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„Diesel-Nachrüstung ist sinnvoller“

Abgastechnik für T5 und Co: Christian Reher (Kfz-Innung), Petra Tschirner, Geschäftsführerin von Tschirner und Fuchs, HJS-Verkaufsdirektor Axel Middendorf, Ludwigsburgs Baubürgermeister Michael Ilk und Manfred Bauer von Tschirner und Fuchs am SCR-Kat
Abgastechnik für T5 und Co: Christian Reher (Kfz-Innung), Petra Tschirner, Geschäftsführerin von Tschirner und Fuchs, HJS-Verkaufsdirektor Axel Middendorf, Ludwigsburgs Baubürgermeister Michael Ilk und Manfred Bauer von Tschirner und Fuchs am SCR-Kat (von links). Foto: Andreas Becker
Das Heizelement erhitzt im Bedarfsfall die Dieselabgase vor der AdBlue-Einspritzung.
Das Heizelement erhitzt im Bedarfsfall die Dieselabgase vor der AdBlue-Einspritzung.

Ludwigsburg. Schon seit Jahren sorgt der Dieselskandal um illegale Abgasabschalteinrichtungen weltweit für Ärger in der Autowelt – und mitten drin ist Volkswagen. Nicht wenige gewerbliche und vor allem auch private Diesel-Fahrer, die sich hierzulande erst vor wenigen Jahren neue, angeblich umweltfreundliche Transporter und Kleinbusse der Schadstoffklasse Euro 5 zugelegt haben, sitzen plötzlich in Feinstaub- und Stickoxid-„Dreckschleudern“ und wurden in Großstädten wie zum Beispiel in Stuttgart ausgeschlossen. Dies sorgt für Ärger, Verdruss und so manches graue Haar. In Ludwigsburg bleibt ihnen dies wohl aufgrund der Anstrengungen der Stadt zur Luftreinhaltung erspart. Doch Besitzer zum Beispiel von Kleinbussen, Transportern und Wohnmobilen wie VW T5 und Crafter, Mercedes Sprinter und Vito, Ford Transit, Renault Master oder Opel Vivaro können aufatmen, da diese Euro-5-Diesel durch nun durch Nachrüstsysteme sogar auf Euro-6-Level kommen – und damit auch wieder am Stuttgarter Neckartor vorbeifahren können.

Vorreiter in der Region für Transporter-, Kleinbus- oder Wohnmobil-Modelle von Volkswagen ist das Autohaus Tschirner und Fuchs in Ludwigsburg, das seit dieser Woche die ersten zwei der im Schnitt 6600 Euro teuren Abgasnachrüstungen der Firma HJS eingebaut hat. „Wir haben bereits weitere 14 HJS-Nachrüstungen verkauft“, betont Petra Tschirner, Geschäftsführerin von Tschirner und Fuchs, „20 weitere sind schon vorbestellt.“ Es gibt auch viele Nachfragen, da Privatkunden überhaupt erst seit Januar solche Nachrüstungen in ihre Fahrzeugpapiere eintragen lassen können. Diesen Service übernimmt das Autohaus Tschirner und Fuchs für die Kunden. Für Private sei es in Coronazeiten immer noch nicht so einfach, dies bei der Zulassungsstelle des Landratsamtes selbst zu machen. „Das Geld für die Nachrüstung gibt jeder gerne aus“, meint Tschirner. So könne man sein Wohnmobil oder seinen Bus länger fahren. Dies trifft auch auf einen etwa acht Jahre alten, silbernen T5-Bus in einem tollen Zustand zu, in den in der Tschirner-Werkstatthalle soeben die zweite Anlage eingebaut worden ist. „Das Fahrzeug hat einen Wert von 40000 Euro“, betont die Chefin. Christian Reher, Geschäftsführer der Kfz-Innung Region Stuttgart, pflichtet bei und hofft auf einen guten Start: „Eine Nachrüstung ist sinnvoller als ein Neukauf – und nachhaltig.“ Nicht jeder könne nach wenigen Jahren wieder 30000 bis 40000 Euro drauflegen, um sich ein anderes Fahrzeug zuzulegen. „Wir müssen froh sein, dass es Hersteller gibt, die solche Systeme entwickeln und liefern können“, betont der Innungsgeschäftsführer. Jede Woche gehen bei der Kfz-Innung mehrere Anfragen ein. Reher appelliert an die Fahrer, ihre Wagen nachrüsten zu lassen.

Petra Tschirner geht von 500 T5-Nachrüst-Kandidaten unter ihren Kunden aus. Lediglich 20 Prozent dieser Fahrzeuge würden gewerblich genutzt. Für gewerbliche Fahrzeugnutzer ist die Nachrüstung besonders interessant, da sie seit 2018 eine staatliche Förderung beantragen können, die sich je nach Gewichtsklasse auf 3600 bis 4800 Euro beläuft. Allerdings ist sie auf 95 Prozent der Nettokosten gedeckelt und läuft zum Jahresende aus. Nutzerfreundlich ist der Antrag jedoch nicht, die Bearbeitung langwierig. „Der ist was für verregnete Sonntage“, weiß Manfred Bauer von Tschirner und Fuchs. Hinzu kommt die Förderung von Volkswagen in Höhe von 3000 Euro, die auch Privatfahrer beantragen können.

„Jede Maßnahme, die dazu beiträgt, die Luft zu verbessern, ist wichtig“, betont der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk. Bis auf wenige Spezialfahrzeuge seien bei der Stadt Ludwigsburg keine Diesel-fahrzeuge mehr im Einsatz. „Wir haben das Sofortprogramm Saubere Luft genutzt“, sagt Ilk, „und etwa 30 Diesel nach und nach ausgetauscht.“

„Wir bauen Euro-6-Technologie ein“, erklärt HJS-Verkaufsdirektor Axel Middendorf. Herzstücke der HJS-Anlage sind der Stickoxid-Katalysator (SCR) und das aktive Thermo-Management, das aus einer autarken System- und Sensorik-Elektronik, dem Heizelement, dem AdBlue-Tank und der AdBlue-Eindüsung besteht. HJS aus Menden im Sauerland ist seit 45 Jahren in der Abgastechnik und beliefert sowohl Autohersteller wie auch die Nachrüstmärkte. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf das Transporter-Segment, rechnet allein beim Modell VW T5 mit 70000 bis 80000 nachrüstbaren Wagen. Seit Januar gibt es bereits die Modelle für Mercedes Sprinter und Vito. Vornehmen können HJS-Nachrüstungen im Großraum Stuttgart, so Middendorf, zum Beispiel die Autogalerie Botnang (Bosch Car Service) oder Burger Schloz automobile in Schorndorf. Auf Nachfrage kann dieses aber auch bei Tschirner und Fuchs möglich sein.

Im Pkw-Bereich bietet HJS zwar keine Lösung an, auch hier ist die Nachfrage bei Tschirner immens. „Wir haben einen ganzen Ordner voller Anfragen“, betont Manfred Bauer. Zudem mussten der Abgasspezialist Baumot und seine Tochterfirma Twintec, der 2020 wegen Corona keines seiner angekündigten Produkte auf den Markt bringen konnte, Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Bisher gibt es im Pkw-Sektor nur für wenige Modelle von BMW, Mercedes oder Volvo Lösungen des Abgasspezialisten Dr. Pley Bosal.

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