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Kandidatenvorstellung

Bürgermeisterwahl: Erligheimer zeigen nur wenig Interesse an den beiden Kandidaten

Während sich Amtsinhaber Rainer Schäuffele bei der Kandidatenvorstellung zur Erligheimer Bürgermeisterwahl authentisch präsentiert, sorgt der einzige Mitbewerber Ulrich Raisch für einen Affront nach dem anderen. Das Interesse der Erligheimer ist verhalten – nur wenige kommen zur Veranstaltung ins Bürgerhaus.

Die Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor: Schultes Rainer Schäuffele (rechts) kandidiert zum dritten Mal in Erligheim. Ulrich Raisch ist zum zweiten Mal dabei. Foto: Ramona Theiss
Die Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor: Schultes Rainer Schäuffele (rechts) kandidiert zum dritten Mal in Erligheim. Ulrich Raisch ist zum zweiten Mal dabei. Foto: Ramona Theiss

Erligheim. Zur Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 3. Juli hat die Gemeinde Erligheim am Dienstagabend in das Bürgerhaus Vordere Kelter eingeladen. Doch wirklich vorstellen braucht sich eigentlich niemand: Ulrich Raisch nicht, der als Dauerkandidat im Landkreis bekannt ist, und Rainer Schäuffele nach 16 Jahren im Amt erst recht nicht. Entsprechend gering ist die Besucherzahl. Lockt doch das laue Sommerabendwetter draußen viel mehr, um den Feierabend zu verbringen. Doch Schäuffele wäre nicht Schäuffele, wenn er nicht trotzdem mit Herzblut an die Sache rangehen würde.

Engagierte Wahlrede

Engagiert wirbt er für seine Wiederwahl vor rund 30 Zuhörern, darunter Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter. Jedoch tut er dies nicht, indem er seine eigene Person hervorkehrt. Vielmehr spricht er von einem „kurzen Rückblick“, da er aufzählt, was in den vergangenen acht Jahren kommunalpolitisch alles bewegt wurde. „All dies war ohne Neuverschuldung und Erhöhung der Steuerhebesätze in 16 Jahren möglich, auch durch die erfolgreiche Arbeit unserer Gewerbebetriebe“, lobt Schäuffele stolz auf die Schuldenfreiheit Erligheims die Unternehmer im Ort – und nicht nur sie: „Erligheim verfügt über ein gut funktionierendes Gemeinwesen, einen sehr kooperativen und am Bürgerwohl orientierten Gemeinderat und viele Verantwortliche in Vereinen, Organisationen, Kirchen, der Feuerwehr und weiteren Gemeindeeinrichtungen, die sich der Belange der Bürgerschaft annehmen und besondere vielfältige Angebote für ihre Mitglieder und Interessierte gestalten.“ Zudem nutzt Schäuffele die Gelegenheit, auf seine Vorhaben in den kommenden acht Jahren einzugehen, über die er die Wählerschaft schon per Flyer an alle Haushalte informiert hat. Dazu wirft der 53-Jährige seine kommunalpolitische Erfahrung und Vernetzung in die Waagschale.

Vorteil: Fehlende Verwaltungserfahrung

So gründlich Schäuffele sich ganz offensichtlich vorbereitet hat auf seine Rede, so frei spricht Raisch im Anschluss von der Leber weg. Dabei sieht er seine Stärke gerade darin, dass er als freiberuflicher Musikpädagoge keine Verwaltungskompetenz mitbringt. Dadurch biete er mit seiner Kandidatur eine wirkliche Alternative, meint der 61-Jährige, der gleich zu Beginn seiner Rede angesichts seines Alters den Erligheimern etwas verspricht: „Ich kandidiere nun zum zweiten Mal, aber ganz sicher kein drittes Mal. Es sei denn, das Wahlalter wird heraufgesetzt. Aber ich komme in acht Jahren zum Zuhören. Ehrensache!“, sagt Raisch, davon ausgehend, dass er gegen Schäuffele als „Platzhirsch“ chancenlos ist. So nutzt er seine Redezeit dann auch nicht, um sich zu präsentieren – dafür hat er Handzettel kopiert, die er zum Mitnehmen auslegt – sondern um den Erligheimern die Einrichtung eines Musikkindergartens ans Herz zu legen. „Den Gemeinderat, der bei so etwas mitzieht, den suche ich noch“, erklärt Raisch, der seit seiner ersten Bewerbung 2008 in Affalterbach in zahlreichen Kommunen der Region als Bürgermeisterkandidat angetreten ist. Sein Vortrag in Länge und Breite über das Modell des Musikkindergartens fasst man in der Zuhörerschaft als Kritik am Bestehenden auf. „Wir haben hier qualifizierte Kräfte, die eine top Arbeit machen“, meldet sich eine Dame erbost zu Wort. Ebenfalls als Affront sieht man später im Publikum Raischs Fragen über Erligheims Katastrophenschutz und Flüchtlingspolitik. Wenn er Bürgermeister werden wolle, müsse er sich vorab über den Ort informieren und Stellung beziehen statt selbst Fragen zu stellen, schmettert man ihm entgegen. Raisch bleibt derweil frohgemut und auch die Stimmung im Saal kippt nicht

Bürgermeister nimmt Anregungen mit.

Gezielt stellen die Veranstaltungsbesucher Fragen zu Themen, die sie speziell beschäftigen: Ob Schäuffele noch Chancen sieht, dass sich eine Apotheke im Ort ansiedelt? Wann der Jahresabschluss nach dem neuen Rechnungswesen vorliegt? Ob es Überlegungen für eine Verlegung des Feuerwehrhauses gibt und ob sozialer Wohnungsbau oder die Einrichtung einer Grünen Mitte geplant sind? Schäuffele beantwortet alle Fragen direkt ohne Ausflüchte und nimmt auch Anregungen daraus mit. So will er etwa mit der neuen Kindergartengesamtleitung nach einer Möglichkeit suchen, wie das Turnen, das aus personellen Gründen seit vier Jahren nicht mehr angeboten wird, wieder stattfinden kann.

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