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Wohnen

Bürgermeister baggert für 44 Bauplätze

Das Neubaugebiet „Seelhofen IV“ hat eine lange Vorgeschichte. Jetzt beginnt die Erschließung. Gestern Nachmittag lud die Gemeindeverwaltung zum Baggerbiss.

Bürgermeister Boris Seitz beim Baggerbiss im 35-Tonnen-Kettenbagger.Foto: Oliver Bürkle
Bürgermeister Boris Seitz beim Baggerbiss im 35-Tonnen-Kettenbagger. Foto: Oliver Bürkle

mundelsheim. Eigentlich war zum Auftakt der Erschließungsarbeiten ein Spatenstich vorgesehen. „Wir werden aber nicht weit kommen“, meinte Bürgermeister Boris Seitz, als er das Publikum auf dem Areal am südlichen Ortsrand begrüßte.

Der Grund: Die obere Muschelkalkschicht beginnt bereits in 40 bis 80 Zentimetern Tiefe. Eine gute Gelegenheit für den Bürgermeister, nach dem eher symbolischen Griff zum Spaten in die Kabine des 35-Tonnen-Kettenbaggers zu klettern und eine ordentliche Schippe Erde aus dem Boden zu holen. Etwa 12.000 Kubikmeter werden bis zum nächsten Frühjahr folgen. Die Mitarbeiter der mit der Erschließung beauftragten Firmen werden 2100 Meter Kanäle und 800 Meter Wasserleitungen verlegen, für die Ringstraße im Neubaugebiet werden 5100 Quadratmeter Boden versiegelt.

Erste Ortserweiterung seit 16 Jahren

„Heute ist ein historischer Moment für Mundelsheim“, betonte der Bürgermeister. Schließlich nehme die Gemeinde mit dem etwa zweieinhalb Hektar großen Areal das erste Neubaugebiet seit 16 Jahren in Angriff. Die deutliche Mehrheit für „Seelhofen IV“ im Bürgerentscheid Mitte vergangenen Jahres – damals hatten sich 72,8 Prozent der Wahlberechtigten für die Erschließung ausgesprochen –, wertete Seitz „als klares Bekenntnis der Bürger für Mundelsheim. Man spürt, dass die Mundelsheimer zusammenhalten.“

Wie groß das Interesse der Bevölkerung ist, zeigte sich auch am regen Besuch beim offiziellen Startschuss, etwa 80 Schaulustige sind gekommen. Seitz wies die Mundelsheimer darauf hin, dass in nächster Zeit vermehrt Lastwagen durch den Ort fahren werden und bat um Verständnis für den zwangsläufig entstehenden Baulärm.

Die Kommune investiert rund zwei Millionen Euro, nach Abschluss der Erschließung soll der Hochbau beginnen. Auf 44 Bauplätzen entstehen Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften, die Grundstücke werden zwischen 320 und 680 Quadratmeter groß sein.

Der Bebauungsplan lässt laut Planerin Margarethe Stahl vom Erschließungsträger, der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung, auch Mehrfamilienhäuser mit maximal sechs Wohnungen zu. Bürgermeister Seitz geht allerdings davon aus, dass potenzielle Bauherren diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen werden. „Das rechnet sich einfach nicht bei diesen Grundstücksgrößen.“

Stahl war federführend für die Entwicklung des Bebauungsplans zuständig. Sie hat bei der Erschließung des Areals bewusst auf eine Ringstraße gesetzt. So lasse sich Parkplatzsuchverkehr vermeiden und der Flächenverbrauch durch Versiegelung reduzieren. Zudem seien die topographischen Verhältnisse nicht einfach. Über eine Ringstraße ließen sich die Grundstücke qualitativ gleichwertiger zuschneiden, „und jedes Wohngebäude hat eine eindeutige Adresse“.

Großen Wert hat Stahl auf gute fußläufige Verbindungen gelegt. So hat sie Wege im Bebauungsplan verzeichnet, auf denen Kinder Spielplatz und Bolzplatz am Hartweg sicher erreichen können. Der landwirtschaftliche Verkehr soll über einen Feldweg am Rande des Neubaugebiets rollen, damit die Wohnqualität möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Eidechsenbiotope im Böschungsbereich

Kopfzerbrechen bereiteten bei der Planung die auf dem Areal heimischen streng geschützten Zauneidechsen. Stahl hat aus der Not eine Tugend gemacht und lässt nun Böschungsbereiche am Hartweg eidechsengerecht gestalten. Das sehe zunächst vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig aus, räumte die Planerin ein. Es erfülle aber seinen Zweck. In den Böschungen ist allerdings nicht genug Platz für alle Reptilien. Die restlichen Zauneidechsen werden laut Stahl in andere Biotope in der näheren Umgebung umgesiedelt.

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