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Sommerserie

Das Ratsstüble in Bönnigheim - Von Ratsherren und Studenten

In einer großen Serie stellen wir die schönsten und traditionsreichsten Gasthäuser im Kreis Ludwigsburg vor. Von Adler in Asperg bis Ratsstüble in Besigheim. Dazu: das Lieblingsrezept aus der Küche zum nachkochen und genießen.

Am Bönnigheimer Marktplatz mit Blick zum Köllesturm steht das Traditionsgasthaus „Ratsstüble“.Fotos: Alfred Drossel
Am Bönnigheimer Marktplatz mit Blick zum Köllesturm steht das Traditionsgasthaus „Ratsstüble“. Foto: Alfred Drossel

Bönnigheim. Es ist ein Schmuckstück in der Bönnigheimer Innenstadt am Marktplatz und ein architektonisches Kleinod: Das Ratsstüble mit seinem rot leuchtenden Fachwerk ist ein wahrer Blickfang. Seit elf Jahren bewirten Kristina Bürger und Michael Daibenzeiher und ihr Team in diesem historischen Ambiente ihre Gäste. Urig schwäbisch ist das Lokal mitten in der Stadt.

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Ein Blick ins Ratsstüble Bönnigheim

Um die Wende ins 20. Jahrhundert hat es in der einstigen Ganerbenstadt zwischen Oberem und Unterem Tor nicht weniger als 18 Wirtschaften gegeben. Nur wenige haben überlebt, wie etwa das Ratsstüble. Das schmale Fachwerkhaus hat eine bewegte Vergangenheit. Es wurde im Jahre 1458 auf dem Keller eines Vorgängerbaus errichtet. Auf einem schmalen Grundriss erreicht das Gebäude eine Höhe von 17 Meter und verdeutlicht damit, wie kostbar schon damals Grundfläche innerhalb der Stadtmauer war. Das Haus hatte bisher rund 30 Besitzer und jeder von ihnen hat wohl größere oder kleinere Umbauten vorgenommen. Metzgermeister Eugen Rücker hat es betrieben und danach Wilhelm Wüst. Da das Ratsstüble gegenüber dem alten Rathaus steht, war es Ort der Einkehr für die Ratsherren. Während das Rathaus in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs durch deutschen Beschuss beim Einmarsch der Franzosen zerstört wurde, blieb das Ratsstüble stehen. In den 60er und 70er Jahren war die Wirtschaft unter dem Namen „Struppi“ von Peter Rost ein gut besuchtes Szene- und Studentenlokal der Textilstudenten aus Hohenstein und des im Schloss ansässigen Schiller-College.

Nach der Schließung erwarb die Stadt 1998 das Haus und verkaufte es ein Jahr später an den Zimmermeister Eberhard Bürger. Mit handwerklichem Geschick, Herzblut und Liebe zum Detail wandelte Bürger mit seinen Mitarbeitern in aufwendigen Restaurierungsarbeiten das baufällige, denkmalgeschützte Fachwerkhaus zu einem Schmuckstück um. Während dieser Arbeiten kam Überraschendes zutage: So fand man einen Torbogen von 1718, einen alten Kamin sowie altes Spielzeug. Spektakulär war auch der Fund vieler Nachgeburtstöpfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Nach den Bauarbeiten und Renovierungen, die 24 Monate gedauert hatten, richtete Eberhard Bürger ein uriges schwäbisches Lokal ein. Das Inventar und die Accessoires stammen aus Gaststätten und Antiquitätenläden, die Fensterscheiben der Zwischenwände im Obergeschoss sind noch Originale aus längst vergangenen Zeiten des Ratsstüble. Bürger hat einem weiteren Fachwerkhaus in der Grabengasse zu neuem Leben verholfen. Er zählt damit zu den bedeutendsten Sanierern alter Fachwerkkunst in der Stadt.

Das Ratsstüble hat Eberhard Bürger seiner Tochter Kristina und deren Mann Michael Daibenzeiher überlassen. Beide habe sich dort einen Traum erfüllt, nämlich eine schwäbische Wirtschaft zu betreiben.

Der aus Bissingen stammende Michael Daibenzeiher hat im Ochsen in Tamm gelernt, war dann später im Restaurant Rose in Bietigheim und danach im Strohgäu-Hotel in Münchingen, bevor er in Bönnigheim mit Kristina Bürger das Ratsstüble eröffnete. Die Hotelfachfrau hat unter anderem in der Bietigheimer Rose und im Bönnigheimer Adler am Schloss gearbeitet. Vier Mitarbeiter gehören zum Ratsstüble-Team.

Info: Alle Teile unserer Serie „Traditionsgasthäuser im Landkreis Ludwigsburg“ finden Sie hier.

Der Küchenchef präsentiert sein Lieblingsrezept: Ratspfännle

Das „Ratspfännle“ sind Schweinemedaillons in Champignonsoße mit hausgemachten Käsespätzle und Salat. Für die Zubereitung sind folgende Zutaten nötig: frisches Schweinefilet sowie für die Soße frische Champignons, Sahne, Salz und Pfeffer. Die hausgemachten Spätzle bestehen aus Weizenmehl, Eiern und Salz. Dazu kommen noch Sahne, Bergkäse und Edamer (gerieben), Speckwürfel sowie gedämpfte Zwiebeln. Serviert wird das alles mit Salaten der Saison.

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