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Natur

Ein Preis für die Wasserbüffel

Schwäbischer Heimatbund zeichnet Projekt aus – Herde aus zehn Tieren hat sich gut akklimatisiert

Die Wasserbüffel sind zu einer Attraktion im Bottwartal geworden.Archivfoto: privat
Die Wasserbüffel sind zu einer Attraktion im Bottwartal geworden.Archivfoto: privat

Großbottwar. „Es ist schon eine Anerkennung dafür, dass wir das Projekt durchgezogen haben, und wir freuen uns, dass es positiv ankommt“, freut sich Gerhard Fahr. Vor kurzem hat der Verein für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal, dessen Vorsitzender Fahr ist, den Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes erhalten.

„So ein Naturschutzprojekt zeigt nicht schon nach zwei Jahren großen Erfolg.“

Gerhard Fahr
Büffelvater

Mit ihrem Projekt „Einsatz von Wasserbüffeln in der Landschaftspflege mit Biss“ gehe der Verein einen nicht alltäglichen Weg, heißt es in der Mitteilung des Heimatbundes. In zehnjähriger ehrenamtlicher Vorarbeit sei es gelungen, die Wahrung von Natur und Heimat mit Umweltbildung und dem Schutz der Biodiversität zu verbinden. Wasserbüffel sorgten im Feuchtgebiet dafür, dass die Schilfflächen eingedämmt würden und sich kein Auwald bilde. Durch den Einsatz eines vierbeinigen Pflegetrupps bleibe die Kulturlandschaft des Bottwartals erhalten.

Vor zweieinhalb Jahren kamen die sechs asiatischen Büffeldamen von Überlingen am Bodensee in die Bottwaraue zwischen Großbottwar und Kleinbottwar. Nach der Idee von Claus-Peter Hutter von der Stiftung Nature Life International sollen die Büffel mehrere Aufgaben erfüllen. Sie sollen als Weidetiere die Fläche abgrasen, unter anderem das Schilfgras, das in der Talaue überhandgenommen habe. Ein Teil des Schilfs bleibt aber stehen, auch die Bottwar und das Umfeld des Wassergrabens bleiben unangetastet. Durch ihre Präsenz sollen sie für mehr Artenvielfalt sorgen. „Das Schilf haben sie stark dezimiert und geöffnet“, sieht Gerhard Fahr erste Erfolge. Die Vögel und Amphibien sowie Käfer kämen, sogar ein Mistkäfer, der sonst nur auf dem Kaiserstuhl vorkommt. „So ein Naturschutzprojekt zeigt aber nicht schon nach zwei Jahren großen Erfolg, das braucht mindestens fünf bis sechs Jahre“, sagt Gerhard Fahr, der mit den Landwirten Andreas und Ulli Weigle, die Büffel betreut.

Was er aber sagen kann: Die Tiere fühlen sich wohl. Da sechs der Büffeldamen damals trächtig waren, ist die Herde auf zehn Tiere angewachsen. Die jungen Demen und Herren seien kaum noch von ihren Müttern zu unterscheiden. „Sie hatten auch viel Gras zu fressen“, sagt Fahr, und seien also ordentlich gediehen. Die Nässe macht den Wasserbüffeln nichts aus, falls es ihnen jetzt doch draußen zu ungemütlich wird, steht auch der Unterstand offen. Nur wenn es richtig nass ist, müssen sie im Stall bleiben, damit die Grasnabe keinen Schaden nimmt.

Im Vorfeld der Genehmigung des Projekts durch das Landratsamt Ludwigsburg war viel Kritik geäußert worden. Man hatte den Nutzen der Tiere, die aus Asien stammen und dort als Arbeitstiere Reisfelder umpflügen, bezweifelt. Die Grundstücke, die vor Jahrzehnten als Ausgleichsfläche für den Bau der Landesstraße 1100 vom Land gekauft worden waren, hätten sich gut entwickelt, hieß es, es entstanden Feuchtwiesen und Schilfflächen. Auch die Zäune, der betonierten Unterstand und die Brücke über die Bottwar wurden kritisiert. Mittlerweile seien die Gegner aber leise geworden. Die Büffel seien tatsächlich eine Attraktion im Bottwartal geworden, immer wieder hielten Radfahrer oder Spaziergänger an und zeigten sich sehr interessiert. „Wenn ich dort bin, kommt immer jemand und will etwas wissen“, erzählt Fahr. Und wehe die Büffel sind nicht zu sehen, dann ist vor allem bei Kindern die Enttäuschung groß.

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