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Konjunktur

„Das Handwerk hat gut zu tun“

Wirtschaftliche Lage der Betriebe in Region und Landkreis erfreulich – Kapazitätsengpässe und Preissteigerungen bremsen

Auftragsschub: Elektrofachbetriebe in der Region profitieren vor allem von der Umsetzung der Energiewende. Foto: Handwerkskammer
Auftragsschub: Elektrofachbetriebe in der Region profitieren vor allem von der Umsetzung der Energiewende. Foto: Handwerkskammer

Stuttgart/Ludwigsburg. Das Handwerk in der Region Stuttgart sieht sich gut im Rennen. Die meisten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut und blicken optimistisch in die Zukunft. Dies geht aus dem Konjunkturbericht für das dritte Quartal dieses Jahres hervor, den die Handwerkskammer Region Stuttgart jetzt vorgelegt hat, und der die Entwicklung der Handwerkswirtschaft in Stuttgart und in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr zusammenfasst.

Kammer: Konjunkturkurve zeigt nach oben

„Das Handwerk hat gut zu tun“, sagte gestern der Ludwigsburger Kreishandwerksmeister Albrecht Lang gegenüber unserer Zeitung. Die Betriebe im Landkreis seien gut durch die Pandemie gekommen. Die Kreishandwerkerschaft Ludwigsburg vertritt laut Lang rund 1000 Handwerksunternehmen mit im Schnitt jeweils fünf Mitarbeitern. Zudem gibt es im Landkreis Ludwigsburg noch 5500 weitere Betriebe, die aber keine Innungsmitglieder sind oder in anderen Verbänden organisiert sind. Aber auch für deren Interessen setze sich die Kreishandwerkerschaft ein, betont Lang.

„Die Konjunkturkurve des regionalen Handwerks weist auch im dritten Quartal 2021 nach oben“, stellt die Handwerkskammer fest. Am besten sei die Lage im Ausbau- und Bauhauptgewerbe. Den stärksten Stimmungsaufschwung hätten in den letzten Wochen die Firmen, die als Dienstleister und Produzenten für den gewerblichen Bedarf stehen, erlebt. Hierzu zählten etwa Feinwerkmechaniker, Kälteanlagenbauer oder Informationstechniker.

Die Umfrage der Handwerkskammer ergab, dass die Betriebe mehrheitlich mit steigenden oder gleichbleibenden Aufträgen und Umsätzen rechnen. „Jedoch belasten gestörte Lieferketten, Kapazitätsengpässe und damit verbundene Preissteigerungen bei Material und Vorprodukten weiterhin auch das Handwerk“, bewertet Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Stuttgarter Handwerkskammer, die Lage. Über 80 Prozent der befragten Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen, nur wenige rechnen mit einer Verbesserung dieser Situation.

Kreishandwerksmeister Lang bestätigt diese Einschätzung, betont aber, dass im Bauhandwerk viele Unternehmen Lieferengpässe oder Materialmangel dadurch überbrückt hätten, dass sie Aufträge ausgeführt hätten, die von diesen Problemen nicht tangiert gewesen seien. Ihm seien in dieser Branche keine Fälle von Kurzarbeit bekannt. Angespannter sei die Lage etwa bei Metzgern oder Bäckern, denen die Konkurrenz von Discountern oder von Essenslieferdiensten zu schaffen mache. Das Handwerk müsse differenziert betrachtet werden, erklärt Lang. „Schlosser treibt anderes um als Bäcker“, sagt er. Allerdings plage die gesamte Branche der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel.

Laut Kammerbericht bezeichnen 60 Prozent der befragten Handwerksbetriebe im Bereich der Region Stuttgart ihre Geschäftslage als gut, 30 Prozent als befriedigend und lediglich zehn Prozent als schlecht. Der Konjunkturindikator Handwerk, der auf Basis der Geschäftslage und der Erwartungen für das kommende Quartal ermittelt wird, verbesserte sich von plus 27 Punkten im Vorjahr auf aktuell plus 36 Punkte.

27 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einem höheren Auftragsaufkommen, was laut Handwerkskammer auf die gute Geschäftslage hinweise. Deshalb habe auch die Betriebsauslastung zugenommen. Etwa ein Fünftel der Betriebe arbeitetet bereits wieder oberhalb der Kapazitätsgrenzen. Die Umsetzung der Energiewende bringe zum Beispiel den Elektrofachbetrieben einen Umsatzschub. Auch die Umsatzlage gestaltet sich besser als vor einem Jahr.

Kostenanstieg gefährdet Geschäftsentwicklung

Hohe Risiken für den Aufschwung im Handwerk sieht die Kammer in den derzeitigen Preisturbulenzen und dem anhaltenden Fachkräftemangel. „Wir sehen das daran, dass es trotz gut gefüllter Auftragsbücher keinen Beschäftigungszuwachs im Handwerk gibt. Unsere Betriebe würden gerne einstellen, finden allerdings nicht ausreichend qualifiziertes Personal“, sagt Kammerchef Hoefling.

Auf der einen Seite sei zu beobachten, dass Bürger in der abebbenden Pandemiekrise ihre Sparsamkeit ablegen, was dem Handwerk zugutekomme, erläutert Hoefling. Auf der anderen Seite jedoch würden bei Energie und Mobilität deutlich steigende Kosten den Unternehmen und der Bevölkerung drohen. Deshalb sei die weitere Geschäftsentwicklung des Handwerks in der Region Stuttgart mit Unsicherheiten verbunden.

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