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Sommerserie Besondere Gärten
Ein Paradies mit vielen Kräutern

Einmal in der Woche müssen die Damen ihre Pflanzen gießen und für Ordnung im Möglinger Kräutergarten sorgen.Fotos: Alfred Drossel
Einmal in der Woche müssen die Damen ihre Pflanzen gießen und für Ordnung im Möglinger Kräutergarten sorgen.Fotos: Alfred Drossel
Evelyn Börner liebt den Duft der Heilkräuter.
Evelyn Börner liebt den Duft der Heilkräuter.
Angelika Kübler.
Angelika Kübler.
Auch ein Wildbienenhotel steht im Kräutergarten.
Auch ein Wildbienenhotel steht im Kräutergarten.
Die Multivitaminbomben aus dem Garten.
Die Multivitaminbomben aus dem Garten.
Nicht nur auf privaten Grundstücken finden sich ganz wunderbare Gärten. In Möglingen machen es die Gemeinde und eine Privatinitiative möglich, in die Welt der Heilkräuter einzutauchen.

Möglingen. Unweit des Bahnhofs, neben dem Kleeblattheim, gibt es einen kleinen Kräutergarten. Hier wachsen Andorn, Frauenmantel, Mariendistel oder die Traubensilberkerze. All diese Kräuter können helfen, Menschen wieder gesund zu machen oder Krankheiten vorzubeugen. „Das ist Wissen, das in den vergangenen hundert Jahren verloren gegangen ist. Das müssen wir uns jetzt wieder mühsam aneignen“, sagt Angelika Kübler.

Sie gehört zu den sechs Damen, die sich um die vielen Kräuter regelmäßig kümmern. Einmal in der Woche wird gegossen, gehackt, die Pflanzen hochgebunden und manchmal werden auch Bierflaschen aus dem Kräutergarten geholt. „Der Vandalismus hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ich weiß nicht, was die Leute sich dabei denken“, so Angelika Kübler.

Kräutergarten ging vor 20 Jahren an den Start

Vor 20 Jahren wurde die Initiative Kräutergarten gestartet. Nachhaltig sollte sie sein, gemäß dem Motto „global denken – lokal handeln“. Mit dabei ein Apotheker aus Möglingen, er wollte das alte Wissen über Heilpflanzen wieder auffrischen. Und so kam man zu den Heilpflanzen. Der Garten ist aufgeteilt nach menschlichen Organen. Hier gibt es Pflanzen, die bei Herz- und Kreislaufbeschwerden, bei Verdauungsproblemen oder bei Atemwegserkrankungen helfen. Weil der Kräutergarten aktuell nur von Frauen getragen wird, ist ein Beet auch der Frauenheilkunde gewidmet. Zudem gibt es die Bereiche Nerven und Psyche, Knochen und Gelenke oder Harnwege.

„Viele Sachen findet man direkt vor dem Haus. Pflanzen wie Löwenzahn, Spitzwegerich oder Giersch. Man muss nur wissen, was man damit anfangen kann. Um die anderen Kräuter muss man sich ein wenig mehr kümmern. Um das zu vermitteln, sind wir da“, sagt Evelyn Börner. Auch sie ist schon lange mit dabei. Doch inzwischen kommt die Gruppe an ihre Grenzen. Sie braucht neue Mitglieder und sie braucht jüngere Mithelfer. Auch Männer wären willkommen, schließlich gibt es auch in einem Kräutergarten immer wieder etwas Schweres zu transportieren. Und dem Klima in der Gruppe würden ein paar Männer auch guttun. Die Damen würden gerne eine Vergrößerung auf zehn bis 15 Mitglieder anstreben.

Weniger Mitglieder nach Corona

Erste Auswirkungen der geringen Personalstärke lassen sich in diesem Jahr schon feststellen. Nach Corona kamen manche Mitglieder einfach nicht mehr zurück. Das hatte zur Folge, dass das alljährliche Kräutergartenfest, das zum 20-Jahre-Jubiläum etwas Besonderes sein sollte, erst gar nicht stattfand. Es gab zu wenig Menschen, die dabei mithalfen. So wurde die Feier abgesagt. Doch die Damen wollen den Kopf nicht hängenlassen. Sie hoffen, dass sich noch ein paar Menschen aus Möglingen und Umgebung zusammentun, um dem Kräutergarten zu alter Größe zu verhelfen. Über das Internet kann Kontakt aufgenommen werden unter der Adresse www.kraeutergarten-moeglingen.de.

Tinkturen und Kräuter

Denn hier kann man viel lernen. Nicht nur, wie einem die einzelnen Kräuter helfen können. Man lernt, Tinkturen herzustellen, Tees zu machen oder auch, für den Gebrauch zu Hause, Kräutersalz zu mischen.

Solche Veranstaltungen gibt es natürlich auch für Gäste. Sie werden durch den Garten geführt und ihnen wird erklärt, wozu die einzelnen Kräuter verwendet werden können. Zumindest die älteren Bewohner des Kleeblattheims und die jüngeren Kindergartenkinder und Grundschüler machen davon immer wieder Gebrauch.

Und natürlich bekommt der öffentliche Garten weiteren Besuch von außen. „Im Frühjahr und Sommer wimmelt es von Bienen, Hummel und Schmetterlingen. Bei uns gibt es Dinge, die draußen auf den Wiesen schon längst ausgestorben sind. Dazu trägt auch das Wildbienenhotel bei, das vor ein paar Jahren von Schülern der Hanfbachschule für uns gebaut wurde“, so Evelyn Börner. Für sie ist es ein kleines Paradies, direkt neben dem Leudelsbach. Mitten in Möglingen.

Zur Serie

In unserer Sommerserie stellen wir immer mittwochs und freitags besondere Gärten im Landkreis Ludwigsburg vor. Alle Teile der Serie finden Sie auf userer Themenseite.