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LIegehalle

Ein Platz unter der alten Eiche

Der historische Pavillon aus der Anfangszeit des Heilbadbetriebs wird wieder aufgestellt – Noch fehlt die Genehmigung

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Neben der Schwimmvereins-Gaststätte soll der Pavillon aufgebaut werden. Das Gelände liegt am Neckar. Foto: Holm Wolschendorf/Grafik: Büro Heyn

Die historische Liegehalle liegt fein säuberlich zerlegt bei einem Schreinerbetrieb im Hof. Es ist ein prächtiger Holzpavillon von 1910, der zum ehemaligen Kurhotel in Hoheneck gehört hat – ein Zeuge jener Zeit, in der das Heilbad viele Kurgäste in das kleine Städtchen lockte. Die Einzelteile warten darauf, wieder instand gesetzt zu werden. Denn so alt die Halle ist, das Holz ist in Ordnung. Und die Hohenecker hängen an ihr. Der Pavillon ist ein Bauwerk, das auch heute noch Architekten schwer beeindruckt.

„Sehr filigran gemacht, ein sehr schönes Gebäude“, sagt Klaus Hoffmann, der als Architekt und Mitglied des Stadtteilausschusses auf den Holzbau aufmerksam gemacht hatte und ihn damit rettete. Zunächst sollte der Pavillon, als marode Holzhütte tituliert, auf der Deponie entsorgt werden. Die Stadt zeigte erst Interesse, als Alarm geschlagen wurde (wir berichteten). Der Pavillon stand viele Jahre unbeachtet im Innenhof des Hotelgebäudes an der Marbacher Straße. Die Hotelzimmer sind längst Sozialwohnungen geworden, auf dem Gelände dahinter will die Wohnungsbau Ludwigsburg bauen.

Inzwischen gibt es Pläne, wie die Liegehalle genutzt werden kann. Jochen Zeltwanger vom Stadtteilausschuss Hoheneck stellt die Skizzen vor, die Architekt Volker Heyn, zugleich Präsident des Schwimmvereins, erstellt hat. „Das Baugesuch ist eingereicht“, berichtet er bei einem Bürgergespräch der Freien Wähler, zu dem auch Stadtteilvertreter von CDU und Grünen gekommen waren. Der Standort: eine Wiese am Neckar, direkt hinter der Vereinsgaststätte „Genuss im Grünen“ des Schwimmvereins. Vor allem Triathleten des Vereins wollen das Gebäude nutzen, um sich vor oder nach dem Neckarschwimmen kurz umzuziehen.

Holzpflöcke zeigen, wie viel Platz der Pavillon einnimmt

Auf der Wiese zeigen Holzpflöcke, wie viel Platz die Liegehalle einnimmt. Sie öffnet sich mit ihrem Vorbereich zum Neckar hin, der in der Dämmerung das Mondlicht widerspiegelt. Die alte Eiche, die auf dem Gelände alles überragt, kann erhalten werden. Die Terrasse könnte sogar um sie herum gebaut werden. „Möglichst alle Bäume zu erhalten, das war uns wichtig“, sagt Zeltwanger. Doch so gut der Pavillon dort eingepasst werden könnte, so richtig Freude kommt nicht auf. Noch hakt es bei der Genehmigung.

Das Landratsamt möchte nicht, dass dort am Wasser ein Gebäude errichtet wird. Dabei sei es, so Zeltwanger, kein geschlossenes Gebäude. Es ist ein leichter Bau mit vielen Säulen. „Da kann das Wasser durchfließen.“ Das wäre dann wichtig, wenn der Neckar Hochwasser hat. Die Wiese liegt schließlich, so heißt es aus der zuständigen Abteilung im Landratsamt, im Überschwemmungsgebiet.

„Wir suchen weiter das Gespräch“, so Zeltwanger, der bei den Bürgern viel Zuspruch erfährt, auch wenn der Pavillon künftig auf dem Vereinsgelände steht und damit nicht einfach so öffentlich zugänglich ist. Schön wäre allerdings, so ein Teilnehmer, wenn man sich, auch ohne Vereinsmitglied zu sein, mal in den Pavillon setzen dürfte, kommt man mit dem Rad dort vorbei.

Um den Pavillon aufstellen zu können, muss man aber auch etwas Platz schaffen. Wie bei dem Stadtteilgespräch der Freien Wähler dargelegt wurde, ist der Zaun des benachbarten Freibads Hoheneck im Weg. Dieser steht auf dem Grundstück des Schwimmvereins und müsste um einige Meter versetzt werden. Für die Stadtwerke, die das Bad betreiben, würde das bedeuten, dass sie auch den direkt hinterm Zaun angelegten Spielplatz verlegen müssten.

Zeltwanger ist zuversichtlich, dass man sich mit den Stadtwerken einigen kann. Auch geht er davon aus, dass die Fragen mit dem Landratsamt geklärt werden können. Dann könnten wieder die Schwimmer und Wasserballer anrücken, um den Pavillon aufbauen zu helfen. Wenn‘s gut läuft, könnte das im kommenden Januar/Februar passieren. Wenn die nächste Saison im Freibad beginnt, wäre dann alles fertig.

Der Standort bei den Schwimmern war nicht die erste Wahl. Die Retter der Halle hätten sich auch vorstellen können, das Gebäude für alle zugänglich am Neckar aufzustellen. Da hätten es auch die Neckarguides oder Besuchergruppen nutzen können, etwa bei schlechtem Wetter. Auch die Anlände auf der Neckarweihinger Seite – dort will die Stadt möglicherweise die Kreuzfahrtschiffe ankern lassen – war da im Gespräch, doch die Polizei warnte vor einem weiteren Ort, den sie wegen Trinkgelagen oder Vandalismus kontrollieren müssten. Ein Standort innerhalb des Freibad-Geländes wollten die Stadtwerke nicht, wie Zeltwanger berichtet. Dort hätte der Pavillon von den Badegästen genutzt werden können. In anderen Städten, sagt ein Teilnehmer des Stadtteilgesprächs, würden in solchen Gebäuden Massagen oder Fitnessprogramme angeboten. „Der Schwimmverein kam uns dann mit offenen Armen entgegen“, so Zeltwanger. Er sieht den Pavillon an diesem Standort auch gut aufgehoben.

Warum das Freibad sich sträubte, ist für manchen nicht nachvollziehbar. Stadtwerke-Geschäftsführer Bodo Skaletz verweist auf Nachfrage unserer Zeitung auf das Betriebspersonal im Bad, das Bedenken hat, den Bereich angemessen überwachen zu können. Neben fehlender sozialer Kontrolle würde auch Liegefläche für die Badegäste verloren gehen, so Skaletz. „Bei Hochbetrieb fehlt uns das dann.“