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Freizeitsport

Die Pumptracks sind der Renner

Einige Hügel, ein paar Kurven – fertig ist der Pumptrack. Die Sportanlagen stehen in vielen Gemeinden vor allem bei Jugendlichen hoch im Kurs. Die Corona-Pandemie hat den Bauboom noch einmal verstärkt.

Pumptrack in Bietigheim-Bissingen. Die jungen Rollerfahrer erobern die Hügellandschaft. Fotos: AlfredDrossel
Pumptrack in Bietigheim-Bissingen. Die jungen Rollerfahrer erobern die Hügellandschaft. Foto: AlfredDrossel
In Oberriexingen fahren die junmge Fahrer gerne mit Rollern.
In Oberriexingen fahren die junmge Fahrer gerne mit Rollern.
Die Anlage in Affalterbach war von Beginn an ein Erfolg. Archivfoto: Horst Ettensberger.
Die Anlage in Affalterbach war von Beginn an ein Erfolg. Foto: Horst Ettensberger.

Kreis Ludwigsburg. Radfahren liegt im Trend der Zeit – und das nicht erst seit Corona. Dass die Jugend dabei nicht immer mit den Erwachsenen auf Tour, sondern ihre eigenen Wege erkunden will, liegt auf der Hand. Dafür wurden unter anderem Pumptracks erfunden. Das sind aufgeschüttete Hügel und Kurven, die die oben mit einem Asphaltband versehen sind. Der Name rührt daher, dass mit Verlagerung von Körpergewicht, also mit sogenannten Pumpbewegungen, fast die ganze Strecke ohne zusätzliches Pedalen zurückgelegt werden kann. Die Anlagen sind in vielen Kommunen sehr begehrt.

„Wir mussten schon darauf achten, dass am Start die Leute nicht zu nah beieinander standen, jetzt in den Corona-Zeiten“, sagt Anette Hochmuth, Sprecherin von Bietigheim-Bissingen. Die Stadt hat eine solche Pumptrack-Bahn seit dem Jahr 2016. Der Wunsch kam aus dem sogenannten Jugendgipfel, bei dem Verwaltung, Gemeinderat und Jugendliche sich zusammensetzten sich über Wünsche und Pflichten unterhielten. Hochmuth: „Eine solche Anlage ist finanziell überschaubar und sie hat kaum Folgekosten. Allerhöchstens im Krankenhaus“.

Die Anlage gleich neben dem Jugendhaus, hat eine Grundfläche von rund 900 Quadratmeter und kostete rund 100000 Euro. Und sie ist seit dem ersten Tag ein voller Erfolg. Seit die Corona-Zahlen zurückgehen wollen die Jugendlichen, aber auch die Eltern, dass auf der Anlage wieder etwas passiert. Die Pandemie hat die Aktivitäten auf den Pumptracks noch einmal verstärkt.

Statistiken zur Verbreitung von Pumptracks in Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebunds nicht. Doch Sportwissenschaftler wie Tim Bindel sehen eine steigende Beliebtheit. „Vielleicht auch beschleunigt durch die Corona-Pandemie hat der informelle Sport großen Zulauf“, sagt der Sprecher der Kommission „Sport und Raum“ der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. „Pumptracks sind deswegen so attraktiv, weil sie quasi als Mehrgenerationen-Spielplatz genutzt werden können.“

Diese Erfahrung hat auch die Stadt Gerlingen gemacht. „Die Anlage wird sehr gut angenommen und ist bei gutem Wetter immer voll“, sagt Sofie Neumann vom Hauptamt. „Genutzt wird der Pumptrack von allen möglichen Altersgruppen zu unterschiedlichen Zeiten.“ Gekostet habe die Anlage die Stadt gerade mal 50 000 Euro. Sie habe seit dem Bau im Jahr 2015 „durchaus auch schon als Vorbild gedient, da auch immer wieder Anfragen aus anderen Kommunen kommen“, sagt Neumann.

Die „relativ bescheidenen Investitionskosten“ seien ein weiterer Pluspunkt für Pumptracks, sagt Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung an der Technischen Universität München. „Außerdem kann so eine Anlage auch auf einer kleinen Fläche von 50 mal 50 Metern funktionieren.“

Steffen Döttinger, Bürgermeister in Affalterbach, freut sich über die Attraktivität der vor zwei Jahren eröffneten Anlage beim Sportzentrum Holzäcker. Die Initiative ging von 34 Kindern und Jugendlichen aus, den „Pumptrack Kids“, die Ende November 2017 mit der Bitte an Bürgermeister und Gemeinderäte herantraten, den Bau einer Pumptrack zu prüfen. Sie stießen auf offene Ohren und nachdem der Standort gefunden und andere Anlagen besichtigt worden waren, ging der eigentliche Aufbau 2019 innerhalb von zwei Monaten über die Bühne.

Mit der Akquise von Sponsorengeldern und Spenden zeigten die Initiatoren, dass sie einen Beitrag zum Pumptrack leisten wollten: _Fast 17 000 Euro kamen so zusammen, ein erklecklicher Teil der Gesamtkosten in Höhe von rund 70000 Euro. „Das ist eine tolle Community“, findet Döttinger, der den Pumptrack als eine der meistgenutzten öffentlichen Einrichtungen der Gemeinde bezeichnet. Die asphaltierte Bahn mit Wellen und Steilkurven auf dem 130 Meter langen Rundkurs dient inzwischen ihrerseits schon wieder als Vorbild – zum Beispiel für den Pumptrack beim Wellarium in Steinheim, der kurz vor der Fertigstellung steht.

Das Projekt „Funpark“in Oberriexingen wurde in Zusammenarbeit mit der „Elterninitiative Funpark“ gegründet. Die Anlage unterhalb des Sportplatzes Oberriexingen besteht aus einem Pumptrack und einem Spielplatz. Der Stadt Oberriexingen mit Bürgermeister Frank Wittendorferr sowie der Elterninitiative Funpark liegen eine aktive Freizeitgestaltung der Kinder, Jugendlichen und auch der Erwachsenen sehr am Herzen.

Neben der vielen sportlichen Angebote des TSV Oberriexingen sollen die Kids auch eigenständig und flexibel einen Ort zum Treffen, Spielen und zur Benutzung durch Fahrräder, Laufräder, Inline-Skates, Skateboards, Cityroller bekommen. Die Stadt wollte mit dem Funpark einen Platz geschaffen , wo all diese Möglichkeiten vorhanden sind und an dem für eine breite Zielgruppe von Personen Freizeitaktivitäten angeboten werden.

Da der neue Funpark in unmittelbarer Nähe zum Enztalradweg errichtet wird, bietet sich dieser auch als Raststation für durchfahrende Gäste an. Daher unterstützte der Verband Region Stuttgart das Projekt zur Aufwertung des Enztalradweges ebenfalls mit finanziellen Mitteln. Insgesamt wurden in die Anlage rund 220000 Euro investiert.

Die Anlage ist geeignet für alle Rollsportarten, Altersklassen und Könnenstufen. Es kommt auf den „Flow“ an – und manchmal entscheiden nur wenige Zentimeter Unterschied bei Radien und Abständen, ob die Anlage funktioniert oder eher mäßigen Erfolg verspricht.

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