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Bildung

Eine eigene CD und viel Selbstbewusstsein

60 Minuten Songs und Gedichte mit Herrn Hömseders musikalischer Klasse 4 – Aufnahmen mit Brenz Band und Stuttgarter Kammerorchester

Die Aufnahme der CD hat die vierte Klasse zusammengeschweißt. Foto: Andreas Becker
Die Aufnahme der CD hat die vierte Klasse zusammengeschweißt. Foto: Andreas Becker

Steinheim. Natürlich sind sie stolz, jetzt ihre eigene CD in den Händen zu halten und einen eigenen „Happy Steppi-Song“ kreiert zu haben, aber „Herrn Hömseders musikalische Klasse 4“ der Steinheimer Blankensteinschule hat noch viel mehr gewonnen: Selbstbewusstsein und einen außergewöhnlichen Klassenzusammenhalt.

Sie strahlen über das Gesicht – und auch wenn sie wegen Corona nicht singen dürfen, bewegen sie voller Inbrunst die Lippen und toben sich bei der Choreografie aus. Die drei Lieder, die die Klasse bei der Präsentation ihrer „Lieder und Gedichte zwischen den Zeiten“, so der Titel der CD, vorträgt, geben einen Vorgeschmack darauf, was einen erwartet: 33 rockige Lieder, Balladen, Texte und Gedichte mit tieferem Sinn.

Die Texte aus Schulbüchern und vom Freiberger Dichter Klaus Wennes vertonte Klassenlehrer Peter Hömseder neu, studierte sie mit seinen Schülern ein und erarbeitete mit ihnen die Choreografien. Neben der Hymne für den Steinheimer Steppenelefanten Steppi entstand eine Vertonung des Keltenfürsten, aber auch des schwäbischen Klassikers „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Das Besondere: Das Flüchtlingsmädchen Heza aus Syrien spricht den Text im breitesten Schwäbisch.

Das ist das Spezielle an Hömseders Lernmethoden: Mit der Musik holt er alles aus seinen Schülern heraus. Ein Junge, der manchmal undeutlich spricht, trug ein Gedicht bei der Aufnahme im Ludwigsburger Tonstudio Bauer deutlich und fehlerfrei vor. Alleine stand er im dunklen Raum und sagte seinen Text auf. „Die Kinder wollten sogar das Gedicht ,Der Erlkönig‘, das auch im Happy Steppi vorkommt, auswendig lernen“, sagt er. Die Musik sei das perfekte Vehikel für Lerninhalte.

Nach Benefizkonzerten mit der Inklusionscombo Brenz Band mit behinderten und nicht-behinderten Musikern ging es in die Bauer Studios zur CD-Aufnahme. Unter Mitwirkung der Brenz Band und des Stuttgarter Kammerorchesters entstanden die Songs, denen ein armenischer Toningenieur, der aus Aleppo nach Deutschland geflohen war, den letzten Schliff verpasste. Die CD mit 40-seitigem Booklet ist nun der Stolz der Schüler, die sie nicht nur ihren Paten schicken, sondern wie Vivien in 20 Jahren noch ihren Kindern vorspielen wollen. Die Lieblingssongs der Klasse sind natürlich Happy Steppi und „Die Nacht“, weil sie beide rockig sind, sagt Luis, der zur Musik auf dem Tisch trommelt. Auch „Eliza Jane“ mit der Brenz Band rangiert vorne mit.

Die CD ist das Eine, das Andere ist das Selbstbewusstsein, das die Schüler entwickelt haben. Wer mit der Brenz Band Konzerte in der Ludwigsburger Friedenskirche gibt, den schockt so schnell nichts mehr. „Das war schon toll, wie wir die Kirche gerockt haben und den Leuten Hoffnung gemacht haben“, sagt Pauline. Auch die Klasse halte nun mehr zusammen. Früher hätten sie auch gegeneinander gearbeitet, „jetzt machen wir viel mehr miteinander“, sagt Anouk. „Wir haben gelernt, dass wir niemand ausschließen, sondern eine Gruppe sind“, sagt Alice. Und das merkt man den Schülern an und leidet fast ein bisschen mit ihnen, weil sie nun nach der vierten Klasse auseinandergerissen werden.

Info: Die CD kostet zwölf Euro. Sie kann per E-Mail an sekretariat@blankensteinschule. de, info@brenzband.de oder info@bauerstudios.de bestellt werden.

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