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Kulturerbe

Direkt hinein in die Steillagen

Wer in der Region unterwegs ist, kommt an den Steillagen nicht vorbei – aber nur im seltenen Fall auch wirklich in sie hinein. Um das Kulturerbe erlebbarer und auch auf dessen schwierige Bewirtschaftung aufmerksam zu machen, ist nun auch in Besigheim ein Steillagenweg geplant.

Wird Teil des Steillagenwegs: die Himmelsleiter im Niedernberg. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Wird Teil des Steillagenwegs: die Himmelsleiter im Niedernberg. Foto: Holm Wolschendorf

Besigheim. Wie lässt sich ein Bewusstsein für die Steillagen, ihren Wein und ihre Bewirtschaftung schaffen? Was kann gegen die zunehmende Verbrachung der Weinberge getan werden? Mit Lösungen für diese Fragen beschäftigt sich seit einiger Zeit das Regionalmanagement ILE „Neckarschleifen“. Eine Möglichkeit ist, die Menschen an Ort und Stelle mit den Steillagen vertraut zu machen – auf Erlebniswegen durch die Region, wie sie in Mundelsheim und Ingersheim bereits offiziell eröffnet worden sind. Für andere Kommunen liegen Konzepte vor. Auch in Besigheim gibt es Pläne, die nach einem Beschluss des Technischen Ausschusses jetzt konkretisiert werden sollen. Die Detailplanung samt Beschilderungskonzept übernimmt das Regionalmanagement. Im Herbst 2021 könnte beim Verband Region Stuttgart eine 50-prozentige Förderung beantragt werden.

Dabei kann auf Vorhandenes zurückgegriffen werden, wie „Neckarschleifen“-Regionalmanager Peter Wendl den Gemeinderäten erläuterte. „Besigheim hat schon einiges an Infrastruktur“, sagte er und verwies auf die Weinkanzel und den Dokumentationspavillon an der Himmelsleiter. Jetzt gehe es im Prinzip um die Wegeführung in der Altstadt und in den Weinbergen. Start und Endpunkt wäre der Bahnhof, von dort ginge es durch die Altstadt über die B27-Enzbrücke an der Enz entlang bis zur Himmelsleiter. Danach führt der Weg zur Weinkanzel und später durch Steillagen auf den Panoramaweg hinab zum Bahnhof. Auch eine Verknüpfung mit der Steillagenrunde in Walheim ist angedacht. Derzeit würde mit der Stadt der Wegeverlauf geprüft, auch gibt es Gespräche mit Grundstückseigentümern auf der geplanten Route. Die Verkehrssicherungs- und die Haftpflicht würde die Kommune übernehmen.

Grundsätzlich habe Besigheim die idealen Voraussetzungen für so einen Rundweg – die tollen Ausblicke, die vielen Steillagen! Überhaupt verteilte Peter Wendl einige Komplimente. Beim (Wein-)Tourismus bescheinigte er der Region aber noch großen Handlungsbedarf im Vergleich zu anderen Weingebieten wie etwa der Mosel; dabei sei „das, was wir hier haben, ein Schatz“. Der lasse sich bundesweit, ja vielleicht sogar europaweit in dieser Form nicht noch einmal finden. Und als später in der Sitzung die Wegeführung angesprochen wurde, sagte der Regionalmanager: „So eine schöne Altstadt hat sonst keine der ILE-Kommunen.“

Das dürfte im Gremium wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sein. Fraktionsübergreifend wurde die Umsetzung des Steillagenwegs unterstützt. Auch die anderen Vorhaben, wie Verknüpfung mit der Steillagen-App sowie die Gespräche mit einem Neckar-Schifffahrt-Betreiber, kamen gut an. Allerdings vermisste Hansjörg Kollar (BMU) einen Mehrwert für die Wengerter. Ob man etwas machen könnte, damit diese mal einen höheren Ertrag bekämen? Wendl verwies auf ein Projekt, das aus den „Neckarschleifen“ hervorgegangen sei. Zudem könne das Förderprogramm Regionalbudget auch für die Sanierung von Trockenmauern genutzt werden. Und: „Touristische Maßnahmen haben immer auch einen Einfluss auf die Vermarktung der Weine.“ Friedrich Köhler (FWV) kam auf brachliegende Weinberge zu sprechen: „Wie halten wir die Wengerter am Stock?“. Wendl sprach den Generationenwechsel an, der „wird uns noch viele Probleme bereiten“. Das Regionalmanagement bemühe sich, Nachnutzungen zu organisieren; das sei aber kompliziert.

Edgar Braune (WIR) lobte, dass der Steillagenweg sowie der Radweg – der nach ersten Ideen über den Wurmberg nach Hessigheim und wieder nach Besigheim führen könnte – jeweils durch die Altstadt führen sollen. Denn der Neckartal-Radweg beispielsweise führe daran vorbei. Für die Rundwege spielten die Ortskerne eine wichtige Rolle, sagte Wendl: „Die Landschaft und die jeweilige Siedlung sollten nicht voneinander abgekoppelt werden.“

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