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Corona

„Der regionaleTourismus wird nach der Krise boomen“

Die Coronapandemie hat auch den Tourismusbereich mit voller Wucht getroffen. Doch so paradox es auch klingen mag: Trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen könnte der weltweite Shutdown für die Branche eine Chance sein, vor allem wenn es um Urlaub im eigenen Land geht.

Durch Urlaub im eigenen Land und Tagesausflüge könnte sich die Tourismusbranche wieder erholen. Ein lohnendes Ziel: Besigheim. Foto: Alfred Drossel
Durch Urlaub im eigenen Land und Tagesausflüge könnte sich die Tourismusbranche wieder erholen. Ein lohnendes Ziel: Besigheim. Foto: Alfred Drossel
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Besigheim/Gemmrigheim. Für viele steht wegen des Feiertags Christi Himmelfahrt ein verlängertes Wochenende bevor; die Pfingstferien sind nicht mehr allzu fern. Doch die Vorfreude auf Urlaub und Verreisen ist in diesem Jahr jäh getrübt worden: 2020 steht im Zeichen des Coronavirus und den damit verbundenen Einschränkungen – besonders, was den Urlaub im Ausland anbelangt. Profitieren kann die Tourismusbranche im Land. Denn seit gestern können Urlauber und Ausflügler in Baden-Württemberg in ihren Ferienwohnungen und Ferienhäusern übernachten. Zudem ist auch der Urlaub auf Campingplätzen dann trotz Corona wieder möglich.

Wie sieht es im nördlichen Landkreis aus? „Durch die Coronakrise und dem auferlegten Beherbergungsverbot für touristische Übernachtungen ergibt sich eine völlig neue und für alle Betriebe und Dienstleister sehr schwierige und ungewisse Situation“, sagt Eric Reiter von 3.B-Tourismus-Team. Die vom Übernachtungs- vor allem aber Tagestourismus stark abhängige Gastronomie leide „extrem unter den Schließungen und Einschränkungen“. Die schrittweise Lockerung werde die entstandenen Verluste nicht mehr auffangen und den gewohnten Betrieb nur eingeschränkt zulassen.

Chancen sieht Reiter im Tagestourismus, er werde sich aller Wahrscheinlichkeit nach am schnellsten erholen, „vielleicht sogar zu Beginn besonders hohe Besucherfrequenzen in Gastronomie-, Freizeit- und Kultureinrichtungen aufweisen“. Der übernachtungsrelevante Freizeittourismus könnte laut Reiter nach Lockerung des Beherbergungsverbotes ebenfalls zügig wieder an Fahrt aufnehmen. „Nachdem die Camping- und Wohnmobilplätze wieder geöffnet haben, wird diese Zielgruppe sehr schnell in Bewegung sein.“

Der Tourismus sei innerhalb kürzester Zeit auf Null heruntergefahren worden, sagt Christina Lennhof, Geschäftsführerin von Kraichgau-Stromberg Tourismus. Das betreffe nicht nur Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, sondern sämtliche Freizeiteinrichtungen. „Doch jetzt ist es von enormer Bedeutung, auch an die Zeiten nach Corona zu denken. Der regionale Tourismus, da sind sich die Experten einig, wird nach der Krise boomen“, ist sich Lennhof sicher.

Mit Tagesausflüglern, Wohnmobilisten, Radfahrern oder Weinliebhabern gebe es einige Zielgruppen, die rasch für Nachfrage und Auslastung im 3.B-Land sorgen könnten, meint Reiter, vor allem werde der Business-Tourismus, der im 3.B-Land und in der Region Stuttgart einen Anteil von etwa 70 Prozent einnimmt, spürbare Veränderungen aufzeigen. Aufgrund der Digitalisierung und den sich hieraus ergebenden technischen Möglichkeiten, würde die Reiseintensität bei den Geschäftsleuten vermutlich weniger werden. Videokonferenzen, Online-Meetings oder Webinare hätten mehrtägige Geschäftsreisen ersetzt, meint Reiter. „Die touristische Nachfrage wird nach Corona oder nach den ersten Lockerungsmaßnahmen eine andere sein. Der Geschäftsreisetourismus dürfte weniger werden und der Binnenreisetourismus könnte zunehmen.“

Investitionen in den Tourismus beziehungsweise in dessen Infrastruktur kämen neben den Gästen auch den Einheimischen zugute, stärkten zugleich die weichen Standortfaktoren, betont Eric Reiter, ebenso sorge die Werbung in den Tourismus für eine positive Außendarstellung einer Region und einer Gemeinde.

Dem stimmt Christina Lennhof zu. „Tourismus ist ein existenzieller Wirtschaftsfaktor.“ Er sei wichtig für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen und steigere die Attraktivität als Wirtschaftsstandort. Bei der Ansiedlung von Unternehmen sei der hohe Freizeitwert ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Standortentscheidung. Tourismus schaffe zudem begehrten Lebensraum, denn Erhalt und Verbesserung der touristischen Infrastruktur wie die Einrichtung von Wander- und Radwegen, käme nicht nur den Gästen zu Gute, sondern stellten auch eine besondere Lebensqualität für die Bürger einer Kommune da.

Ein Tourismuskonzept sei auch für Gemmrigheim positiv zu werten. Mit Aufnahme der Kommune im Januar dieses Jahres seien bestehende Angebote in die Angebotspalette des 3.B-Landes übernommen worden, beispielsweise eine Weinwanderung durch die Gemmrigheimer Weinberge mit Abschluss in einem Besen. Inhalte würden nach und nach in die Print- und Onlineplattformen integriert. Ein großes Thema neben dem Wein seien Wandern und Radfahren, für 2021 seien Neuauflagen der 3.B-Rad- und 3.B-Wanderkarte geplant, teilt Eric Reiter mit. „Für sämtliche zukünftige Aktivitäten werden – wo es passt – Gemmrigheimer Themen miteinfließen.“

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