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Ein rationaler Entscheider mit Musik im Blut

Der 56-jährige Jürgen Olma aus Oberstenfeld war acht Jahre Rathauschef in Widdern – Ziel: Einrichtung eines Bürgerbeteiligungsbeirats

Jürgen Olma bezeichnet sich als Fan des Kompromisses. Foto: Horst Ettensberger
Jürgen Olma bezeichnet sich als Fan des Kompromisses. Foto: Horst Ettensberger

Erdmannhausen. Das Tagesgeschäft eines Bürgermeisters muss man Jürgen Olma nicht erklären. Das hat für ihn auch mit ganz unspektakulären Dingen zu tun. Etwa dass sauberes Wasser aus dem Hahn kommt oder dass man rational entscheidet und eine Sache mit Disziplin zu Ende bringt. Beim Cappuccino im Café Glock erzählt Jürgen Olma, was ihn zur Kandidatur in Erdmannhausen bewogen hat.

Der 56-jährige weiß, wie es ist, im Glanze des Erfolges zu stehen, aber auch bitter zu scheitern. Der Bankbetriebswirt mit der Qualifikation zum gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst war bis letzten August acht Jahre Bürgermeister in der 1800 Einwohner zählenden Stadt Widdern im Kreis Heilbronn. Dort musste er als Folge der Flüchtlingskrise 2015 auch unpopuläre Entscheidungen treffen und wurde vom Wähler abgestraft. Ihm wurde beispielsweise vorgeworfen, seinen Amtseid zu verletzen, weil er die Zuweisung von Flüchtlingen nicht verhindert habe. Schließlich habe er geschworen, Schaden von Widdern abzuwenden. Er war gezielten Attacken ausgesetzt: Der 1,60 Meter große pinkfarbene Zwerg namens Karl – das Maskottchen der Heilbronner Bundesgartenschau – baumelte mit seinem Namen versehen und mit einem Strick um den Hals von der Jagstbrücke. Aufgestellte NPD-Plakate wurden außerdem mit seinem Foto ergänzt.

Das wären verständliche Gründe gewesen, alles sofort hinzuschmeißen. Jürgen Olma hielt durch und verlor im zweiten Wahlgang Anfang Juni gegen einen Mitbewerber, die Aktionen gegen ihn empörten Bürgermeisterkollegen und auch den Gemeindetag Baden-Württemberg. Olma blieb bis zum Ende seiner offiziellen Amtszeit am 2. August in der kleinen Stadt, eine Trauung war eine seiner letzten Amtshandlungen, dann war Widdern passé.

Er stand schließlich vor einem Trümmerhaufen. „Zum Jahreswechsel habe ich ihn beiseite geräumt und überlegt, was ich machen will und wo ich es will“, erzählt Olma. Bürgermeister wolle er in jedem Fall wieder sein, das ist für ihn mehr als nur ein Beruf, sondern Berufung, das Gestalten liegt ihm nach eigenem Bekunden am Herzen.

Er ist dabei einer, der auch unbequeme Wahrheiten ausspricht, statt Luftschlösser zu bauen, der das Machbare im Blick hat. Für ihn die richtigen Voraussetzungen, um in Erdmannhausen etwas zu bewegen. Eine Gemeinde, die seiner Einschätzung nach viel Potenzial hat, da ihr die Regionalversammlung ein größeres Wachstum zubilligt. Olma bezeichnet sich als großen Fan des Kompromisses als Kernelement der Demokratie. Der gebürtige Heilbronner gehört zwar der CDU an und ist dort in der kommunalpolitischen Vereinigung aktiv, er tritt aber als unabhängiger Kandidat an.

„Ich leiste mir den Luxus einer eigenen Meinung“, macht er deutlich. Politische Vorbilder hat er nicht, aber ein klares Wertegerüst. Dazu zählt er, die eigene Meinung auch mal zu hinterfragen, allgemeingültige Regeln zu befolgen und Gegenwind auszuhalten.

Jürgen Olma, der sich auf Flyern, Facebook und im Internet unter www.olma-erdmannhausen.de präsentiert, will mit Bürgern ins Gespräch kommen, der rhetorisch versierte Kandidat verfügt über das entsprechende Rüstzeug. „Ich kann aber auch zuhören“, betont er. An Dialog orientierte Politik würde er gerne in Erdmannhausen umsetzen. Und zwar mit der Einrichtung eines Bürgerbeteiligungsbeirats. Das Gestalten und Zuhören prägt auch sein privates Leben. Der in Oberstenfeld lebende Vater zweier erwachsener Söhne musiziert seit über 40 Jahren, er spielt in Orchestern im Heilbronner Raum Posaune und verstärkt jetzt im Jubiläumsjahr die seit 100 Jahren bestehende Stadtkapelle Musikverein Großbottwar. Das Gestalten läuft beim Musizieren im harmonischen Zusammenspiel ab, das Zuhören ist für ihn die beste Entspannung. Er mag Bigband-Sound und ist ein großer Fan der SWR-Formation. Deren Musik bei einem Glas Württemberger Rotwein lauschen: für Olma die ideale Kombination, um eine Auszeit im Alltag zu genießen.

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