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Ökologie
BUND: Weitere Bebauung auf Lichtenberg bei Oberstenfeld wäre Hindernis für Wildkatzen

Wildkatzen wie diese könnten den Lichtenberg als Querungsmöglichkeit zwischen den Naturparks Stromberg-Heuchelberg und Schwäbisch-Fränkischer Wald nutzen. Archivfoto: Sebastian Gollnow/dpa
Wildkatzen wie diese könnten den Lichtenberg als Querungsmöglichkeit zwischen den Naturparks Stromberg-Heuchelberg und Schwäbisch-Fränkischer Wald nutzen. Archivfoto: Sebastian Gollnow/dpa
Auf dem Lichtenberg über dem Bottwartal treffen derzeit verschiedene Interessen aufeinander. Zuletzt befürchtete der Bauherr des dort geplanten Biergartens eine Geruchsbelästigung durch den ebenfalls geplanten Legehennenhof. Nun bezieht der BUND dazu Stellung und sagt klar: „Beide Projekte stellen ökologische Verschlechterungen dar.“ So werde etwa der Durchlass für Wildkatzen noch enger.

Oberstenfeld. „Für die Wildtiere auf dem Lichtenberg sind beide Projekte – ein Biergarten und ein Biohof für Legehennen – aus unterschiedlichen Gründen von Nachteil“, schreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einem Positionspapier und weist auf das dortige Landschaftsschutzgebiet hin. Ein Biergarten bei der Burg würde demnach am Abend die Wildruhe stören, dessen Beleuchtung Insekten und Fledermäuse beeinträchtigen. Der Hühnerhof wiederum würde eine undurchlässigere Umzäunung als der frühere Pferdehof erfordern. Der BUND befürchtet, dass Wildtiere nicht mehr durchkommen und die Gefahr für Wildunfälle auf der Landesstraße steigt.

Landratsamt entscheidet über Biergarten und Hühnerhof

Noch wird keines der beiden Vorhaben auf dem Lichtenberg umgesetzt. Für den Biergarten hat zwar der Gemeinderat grünes Licht gegeben, die Genehmigung durch das Landratsamt hängt aber unter anderem noch am Nachweis von Parkplätzen. Das Vorhaben des Landwirts Martin Föll, dort zwei Ställe für insgesamt 12 000 Legehennen zu bauen, prüft die Behörde derzeit ebenfalls.

„Beides zusammen wäre eine absolute Katastrophe“, so Andrea Lehning vom BUND Marbach-Bottwartal. Im Gespräch mit unserer Zeitung geht sie vor allem darauf ein, welche Folgen eine weitere Bebauung des Lichtenbergs für den Wildkatzenkorridor hätte, für den sich der BUND einsetzt. Damit will man nach und nach die Naturparks Stromberg-Heuchelberg und Schwäbisch-Fränkischer Wald verbinden, um Wildkatzen und anderen Tieren das Wandern zu ermöglichen – und Populationen vor dem Aussterben zu bewahren.

Wildkatzenkorridor wird durch Baugebiete immer enger

Der Nachweis einer Wildkatze am Lichtenberg steht allerdings noch aus. Zwar gab es potenzielle Sichtungen, doch laut BUND konnten im Jahr 2021 – anders als Rehwild und Dachse – bei einem Monitoring mit Lockstöcken, an denen Haare der Tiere hängen bleiben sollen, keine nachgewiesen werden. Was aber nichts daran ändert, dass dieses Tier unter Schutz steht.

Im Bottwartal werden die verbliebenen beiden Querungsoptionen zwischen Steinheim und Kleinbottwar sowie bei Oberstenfeld durch neue Baugebiete immer enger. „Es herrscht so ein großer Druck von allen Seiten“, sagt Andrea Lehning, die auch in den elektrischen Zäunen um die in der Bottwar-Aue angesiedelten Wasserbüffel ein Hindernis für Wildkatzen sieht.

Hohe Nachfrage nach Wohnraum in Dürren IV und Am Krixenberg

Die Eingriffe durch die Oberstenfelder Baugebiete Dürren IV und Am Krixenberg sollen laut Bürgermeister Markus Kleemann „so naturkonform wie möglich“ ausfallen. Die Belange der Wildkatzen habe man nach Artenschutzgutachten durch Abstände und Pflanzgebote berücksichtigt. Er habe aber eben auch 200 Interessenten auf der Warteliste, darunter viele Familien aus Oberstenfeld, die Wohnraum brauchen. Die Innenentwicklung, die die Gemeinde durchaus auch betreibt, reiche da nicht aus. „Der Druck ist riesig“, formuliert er es ähnlich wie die Naturschützerin.

Doch wenn so weitergebaut wird, würde laut Andrea Lehning auch die in einigen Jahren geplante Grünbrücke über die A 81 bei Mundelsheim nichts mehr helfen: „Dann kommen die Tiere nicht mehr hin oder weg.“ Am Lichtenberg würde sie zudem höchstens auf nachhaltigen Tourismus setzen – und die Besucher wie etwa bei der Burg Teck nicht mit dem Auto hochfahren lassen.