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Tüftler

Ein kleiner Stift sorgt für mehr Hygiene

Tastaturen und Displays sind Brutstätten für Keime. Und das nicht erst, seit das Coronavirus grassiert. Weil ihn das im wahrsten Sinne des Wortes unangenehm berührt hat, hat Alexander Kraft einen Stift entwickelt, mit dem der direkte Kontakt zu Tasten und Touchscreens vermieden werden kann.

Der Stift funktioniert sowohl auf einem Touchscreen ...
Der Stift funktioniert sowohl auf einem Touchscreen ...
Alexander Kraft. Fotos: Andreas Becker
Alexander Kraft. Foto: Andreas Becker
... als auch auf Tasten.
... als auch auf Tasten.

Kirchheim. Vor ein paar Wochen, als die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus das öffentliche und private Leben immer mehr bestimmt haben, als Abstandsregelungen und Hygienestandards eingeführt worden sind, hat Alexander Kraft sich gefragt: „Wie steht’s eigentlich um die Hygiene, wenn wir die Displays von Handys oder Tablets berühren oder die Tastatur von EC-Kartengeräten im Supermarkt und an Geldautomaten bedienen?“ So manchmal habe er den Ärmel seines Pullis über seine Finger gezogen, um nicht direkt mit den Tasten in Kontakt zu kommen, erzählt der 36-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wer sich eine Fahrkarte am Automaten kaufen muss, den beschleicht das mulmige Gefühl, dass er diesen Bildschirm wirklich berühren muss. Und wie hygienisch ist das Unterschriftenpad, das einem der Paketdienst hinhält?, hat er sich gefragt, wie viele Leute haben jene Stifte schon in der Hand gehabt? „Wir haben es mit einem Virus zu tun, das eine hoch ansteckende Krankheit auslösen kann“, sagt der studierte Betriebswirt aus Kirchheim. „Ohne Maßnahmen wie Social Distancing, Hygiene und Atemschutz kann eine Person im Schnitt deutlich mehr als zwei weitere anstecken – was ungebremst eben zu einer massiven Epidemie führt. Wie kann es also sein, dass unzählige Menschen ungeschützt Displays und Tastaturen bedienen?“

Ganz im Sinne eines schwäbischen Tüftlers zerbricht sich Alexander Kraft daraufhin den Kopf, wie er das Problem angehen und lösen kann. Per CAD, einer Software-Anwendung, entwickelt er am Computer einen Stift. Schnörkellos und leicht zu reinigen sollte er sein, „deswegen ist es auch kein klassischer Kugelschreiber geworden“. Der 36-Jährige sucht in der Nähe eine Firma, die den Stift produzieren könnte – Regionalität ist ihm wichtig. Nach zwei Monaten der Überlegungen, Planungen und Zeichnungen hält er den Prototyp vom „Pin-Pen“ in den Händen. Der Name setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen „Pin“, also die Geheimzahl, und „Pen“, dem Stift.

Alexander Kraft ist mit dem ersten Ergebnis aber noch nicht ganz zufrieden, „das hat noch nicht so richtig funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe“. Der Stift wird immer weiter an Krafts Anforderungen und Wünsche angepasst. Der Kunststoff, aus dem der Pin-Pen hergestellt wird, wird so lange verändert, bis der junge Tüftler dem zustimmt.

Klein, handlich und schwarz ist er geworden. Der Stift ist knapp neun Zentimeter lang und – obwohl er nicht hohl ist – mit seinen sechs Gramm ein Fliegengewicht. Der Pin-Pen ist abriebfest, ist nahezu unzerstörbar und kann praktisch unbegrenzt wiederverwendet werden. Er passt in jede Hand- oder Hosentasche, sogar in die Geldbörse. „Wenn ich mir die Hände wasche, reinige ich den Stift oft gleich mit“, erklärt der 36-Jährige.

Und was ist nun das Besondere am Pin-Pen? Die Verwendung ist kinderleicht und geht ohne direkten Fingerkontakt. Der Pin-Pen sieht aus wie ein Bleistift und verfügt über eine Spitze, mit der die Tasten eines Bedienfeldes mechanisch gedrückt werden können. Auf der anderen Seite sitzt eine kleine, leitfähige Gummikappe für die berührungsempfindlichen Displays und Touchscreens von Handys oder Tablets. „Die Auflagefläche des Gummikäppchens ist ungefähr so groß wie eine Fingerkuppe, um den sensiblen Bildschirm nicht zu verwirren“, erklärt Alexander Kraft. Diese Kombination, also einerseits Tasten zu drücken, andererseits Displays zu bedienen, das ist laut Kraft ein Novum. Bei seinen Recherchen sei er zwar auf ähnliche Produkte gestoßen, aber es habe ihn selbst ein wenig verwundert, dass es einen Stift wie den Pin-Pen noch nicht gibt. Um sich diese Idee weitgehend schützen zu lassen, meldet er beim Deutschen Patentamt in München eine Marke und ein Gebrauchsmuster an.

Erhältlich ist der Stift über den stationären Handel sowie über ein Onlineportal. Die Resonanz der Verbraucher sei durchweg positiv. Größer einsteigen in den Internethandel will Alexander Kraft nicht: „Da bin ich schwäbisch.“ Was ist noch geplant? „Ich könnte mir vorstellen, Zubehör wie eine Halterung fürs Auto oder eine Desinfektionshülle zu entwickeln“, verrät er, „aber das ist noch Zukunftsmusik.“

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