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Soziales

Ein Haus für ein neues Leben

Weil die Wohnstätte in Ludwigsburg nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben genügt, muss das Psychosoziale Netzwerk des Kreises umziehen – doch die Suche nach einem Standort gestaltete sich schwierig, nicht überall war man willkommen. Nun aber ist eine Lösung im Bau.

Architekt Klaus Echsler, Angelika Tinter und Patrick Dreizler (von links) vor der Baustelle für die neue Wohnstätte des PSN. Foto: Andreas Becker
Architekt Klaus Echsler, Angelika Tinter und Patrick Dreizler (von links) vor der Baustelle für die neue Wohnstätte des PSN. Foto: Andreas Becker

Asperg/Ludwigsburg. Dunkle Wolken hängen tief über Asperg, immer mal wieder kommen kleine Hagelkörner herunter. Doch Zeit und Ort sind zumindest für Angelika Tinter „ein echter Lichtblick“. Denn ohne die Baustelle in der Seestraße, vor der die Geschäftsführerin steht, wäre für ein wichtiges und schon jetzt kreisweit besonderes Angebot des Psychosozialen Netzwerkes (PSN) wohl das Aus gekommen – dabei gibt es davon ohnehin schon zu wenig in der Region.

Hintergrund sind die Vorgaben der geänderten Landes-Heimbauverordnung, die einen Weiterbetrieb der Wohnstätte für psychisch kranke Menschen in der Königsallee in Ludwigsburg nur noch bis diesen Mai erlaubt hätten, ergänzt ihr Kollege Patrick Dreizler. Bekannt ist das zwar schon seit langem – doch die Suche war alles andere als einfach. 2015 hatte sie begonnen. Immer begleitet von Unsicherheit und großem Stress für die Bewohner, die im Durchschnitt durchaus fünf, sechs Jahre in der Einrichtung wohnen, bis sie wieder völlig selbstständig leben können. Und regelmäßig begleitet von Absagen von Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Freie Grundstücke habe man in Zeiten einer schwierigen Immobilienlage – der Suchradius betrug etwa zehn Kilometer rund um Ludwigsburg – zwar immer mal wieder entdeckt, so die beiden Geschäftsführer. Doch nicht überall sei man willkommen gewesen. Anders als nun in Asperg, für dessen Bürgermeister und den Gemeinderat die Projektverantwortlichen sehr viel Lob übrig haben. „Psychische Erkrankungen sind oft noch ein Tabuthema“, erklärt Tinter, darunter litten auch die Betroffenen, etwa wenn sie mit gewalttätigen Aktionen in Verbindung gebracht würden.

Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Menschen in einer positiven Umgebung wohnen könnten und sich aufgenommen fühlten, ergänzt Hans-Peter Betz. Der Bauunternehmer war vor rund zwei Jahren mit den Verantwortlichen des PSN zusammengekommen – und ließ sein Apartmenthaus an der Seestraße umplanen, „eine echte Herausforderung“. Es sollte eigentlich direkt neben dem 2019 fertiggestellten Gebäudekomplex mit zahlreichen geförderten Wohnungen und seinen Büros auf dem Eisfink-Gelände entstehen und 43 Einzimmerwohnungen beherbergen. Nun wird daraus aber das „Joachim-Runge-Haus“ mit Platz für 34 Bewohner ab spätestens September 2022 – und vielen Kochmöglichkeiten. Unten gibt es eine Versorgerküche, dann eine Gemeinschaftsküche und eben noch in jeder Kleinwohnung eine eigene, erläutert Architekt Klaus Echsler. Ganz andere bauliche Vorgaben hätten während der Umplanung berücksichtigt werden müssen, etwa vom Veterinäramt bezüglich der Lagerhaltung, auch das Gesundheitsamt hatte mitzusprechen – neben den Ämtern, die eher für das Konzeptionelle zuständig sind. „Durch die Vielzahl der einzubindenden Ämter war der Abstimmungsprozess sehr aufwendig. Dass das PSN hier zudem ein neues Konzept umsetzen will, hat die erforderlichen Zustimmungen sicher nicht beschleunigt. Auch die Vielzahl der eingeplanten Küchen und deren Kosten waren erklärungsbedürftig“, schildert Betz ein Beispiel. Doch genau das mache das Bauprojekt, in das er rund sieben Millionen Euro investiert, nicht nur kreisweit besonders. Denn nun könne man, anders als in Ludwigsburg, mit den Gemeinschaftsküchen ein individuelles häusliches Versorgungskonzept umsetzen, wie es noch keine andere Einrichtung im Land mache, weiß Dreizler. Das helfe bei dem Ziel, den Bewohnern ein eigenständiges Leben zu ermöglichen – und ihnen gleichzeitig die nötige Hilfe anzubieten. Denn das könne sich immer wieder verändern, psychische Erkrankungen verliefen in der Regel wenig statisch, sondern dynamisch, so Tinter.

Und deshalb wird auch immer ein Ansprechpartner vor Ort sein, tagsüber zudem die Leiter der Einrichtung und die jeweils festen Begleiter. Davon wird es nach dem Einzug mehr geben, schließlich werden sieben Menschen mehr einziehen. „Die Suche nach neuen Teammitgliedern ist unsere nächste Baustelle“, so Tinter, zudem müsse erarbeitet werden, welche Aktivitäten in der Umgebung möglich sind. Gerne auch, wenn in der Stadt Feste oder Begegnungen anstehen oder ehrenamtliches Engagement gefragt sei, sagt sie. Denn Nähe helfe, Vorurteile abzubauen, und nehme Ängste, davon ist auch Bürgermeister Christian Eiberger überzeugt, der das Projekt „eine wirklich gute Sache findet, um Menschen wieder zurück ins Leben zu helfen“. Betz rechnet ebenfalls mit großer Akzeptanz der Nachbarn, zum Großteil ohnehin seine Mieter. Auch die Erfahrung mit der Unterbringung von Flüchtlingen in einem weiteren seiner Gebäude auf dem Gelände zeige das. „Das wird alles geschmeidig ablaufen. Das PSN-Gebäude kann eine echte Bereicherung sein.“

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