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Entsorgung
Deponien im Landkreis Ludwigsburg zwischen Ende und Anfang

Auslaufmodell Deponie Froschgraben in Schwieberdingen: In etwa zehn Jahren soll die Einrichtung verfüllt sein, dann muss möglichst zügig ein Nachfolgestandort im Landkreis Ludwigsburg her – womöglich in Hemmingen oder Großbottwar. Archivfoto: Alfred
Auslaufmodell Deponie Froschgraben in Schwieberdingen: In etwa zehn Jahren soll die Einrichtung verfüllt sein, dann muss möglichst zügig ein Nachfolgestandort im Landkreis Ludwigsburg her – womöglich in Hemmingen oder Großbottwar. Archivfoto: Alfred
In Schwieberdingen beginnen die Arbeiten für eine Abdichtung der Deponie Froschgraben. Für die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL ist das der erste Schritt in Richtung Stilllegung – die sich allerdings mehr als zehn Jahre hinziehen wird. Unterdessen läuft die Suche nach neuen Deponiestandorten im Kreis.

Schwieberdingen. Im Osten der Schwieberdinger Deponie Froschgraben liegen Baureste, mineralische Gewerbe- und Industrieabfälle, Schlämme und Erdaushub im Boden. Doch mit solchen Ablagerungen soll es auf diesem Teilabschnitt jetzt vorbei sein. Die AVL will hier ab 2023 einen Wald anlegen, damit sich die Deponie „nahtlos in das Landschaftsbild einfügt und an den Glemstalhang anpasst“. Weitere Flächen sollen in den Folgejahren ebenfalls rekultiviert werden – wenn sie wie die Ostböschung als vollständig verfüllt gelten. Einige Abschnitte werden sich nach Angaben der Müllmanager in (Obst-)Wiesen, Ackerflächen oder Habitate für gefährdete Tierarten verwandeln. Ein Sprecher des Landrats Dietmar Allgaier sagt: „Das sind die ersten Schritte in Richtung Stilllegung der Deponie.“

Die dafür nötige Oberflächenabdichtung beginnt bereits in diesem Monat, heißt es aus dem Landratsamt. Spezialisten sollen eine Kunststoffdichtungsbahn und ein Schutzvlies anbringen, die verhindern, dass Regenwasser in den Deponiekörper eindringt und Sickerwasser entsteht. Auf diese Dichtungsschicht werde dann eine mineralische Entwässerungsschicht gebaut, die das anfallende Niederschlagswasser ableitet. „Zum Schluss erhält der Deponieabschnitt eine rund zwei Meter dicke Rekultivierungsschicht“, sagt der Allgaier-Sprecher. Etwa 1,6 Millionen Euro lässt sich die AVL den Anfang vom Ende der Deponie Froschgraben nach eigenen Angaben kosten.

Der Konflikt zwischen der Gemeinde Schwieberdingen und der AVL bleibt ungelöst

Keinen Zweifel lässt die kreiseigene Abfallwirtschaft allerdings auch daran, dass sich der Stilllegungsprozess in Schwieberdingen in die Länge zieht – etwa bis Mitte der 30er Jahre. Die Deponie werde weiterhin sukzessive verfüllt, heißt es dazu aus dem Landratsamt weiter. Rekultiviert werden nur bereits verfüllte Flächen. Nichts geändert hat sich offenbar auch an der Absicht, ein Müll-Logistikzentrum mit einem zentralen Wertstoffhof für den gesamten Kreis und einen Parkplatz für den AVL-Fuhrpark in Schwieberdingen zu schaffen. Die Kosten dafür: mehr als eine Million Euro.

Die Rekultivierungspläne nehmen die Entscheidungsträger in Schwieberdingen zurückhaltend auf. Von einer „Zustandsbeschreibung“ spricht der Beigeordnete Manfred Müller. In dem Konflikt über das Laufzeitende der Deponie zwischen der Gemeinde und dem Landkreis gebe es dagegen „keinen neuen Stand“. Schwieberdingen pocht weiter darauf, dass die AVL den Froschgraben nur bis 2025 verfüllt, plus oder minus zwei Jahre, so wie es der Altlandrat Rainer Haas in Aussicht gestellt habe. Die Müllmanager berufen sich allerdings auf aktuelle Prognosen, wonach die Deponie erst 2034 ihre Kapazitätsgrenze erreiche und so lange auch genutzt werden müsse. Der Schwieberdinger Beigeordnete Müller: „Jeder Lastwagen, der jetzt zum Froschgraben fährt und dafür sorgt, dass die Deponie früher verfüllt ist, hilft uns.“

Dass Nachsorge und Rekultivierung von Deponien keine Kleinigkeiten sind, hat die AVL schmerzlich erfahren müssen. 2020 gab sie einen sprunghaften Anstieg der Nachsorgekosten für ihre drei Anlagen in Horrheim, Poppenweiler und Schwieberdingen um 47,7 auf 141 Millionen Euro bekannt. Auch deshalb stiegen die Müllgebühren im Folgejahr um mehr als 13 Prozent. „Das Abdichtungsvorhaben in Schwieberdingen wird aber über den privatwirtschaftlichen Bereich der AVL finanziert“, beteuert ihr Sprecher gegenüber unserer Zeitung, „es hat also mit den Gebühren nichts zu tun.“

Der Landrat fragt sich, ob in den Kommunen noch das Telefon abgenommen wird, wenn er am anderen Ende der Leitung ist

Virulent bleibe allerdings die Suche nach neuen Deponiestandorten, wenn nach dem Lemberg in Poppenweiler auch einmal der Froschgraben in Schwieberdingen stillgelegt sein wird. Der Landrat hat sich hierzu bereits in die Karten blicken lassen – Mitte Februar bei der Verpflichtung des Schwieberdinger Bürgermeisters Nico Lauxmann auf eine zweite Amtszeit. Demnach sei die Suche fast abgeschlossen. Mögliche Kandidaten will Allgaier noch im Laufe des zweiten Quartals kontaktieren. „Ich hoffe, dass die Bürgermeister nach diesem Statement noch ans Telefon gehen“, sagte Allgaier gut gelaunt.

Dabei ist es nicht so, dass Kommunen mit Deponien nur die Lasten der Müllentsorgung zu tragen hätten. Schwieberdingen hat der Froschgraben eine Umgehungsstraße eingebracht, außerdem floss damals auch Geld in die Kasse. Was zudem zu Akzeptanz in der Bevölkerung führen würde, benennt der Schwieberdinger Beigeordnete Müller so: Wenn Deponien vernünftig zu Ende gebracht werden – und sich Standortkommunen auf Angaben aus dem Landratsamt verlassen könnten.