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Kirche

Dekan mit „weitem Herz“ geht in den Ruhestand

Der Ditzinger Dekan Friedrich Zimmermann erlebt zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand hohe Wertschätzung – insbesondere für sein Engagement für Geflüchtete.

„Der Ruhestand ist i. R., in Reichweite“: Dekan Friedrich Zimmermann bei seinem Abschiedsgottesdienst in Ditzingen. Foto: Andreas Becker
„Der Ruhestand ist i. R., in Reichweite“: Dekan Friedrich Zimmermann bei seinem Abschiedsgottesdienst in Ditzingen. Foto: Andreas Becker

Ditzingen/Vaihingen. Der Ruhestand sei „i.R., in Reichweite“, scherzte Friedrich Zimmermann während seines letzten Gottesdienstes als geschäftsführender Pfarrer und Dekan am Sonntagmittag in der Konstanzer Kirche in Ditzingen. Seine Kinder, Enkel, Geschwister und viele andere waren gekommen. Seine Weggefährten blickten dankbar zurück.

Während seiner acht Jahre währenden Amtszeit in Ditzingen habe es schöne und schwere Ereignisse gegeben, resümierte Zimmermann. Dazu zählt etwa die Vorbereitung der Fusion der Kirchenbezirke Vaihingen und Ditzingen. Und er erinnerte sich gerne an den Moment, als ihm klar geworden sei: „Ditzingen ist fremdenfreundlich.“

In seiner Predigt, anknüpfend an das Lied „Damit aus Fremden Freunde werden“, spannte er den Bogen zu seiner Antrittspredigt 2013 über Jesu Aufforderung, „fünf Brote und zwei Fische“ zu geben. Geben könne man nur, was man empfange – „und wir können geben“, rief Zimmermann dazu auf, nicht nur an sich und nicht nur an den Mangel zu denken. Alle könnten satt werden, die Zuversicht habe Jesus.

Man müsse wohl kleinere Brötchen backen in Zukunft, sagte Zimmermann mit Blick auf die sinkende Zahl der Kirchenglieder. „Aber lassen Sie uns gucken, was wir haben“, warb er optimistisch und zählte Gruppen, Kreise, Kindergärten auf, die Diakonieeinrichtungen vor Ort, die Jugendwerke, das Kreisbildungswerk. „Wir haben weit mehr als fünf Brote und zwei Fische.“ Allen, die sich einbringen, dankte er.

„Lieber Frieder, wie die Zeit vergeht“, sagte die Prälatin Gabriele Arnold. Sie habe ihn als „im besten Sinne frommen Menschen mit einem unglaublich weiten Herzen“ kennengelernt, als einen Dekan, der auf Augenhöhe kommuniziere, der zuhöre, als geschätzten Seelsorger. „Du hast mir gutgetan und du hast mich reich beschenkt“, sagte sie. In ihrer offiziellen Entpflichtungsrede dankte sie ihm für seine Fantasie und Fairness sowie für alles, was er für Ditzingen und den Kirchenbezirk getan habe.

Der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath sprach am Sonntag als „Nachbar“ – Rathaus und Gemeindebüro liegen nebeneinander – und Vertreter der kommunalen Gemeinde. Ihr Blick auf jene, die Hilfe benötigten, verbinde sie beide. Er habe Zimmermanns „kompromisslose Haltung“ in der Flüchtlingskrise geschätzt und ebenso, dass er aus dem Verkauf des Johanneshauses (auf dem Areal ist günstiger Wohnraum geplant) nicht den höchstmöglichen Profit schlagen wollte. „Ich fand es nicht nur eine Geste, dass Sie es versucht haben, Menschen nicht nur eine geistige Heimat zu geben“, so Makurath.

Als Vertreter der Dekane im Landkreis sprach der Marbacher Ekkehard Graf. Auch er hob das „unendlich hohe Engagement für die Geflüchteten“ hervor. In der Zusammenarbeit sei Zimmermann der ruhende Pol gewesen „mit dem Herzen an der richtigen Stelle“. Auch Dekan Alexander König erinnerte als Vertreter der katholischen Kirche an eine gute Zeit miteinander. Beate Ulmer, Vorsitzende der Bezirkssynode, unterstrich: „Die Menschen liegen Ihnen am Herzen, auch die, die im Kirchenbezirk arbeiten.“ Ihr Geschenkkorb spiegele vom Korb bis zum Sprudel die Vielfalt des neuen Bezirks und seiner Gemeinden wider. Dem pensionierten Pfarrer Traugott Plieninger, der inzwischen im hohen Norden wohnt, würde es gefallen, wenn man die beiden Konfessionen gleich zu einer zusammenführte, sagte er zur allgemeinen Erheiterung.

Die Geschäfte des seit Anfang 2020 zusammengelegten Kirchenbezirks Vaihingen und Ditzingen führt Dekan Reiner Zeyher nach dem Ausscheiden Zimmermanns alleine weiter. Er zieht nun um in seine alte Heimat Esslingen. Das Zitat des einflussreichen Theologen und Philosophen Meister Eckart „Die Frucht des Loslassens ist die Geburt von etwas Neuem“ auf der Einladungskarte kann die Zukunft des privaten Friedrich Zimmermann wie des großen Kirchenbezirks meinen.

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