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Bildung

Da capo! Musikschulen starten neu

Erleichterung und Vorfreude: Das sind die vorherrschenden Stimmungslagen an den Musikschulen im Landkreis. Neustart ist bei den meisten im Laufe dieser Woche, einige haben den Betrieb schon aufgenommen, nachdem das Land ab 6. Mai grünes Licht gegeben hatte.

Die Musikschulen im Landkreis dürfen wieder Schüler empfangen; Gesangsunterricht und Unterricht auf Blasinstrumenten ist aber bis auf weiteres nur online erlaubt.Foto: Stock adobe
Die Musikschulen im Landkreis dürfen wieder Schüler empfangen; Gesangsunterricht und Unterricht auf Blasinstrumenten ist aber bis auf weiteres nur online erlaubt. Foto: Stock adobe

kreis ludwigsburg. Raimund Schiffer, Leiter der Musikschule Bietigheim-Bissingen, kam in den zurückliegenden Wochen vor allem mit einem nicht klar: mit der Stille im Schloss, dem Domizil seiner Einrichtung. „Normalerweise sind hier immer Instrumente zu hören und jetzt herrschte im gesamten Gebäude Ruhe.“ Das soll sich von heute an ändern, wenn die Einrichtung einen Schritt in Richtung Normalbetrieb macht: Der Einzelunterricht ist wieder erlaubt, allerdings nur für Tasten-, Streich-, Zupf- und Schlaginstrumente. Bläser und Sänger dürfen weiterhin nur online unterrichtet werden, „da hier aufgrund der erhöhten Abgabe verbrauchter Atemluft von einer erhöhten Infektionsgefahr durch Tröpfcheninfektion und Aerosole auszugehen ist“, so das Kultusministerium. Diese Einschränkung gilt für alle Musikschulen.

„Wo Einzelunterricht nicht möglich ist, werden wir natürlich den Online-Unterricht fortsetzen“, sagt Schiffer, der von einer „guten Alternative“ während des Lockdowns spricht: „Für viele Schüler war die Musikstunde das Highlight der Woche und willkommene Abwechslung.“

Mit rund 2800 Schülern zählt die Bietigheimer Einrichtung zu den großen Musikschulen im Kreis, entsprechend aufwendig war die Vorbereitung des Neustarts. Neben dem obligatorischen Hygieneplan „mussten wir Schilder schreiben, Wege kennzeichnen, Aufsichten organisieren“, sagt Raimund Schiffer. Eltern haben übrigens bis auf weiteres keinen Zugang zu den Musikschulgebäuden.

Beim Thema Gebäude fängt für andere Einrichtungen das Problem an, zum Beispiel für die Musikschule Marbach-Bottwartal, eine „Flächenmusikschule“, wie Leiterin Bärbel Häge-Nüssle sie nennt. Das heißt: Der Unterricht wird nicht nur am Sitz in Steinheim abgehalten, sondern in allen Orten, die zum Einzugsgebiet gehören, und dort naturgemäß häufig in den Schulen – die sind aber vielfach noch geschlossen. In Marbach werden jetzt zum Beispiel ersatzweise das Jugendhaus und die Stadthalle genutzt, damit ab heute wieder Präsenzunterricht angeboten werden kann. „Es ist wichtig, jetzt wieder einzusteigen“, so Häge-Nüssle, obwohl auch ihre Schule sehr gute Erfahrungen mit dem Online-Unterricht gemacht hat.

Das bestätigt auch ihr Kollege Jens Müller von der Musikschule Freiberg-Pleidelsheim, „auch wenn man immer wieder an die Grenzen des Breitbandausbaus gekommen ist“. Rund 40 Prozent seiner Schüler werden übrigens weiterhin das Online-Angebot nutzen. „Es gibt durchaus auch Zurückhaltung und Bedenken bei den Eltern, deshalb haben wir eine Umfrage gestartet und die Wahl zwischen Online- und Präsenzunterricht ermöglicht.“

Mit Hochdruck haben seit dem vergangenen Dienstag auch Manfred Frank und sein Team von der Musikschule Ditzingen den Wiedereinstieg in dieser Woche vorbereitet, Hygienepläne verfasst, organisatorische Schritte besprochen. Wie seine Kollegen blickt auch Frank nach vorne, zieht aber ein äußerst zufriedenes Resümee des Online-Unterrichts. „Wir haben da sehr, sehr positive Rückmeldungen erhalten. Es war wichtig, mit den Schülern in Kontakt zu bleiben, und fast alle waren vom Fernunterricht zu überzeugen.“ Manfred Frank macht diese Aussage auch am Thema Gebühren fest: Die Musikschule bot den Schülern beziehungsweise Eltern an, die Beiträge zu senken, wenn der Unterricht via Skype oder Zoom als qualitativ nicht ausreichend empfunden wurde: „Das haben nur sechs Prozent in Anspruch genommen“, freut sich der Leiter der 1500 Schüler zählenden Einrichtung.

In Gerlingen, Besigheim und Ludwigsburg hat der Präsenzunterricht schon vergangene Woche wieder begonnen, Ludwigsburg war bereits am Mittwoch am Start. Das Hygienekonzept stand schon, die Zahl der Räume in der Karlskaserne sei auch unter Maßgabe der Coronaverordnungen ausreichend, so Schulleiterin Christiane Schützer, „und wir freuen uns, dass wieder Menschen da sind – trotz Sicherheitsabstand und Schutzmasken“. In einer Übergangsphase bietet die Musikschule individuelle Vereinbarungen an, wer sich unsicher fühlt, kann weiterhin den Online-Unterricht in Anspruch nehmen. Der hat auch in Ludwigsburg gut funktioniert, „es war beeindruckend, wie schnell sich der Betrieb auf diesen Modus umgestellt hat“, sagt Schützer.

Sie und ihre Kollegen teilen die Hoffnung, dass nun sukzessive der Bläser- und Gesangsunterricht in Präsenzform aufgenommen werden kann und möglichst noch vor den Sommerferien Gruppen, Ensembles und Orchester wieder miteinander musizieren können.

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