Logo

Prozess

Destille kämpft um „Glen“ im Namen

Darauf einen „Glen Buchenbach“? Die Scotch Whisky Association will der schwäbischen Waldhornbrennerei das „Glen“ im Namen des Whiskys verbieten. Die Schwaben aus Berglen im Rems-Murr-Kreis wehren sich – mit Erfolg, wie sie finden.

350_0900_18494_COWIWhisky2.jpg
Kleine Flaschen des Whiskys „Glen Buchenbach“ im Hofladen der Waldhornbrennerei.Foto: dpa

Stuttgart/Luxemburg. Denkt der Verbraucher beim Begriff „Glen“ an schottischen Whisky oder nicht? Das ist nach Ansicht des Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof (EuGH) die entscheidende Frage, um zu beurteilen, ob der schwäbische Whisky „Glen Buchenbach“ weiter seinen Namen tragen darf. Im konkreten Fall festlegen wollte sich der EU-Gutachter gestern in Luxemburg nicht: Es sei am Landgericht Hamburg zu prüfen, ob der europäische Durchschnittsverbraucher „Glen“ sofort mit „Scotch Whisky“ assoziiere. Die Hersteller der Spirituose sind angesichts der Ausführungen optimistisch – genau wie der klagende Verband.

Laut Produktinformation hellgolden, rauchig-mild, malzig-süß und hergestellt in Berglen: Seit 2013 vertreibt die Waldhornbrennerei Klotz ihren Single Malt Whisky „Glen Buchenbach“. Fast genauso lange währt der Clinch mit dem mächtigen Lobby-Verband Scotch Whisky Association (SWA). „Unmittelbar nachdem unser Whisky auf den Markt kam, erhielten wir ein Schreiben von den SWA-Anwälten – es umfasste mehrere hundert Seiten“, erinnert sich Jürgen Klotz, der die Waldhornbrennerei in vierter Generation mit seiner Mutter Gerlinde und seinem Bruder Michael führt. Die Forderung des Whisky-Verbands: Man solle den Begriff „Glen“ streichen. „Dabei heißt das gälische Wort ‚Glen‘ einfach nur ‚enges Tal‘ oder ‚Schlucht‘ – wie will man das denn schützen?“, argumentiert Jürgen Klotz. „Glens“ gebe es in Kanada, in Irland und Neuseeland, sogar im Namen seines Ortes „Berglen“. Außerdem werde der Begriff immer wieder für Whiskys genutzt, die nicht aus Schottland stammten. Viele Begründungen der SWA-Anwälte seien hanebüchen gewesen, sagt Klotz. „Plötzlich hieß es, es gebe gar keinen Buchenbach, dabei fließt der hier bei uns vor der Tür und manchmal sogar ins Haus!“ Nach Ansicht des Schnapsbrenners handelt der schottische Verband taktisch: Kleine Betriebe sollen eingeschüchtert werden. „Die SWA verklagt alles und jeden, der mit Whisky zu tun hat, um den Markt zu beherrschen.“ Da sei so viel Geld und Macht im Spiel, dass die Brennereien den Namen ihres Whiskys meist sofort änderten oder lieber gleich auf das Wort „Glen“ verzichteten.

Tatsächlich ist die Macht der SWA unbestritten: Sie repräsentiert über 95 Prozent der schottischen Whisky-Industrie. Deren Export belief sich den britischen Steuerbehörden zufolge 2017 auf fast fünf Milliarden Euro – mehr als ein Fünftel der britischen Lebensmittelexporte. Gut 40 000 Beschäftigte arbeiten in der Branche.

Mächtig oder nicht – nach Ansicht der deutschen Schnapsbrenner machte Generalanwalt Henrik Saugmandsgaard Øe dem Verband im Schlussantrag nicht allzu viel Hoffnung auf Erfolg. Er führte aus, er bezweifle, dass es zum Verbot für den „Glen Buchenbach“ kommen werde, weil der Begriff weder zur geschützten geografischen Angabe „Scotch Whisky“ noch zu Schottland hinreichend enge Bezüge aufweise. Und selbst wenn ein Verbraucher bei „Glen“ an Whisky denke, dann sei dies nicht automatisch schottischer Whisky. „Diese Aussage ist sehr erfreulich“, sagt Rechtsanwalt Sven Mühlberger, der die Waldhornbrennerei vertritt. Die Einschätzung des Generalanwalts ist für die EuGH-Richter nicht bindend, auch wenn ihr in vielen Fällen gefolgt wird; das Urteil soll erst in ein paar Wochen vorliegen.