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Ein Markt wie ein Klassentreffen

Auf Schritt und Tritt gibt es auf dem Kunsthandwerkermarkt Neues zu entdecken

Besigheim. Bunt leuchten die Bilder von Ursula Schäfter Besuchern des Kunsthandwerkermarkts gleich beim Betreten im Foyer der Stadthalle Alte Kelter entgegen. Die Motive: Elefanten, Giraffen, eine Massai-Frau ... Weihnachtlich sind sie nicht, aber sie kommen gut an. „Ich habe schon zwei Bilder verkauft“, sagt die Kunsthandwerkerin aus Aichwald (Landkreis Esslingen) am Samstag bereits in der ersten Stunde nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Bürgermeister Steffen Bühler und Heinz Streicher, Vorsitzender des örtlichen Bunds der Selbständigen. Inspiriert zu den Bildern habe sie ihre Reise nach Afrika, die sie vor Kurzem unternommen habe. Auch ihre besondere Maltechnik und die leuchtenden Farben beruhen auf internationalen Erfahrungen. Achteinhalb Jahre habe sie in Brasilien gelebt und in dieser Zeit die Arte Decorativa erlernt, bei der eine Gipsmischmasse auf Holz aufgetragen wird, erzählt Schäfter.

Doch sind es nicht allein die kauffreudigen Besucher, weswegen es sie Jahr für Jahr auf den Kunsthandwerkermarkt in Besigheim zieht. „Wir Aussteller verstehen uns prima. Es ist eine Harmonie. Das ist nicht überall so.“ Ähnlich sieht es Heinrich Billes, der am Stand gegenüber Selbstgewebtes anbietet. „Ich komme hierher wegen der Atmosphäre und wegen des Niveaus. Es gibt nicht so viel Kommerz, alles ist selbst gemacht und viele führen vor, wie es geht“, sagt der Ruheständler aus Abstatt (Landkreis Heilbronn), während er unermüdlich weiter webt.

Besonders gefielen ihm zudem die Gespräche mit Kindern. Auch jetzt wird sein Webstuhl gerade von jungen Besuchern belagert und Billes teilt die Bank dahinter abwechselnd mit Luis und Theo. Spannend finden es die Brüder, acht und drei Jahre alt, zuzusehen, wie aus einzelnen Fäden ein gemusterter Stoff entsteht. Genauso hat Billes einst seiner Mutter beim Weben über die Schulter geschaut und die Technik von Kindesbeinen an erlernt. Den Eltern der Brüder, Katja und Jonas Oswald aus Besigheim, bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten bis sich ihre Kinder losreißen können. Wirklich weit sind sie daher bei ihrem Familienbummel über den Kunsthandwerkermarkt noch nicht gekommen. Dabei gibt es noch jede Menge in der Stadthalle zu sehen. Zumal sich der Markt nicht nur über Foyer und Saal erstreckt, sondern auch in das Obergeschoss hinaufzieht.

Und an jedem Stand gibt es etwas anderes zu entdecken von Gefilztem und Gedrechseltem über Schmuck, selbst genähten Teddybären bis hin zu Modellschiffen.

Austausch bei Tee und Gutsle

Während die Besucher gucken und kaufen, wird sich hinter den Ständen gern auch mal bei Tee und Gutsle ausgetauscht. „Das ist hier wie ein Klassentreffen“, beschreibt die Ausstellerin Melanie Horwath die Atmosphäre auf dem Markt. Dabei sehe sie vor allem unter den Besuchern viele vertraute Gesichter wieder, sagt die Ludwigsburgerin, die gebürtig aus Walheim kommt. So könne sie ihr Hobby mit dem Treffen von alten Freunden und Bekannten verbinden. „Ich mache all das nur für diesen Markt“, sagt Horwath, die beruflich am Klinikum in der Sozialberatung tätig ist, mit Blick auf ihre Auslage an Schmuckstücken, die sie aus Aludraht fertigt. Zudem könne sie, während sie ihrer Kreativität beim Biegen der Drähte freien Lauf lasse, Stress abbauen. (lui)