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Ehrenamt

DRK-Ortsverein steht vor dem Aus

Vor sechs Jahren wurde das 50-jährige Bestehen mit besonderen Veranstaltungen, darunter auch einer Fotoausstellung gefeiert, jetzt zieht der Ortsverein des Roten Kreuzes die Reißleine. Wenn sich bis zur Mitgliederversammlung im Juni keine Nachfolger im Vorstand finden, wird der Verein aufgelöst.

Mit einer Fotoausstellung wurde vor sechs Jahren das 50.Jubiläum gefeiert.
Mit einer Fotoausstellung wurde vor sechs Jahren das 50.Jubiläum gefeiert.
Ein Foto aus besseren Tagen, ohne Nachwuchsprobleme.Fotos: DRK
Ein Foto aus besseren Tagen, ohne Nachwuchsprobleme. Foto: DRK
Beim 25.Jubiläum feierte Bürgermeister Menner (links) mit.
Beim 25.Jubiläum feierte Bürgermeister Menner (links) mit.

Erdmannhausen. Für den Vorsitzenden Rudolf Holzwarth ist das ein schwerer Schritt, denn er gehörte immerhin seit Beginn dem Ortsverein an, zunächst im Jugendrotkreuz, später bei den Aktiven und schließlich im Vorstand.

Die Geschicke des Ortsvereins lenkt er schon seit Anfang der 80er Jahre, er ist ein „Rotkreuzler“ durch und durch. Doch Rudolf Holzwarth ist auch Realist. Und so hat er erkannt, dass es nicht mehr weitergeht. Knapp zehn Aktive seien zu wenig, um die Arbeit am Laufen zu halten.

Bei Sanitätsdiensten helfen längst auswärtige Ortsvereine mit, tragende Säulen waren stets die drei Blutspendetermine im Jahr, die aber laut Holzwarth auch nicht mehr nur mit eigenen Kräften gestemmt werden konnten. In früheren Jahren war der Ortsverein noch beim Straßenfest mit einem großen Stand beim Rathaus präsent. Aber das war einmal, es fehlt dem Vorsitzenden zufolge an Ehrenamtlichen, die bei solchen Veranstaltungen mithelfen und überdies bereit sind, die entsprechenden Ausbildungen als Aktive zu absolvieren.

„Wir haben keinen Nachwuchs“, bekennt der 67-Jährige. So habe der Ortsverein versucht, eine Jugendrotkreuzgruppe zu installieren, aber ohne Erfolg. Auch wenn der Beschluss der Mitgliederversammlung noch aussteht, ebnete der Vorsitzende bereits den Weg für eine Auflösung. „Mir war es vor allem wichtig, dass die Blutspendeaktionen weitergehen“, unterstreicht er.

Und so kontaktierte Holzwarth den Feuerwehrkommandanten Jochen Deschner, ob er sich vorstellen könnte, dass die Wehr dies übernehme. Nach einer Sitzung des Feuerwehrausschusses gab der Kommandant grünes Licht und Rudolf Holzwarth war erleichtert.

Fortan ist also die Wehr dafür verantwortlich, örtliche Rotkreuzler helfen weiter mit. Die erste Blutspende unter neuer Regie findet am 12. Juli im Neubau der Astrid-Lindgren-Schule statt. „Wir sind froh, dass wir Ersatz gefunden haben, bei der Feuerwehr gibt es ja auch viele junge Leute“, so Holzwarth.

Mit dem DRK-Kreisverband in Ludwigsburg wird er nun das weitere Vorgehen besprechen, falls nach dem Mitgliedervotum die Abwicklung erfolgt. Grundvermögen gibt es nicht, die Räume im alten Feuerwehrgerätehaus mietete das Rote Kreuz in den 80er Jahren von der Gemeinde an, nachdem die Wehr in den Neubau nebenan gezogen war. Dieser ist inzwischen zu klein, die Wehr drängt schon lange auf eine Erweiterung, die 2021 endlich kommen soll.

Auch diese Planungen hängen mit der beabsichtigten Auflösung des Ortsvereins zusammen, denn dort wo das Rote Kreuz derzeit untergebracht ist, soll der Neubau entstehen. „Eigentlich hatten wir an eine Lösung für die Feuerwehr und das Rote Kreuz gedacht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Hannemann auf Nachfrage unserer Zeitung. Dann sei Holzwarth auf die Verwaltung zugegangen und habe mitgeteilt, dass die Gemeinde ohne das Rote Kreuz planen sollte. „Das würde natürlich mehr Platz für die Feuerwehr bringen“, so Hannemann, die die geplante Auflösung des Ortsvereins aber bedauert.

„Wir wollen den weiteren Planungen nicht im Wege stehen“, versichert Holzwarth. Für ihn wäre es nicht vertretbar gewesen, wenn die Gemeinde für das Rote Kreuz gebaut und sich der Ortsverein wenig später aufgelöst hätte.

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