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Bonpflicht

Die meisten Kunden lassen die Belege liegen

Bei Verbrauchern und Handel wächst der Unmut über die Ausgabepflicht von Kassenzetteln – Große Papierverschwendung löst Ärger aus

Zu jedem Einkauf einen Bon – das ist seit Jahresbeginn Pflicht. Diese Menge an Kassenzetteln (rechts) kommt zum Beispiel bei der Bäckerei Luckscheiter in der Ludwigsburger Wilhelmstraße an einem Nachmittag zusammen. Fotos: Holm Wolschendorf
Zu jedem Einkauf einen Bon – das ist seit Jahresbeginn Pflicht. Diese Menge an Kassenzetteln (rechts) kommt zum Beispiel bei der Bäckerei Luckscheiter in der Ludwigsburger Wilhelmstraße an einem Nachmittag zusammen. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. „Wir füllen mit den Bons aus allen Filialen mindestens einen halben großen Müllsack pro Tag“, sagt Maike Remmele, Geschäftsführerin der Bäckerei Luckscheiter in Ludwigsburg. Seit Jahresbeginn müssen Betriebe an jeden Kunden einen Beleg ausgeben, um Steuerhinterziehung zu erschweren.

Bisher wurden die Bons nur gedruckt, wenn es der Kunde verlangt hat. „Nun legen wir den Kunden den Beleg immer zum Einkauf auf die Theke, aber nur die wenigsten nehmen ihn mit“, sagt Remmele. Manche Kunden seien sogar im Glauben, sie müssten den Bon annehmen. Der Papierverbrauch habe sich seit Jahresbeginn verdreifacht.

Die Kassenzettel werden ohnehin schon in der Kasse gespeichert, so Remmele. Am Ende des Tages werden sie dann in den Computer übertragen. „Wir können dadurch ganz genau alle Bons der letzten Jahre nachvollziehen“, erklärt sie. Neben der Bonpflicht schreibt die neue Regelung auch vor, dass in den Kassen ein unveränderlicher Speicher vorhanden sein soll, in dem die Kassenzettel gespeichert werden. Die Vorgaben dazu, berichtet Remmele, seien vom Gesetzgeber zu spät bekannt gegeben worden, so dass sich die Zertifizierung der Kassensysteme verzögert habe. Laut Bundesfinanzministerium ist die Verzögerungen während des Zulassungsprozesses entstanden.

Zudem werde die Auslieferung der Kassen dadurch erschwert, dass es nur drei Firmen in Deutschland gebe, die diese Speicher herstellen, sagt Remmele. In den Bäckereien werden die Kassen voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahres umgestellt.

Viele Betriebe befürchten, dass sie den Wechsel zum gesetzlich vorgegebenen Stichtag am 1. Oktober nicht schaffen. Ein Problem, das Mustafa Oruç, Inhaber des Dönerimbisses Gustosa im Ludwigsburg, hat: Die Kasse des Imbisses ist so alt, dass noch nicht feststeht, ob ein Update reichen wird, oder der Familienbetrieb die Kosten für eine neue Kasse aufbringen muss.

Wie auch bei der Bäckerei Luckscheiter nimmt nur ein Bruchteil der Kunden die Bons. „Wir legen die Kassenzettel immer neben die Bestellung, doch die meisten lassen ihn liegen“, sagt Oruç und fügt an: „Wir verbrauchen mindestens das Doppelte an Papier. Alle reden von Umweltschutz und dann so was.“

Eine Meinung, die auch der Kunde Jens Kenserski (44) aus Hoheneck vertritt: „Ich nehme die Bons gar nicht erst an.“ In seinen Augen ist die Regelung Schwachsinn: „Ich hoffe, dass da bald eine Änderung kommt.“

Auch bei der Bäckerei Trölsch in der Wilhelmgalerie macht sich die Bonflut bemerkbar, wie Mitarbeiterin Natalie Schulz schildert: „Wir verbauchen mindestens das doppelte an Bonrollen.“ Auch bei Trölsch nehme nur ein kleiner Teil der Kunden die Zettel an. „Wir fragen immer nach, aber werfen die Bons fast immer weg“, sagt Schulz. Wenn ein Kunde einen Beleg verlangt, sei das zumeist bei großen Bestellungen. Hannelore Bein (77) aus Benningen nimmt zwar immer Bons an, aber: „Ich halte diese Regelung für Schwachsinn, gerade wegen der Umwelt.“

Die Belegpflicht führe nicht zwangsläufig zur Restmüllflut, meint Hergen Blase. Der Inhaber des verpackungsfreien Ladens „Ohne PlaPla“ in Ludwigsburg benutzt, nur recycelbares Belegpapier. „Natürlich gilt es, Müll zu vermeiden, aber das Thermopapier zu ersetzen wäre schon ein Anfang“, sagt Blase. Dennoch passe der Müll nicht zum Konzept des Ladens. Andererseits mache sich die Bonpflicht in seinem Geschäft weniger stark bemerkbar, wie etwa bei den Bäckern: „Bei Kartenzahlung mussten wir schon zuvor immer Bons ausgeben“, gibt er zu bedenken.

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