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LAND-Art

Ein Gänsenest im XXL-Format

In Plüderhausen, Schorndorf, Winterbach und Remshalden war er schon, diese Woche ist er noch in Remseck anzutreffen: Der Land-Art-Künstler David Klopp fertigt während der Remstal-Gartenschau riesige Skulpturen aus Weiden – und lässt sich während der Arbeit gerne über die Schulter schauen.

Land-Art-Künstler David Klopp baut ein XXL-Gänsenest.
Land-Art-Künstler David Klopp baut ein XXL-Gänsenest.
Am Remsecker Gänsenest arbeitet David Klopp diese Woche noch. Das Sonnenrad in Remshalden (unten links) und der Spiegelbogen in Plüderhausen sind bereits fertiggestellt.Fotos: Holm Wolschendorf, David Klopp (2)
Am Remsecker Gänsenest arbeitet David Klopp diese Woche noch. Das Sonnenrad in Remshalden (unten links) und der Spiegelbogen in Plüderhausen sind bereits fertiggestellt. Foto: Holm Wolschendorf, David Klopp (2)
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REMSECK. Land-Art nennt man eine Kunstrichtung, die Ende der 1960er Jahre in den USA aufkam. Im Mittelpunkt stehen dabei Aktionen unter freiem Himmel, bei denen die Landschaft künstlerisch verändert wird. Die Objekte sind oft vergänglich. David Klopp arbeitet am liebsten mit Materialien, die er direkt vor Ort findet. Die Projekte, die der 40-jährige Winterbacher für die Gartenschau anfertigt, bestehen zum Großteil aus Weidenruten, die ja auch im Remstal heimisch sind.

In Remseck baut David Klopp gerade ein Gänsenest im XXL-Format. Gleich nach Pfingsten hat er in der Straße „Am Remsufer“ direkt am Fluss damit begonnen, Ende dieser Woche will er fertig sein. Jeden Werktag reist Klopp mit seinem Motorroller an und ist von etwa 9 ist 18 Uhr vor Ort. Auf der Mauer des Uferdamms hat er Informationsmaterial zum Projekt ausgelegt. Wenn es die Zeit zulässt, unterhält sich der Künstler auch gerne mit Interessierten.

Noch ist das Betreten der

Kunst-Baustelle verboten

Dass in Neckarrems ein Gänsenest entsteht, kommt nicht von ungefähr. Schließlich war der Remsecker Stadtteil lange Zeit für seine Gänsezucht bekannt. Der Platz, an dem das Projekt verwirklicht wird, habe ihm gleich gefallen, als er Remseck das erste Mal besuchte, berichtet der Künstler im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Weidenskulptur entsteht auf einer natürlichen Mini-Halbinsel. Das Nest ist rund 1,60 Meter hoch und hat einen Durchmesser von etwa drei Metern. Auf dem mit Holzhackschnitzeln begradigten Untergrund liegen drei eiförmige Natursteine. „Wenn Besucher darauf sitzen, sieht es aus, als ob gebrütet wird“, lacht David Klopp, dem es ein Anliegen ist, dass die Menschen mit seinen Werken neue Erfahrungen machen können. Das Innere des Nestes ist durch ein Schlupfloch zu erreichen. Aber Achtung: Noch ist das Betreten der Kunst-Baustelle strengstens verboten.

David Klopp verwendet sowohl trockene Weiden, die durch Wässern biegsam gemacht werden, als auch frisch geschnittene Ruten. Letztere treiben auf dem feuchten Untergrund möglicherweise aus, so dass das Gänsenest ein Blätterkleid bekommen könnte. „Ich fände es toll, wenn ein grüner Bereich entsteht – und bleibt“, so Klopp. Den Beginn eines neuen Land-Art-Projektes vergleicht er mit einem Bergaufstieg. Man wisse nie, was passiert: „Das liebe ich.“ Man schaffe einen Raum um sich herum, was einem ein ganz neues Gefühl gebe. So entstünden immer neue Ideen. „Das Schöne an dieser Kunstform ist, dass man reagieren kann“, so Klopp.

David Klopp hat Produkt-Design studiert. Die Land-Art für sich entdeckt habe er nach einer langwierigen Knieverletzung, erzählt der Künstler. Da sei er – der bis dahin viel gereist war und exzessiv Sport getrieben hatte – gezwungen gewesen, langsamer zu machen. „Ich bin nicht mehr durch die Gegend gerannt, sondern im Wald auch mal stehen geblieben“, so Klopp. Dabei habe er allerlei Naturmaterialien entdeckt. Als eine frühere Lehrerin ihn auf die Land-Art aufmerksam machte, sei das ein Aha-Erlebnis gewesen. Die Kunst mit Vergänglichkeit faszinierte ihn.

David Klopp lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Stadt Remseck. Unter anderem haben Mitarbeiter des Bauhofs die riesige Menge Holzhackschnitzel und die schweren Steine ins Nestinnere gehievt. Solche Unterstützung sei nicht selbstverständlich, weiß der Künstler.

Info: Das nächstes Projekt von David Klopp ist „Die Remswiege“ in Weinstadt, wo er vom 8. bis 19. Juli arbeiten wird.

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