifelt Marwein. Aber: „Es wäre zu wünschen!“

Marwein fordert, die Bußgelder bei zu lautem Fahren und Manipulationen am Auspuff drastisch zu erhöhen. Um das Zehnfache. „90 Euro bis 130 Euro schrecken niemanden. Das Risiko nehmen die, die es drauf anlegen, doch in Kauf.“ Ganz so forsch wäre Hermann hier nicht, aber auch er will deutlich höhere Bußgelder und meint, dass in gravierenden Fällen ein Fahrzeug auch einbehalten werden müsse. Das alles fällt aber ohnehin in die Zuständigkeit des Bundes. Dennoch plant der Verkehrsminister, einen Forderungskatalog mit zehn Punkten im Bundesrat zu platzieren. „Vorausgesetzt, wir haben ausreichend Unterstützer“, so Hermann.

Fazit: Die tatsächlichen Möglichkeiten der Kommunen, gegen den Motorradlärm vorzugehen, sind minimal. Innerorts können sie Tempolimits anordnen – nicht aber auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen. Fahrverbote für bestimmte Strecken scheuen sie, weil sie nicht pauschal alle bestrafen und der lokalen Gastronomie nicht schaden wollen. Bleibt ihnen letztlich nur, an die Vernunft zu appellieren. „Aber wir bleiben bei dem Thema laut“, versichert Bürgermeisterin Schuchter. Ziel seien „Silent Riders“ – leise Reiter. Lärm mache schließlich krank.

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