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Neue Sommerserie: Besondere Gärten
Eine grüne Oase mitten in der Stadt Kornwestheim

Vom Balkon aus hat die Familie Schmid einen wunderbaren Blick auf ihr kleines Idyll. Und auch die Nachbarn erfreuen sich daran.Fotos: Holm Wolschendorf
Vom Balkon aus hat die Familie Schmid einen wunderbaren Blick auf ihr kleines Idyll. Und auch die Nachbarn erfreuen sich daran.Fotos: Holm Wolschendorf
Magdalene und Hans-Joachim Schmid unter dem 140 Jahre alten Birnbaum.
Magdalene und Hans-Joachim Schmid unter dem 140 Jahre alten Birnbaum.
Prachtvolle Rose.
Prachtvolle Rose.
Stilvolle Deko-Objekte ergänzen die üppige Bepflanzung.
Stilvolle Deko-Objekte ergänzen die üppige Bepflanzung.
Zierliche Trompetenblumen.
Zierliche Trompetenblumen.
Wir stellen in den kommenden Wochen besondere Gärten im Landkreis Ludwigsburg vor. Den Auftakt macht der Garten von Magdalene und Hans-Joachim Schmid aus Kornwestheim.

Kornwestheim. In der Bahnhofstraße ist es an diesem Vormittag schon drückend heiß, Schatten zwischen all dem Beton äußerst rar. Kaum zu glauben, dass sich hinter dem Haus mit der Nummer 15 eine grüne Oase auftut. Ein knorriger Zwetschenbaumzweig rankt übers Tor, eine Hortensie zeigt prachtvolle Blüten, eine Glyzinie streckt ihre Triebe weit nach oben bis zum Balkon, ein Stückchen weiter trägt ein Mini-Kiwibaum schon reichlich Früchte. Im Garten von Magdalene und Hans-Joachim Schmid kann man durchschnaufen und Energie tanken – nicht nur an heißen Tagen wie diesen.

Haus aus dem Jahr 1877

Haus und Garten stammen aus dem Jahr 1877. Seine Urgroßmutter und der Opa hätten beides 1916 vom Kornwestheimer Wundarzt Doktor Baumgärtl gekauft, erzählt der Gärtnermeister und CDU-Stadtrat bei einem Besuch der Ludwigsburger Kreiszeitung. Und seither wohnen die Schmids hier – inzwischen in der fünften Generation. Nicht nur das Gebäude, auch der Garten hat sich im Lauf der Jahrzehnte verändert. Ursprünglich wurden die etwa 200 Quadratmeter hinterm Haus genutzt, um Gemüse und Obst anzubauen. Anfang der 50er Jahre eröffnete Schmids Vater eine Baumschule und einen Betrieb für Gartengestaltung. Also wurden dort junge Bäume verkauft. Seit den 90er Jahren verwandelte sich das Gelände unter Regie von Magdalene Schmid nach und nach in einen Familiengarten, bis der Gartenbaubetrieb 2008 endgültig in den Holzgrund aussiedelte. Inzwischen sind Schaukel, Sandkasten und andere Spielgeräte wieder verschwunden. Nun grünt und blüht es überall wunderschön.

Kein Tag ohne im Garten zu stehen

„Das meiste macht meine Frau“, gibt Hans-Joachim Schmid zu, der auch Vorsitzender des Kornwestheimer Obst- und Gartenbauvereins ist. Freilich helfe er an den Wochenenden mit, vor allem, wenn größere Pflegeaktionen – wie Baumschnitt – nötig sind. Es vergeht kein Tag, an dem Magdalene Schmid nicht im Garten werkelt. Lieber schaut sie regelmäßig nach dem Rechten, anstatt zu viel Arbeit anfallen zu lassen. Dass sie viel Zeit und Liebe in den Garten investiert, sieht man sofort. Beim Rundgang weist das Ehepaar auf ein paar Besonderheiten hin. Einen Birnbaum zum Beispiel, der stolze 140 Jahre alt ist. Immer wieder muss er stark zurückgeschnitten werden, damit er im Sommer seine vielen Früchte überhaupt tragen kann. Gestützt wird er von einem Apfelbaum der Sorte Elstar. Er ist ein Überbleibsel aus der Baumschulzeit und so geschickt gewachsen, dass er dem alten Nachbarn unter die Äste greifen kann. Auch der Zwetschenbaum-Ast direkt am Eingangstor hat seine eigene Geschichte. Er ist der Rest eines Baumes, den der Vater einst auf Wunsch der Mutter so veredelt hat, dass er an jedem Ast eine andere Sorte trug, berichtet Schmid. Sieben Sorten seien es gewesen, nun ist nur noch der Ast mit der Bühler Frühzwetschge übrig. Der rund 80 Jahre alte Baum „macht jetzt zurück“, sagt der Gärtnermeister.

Ab dem Frühjahr blüht etwas

Neben Zwetschgen, Äpfeln und Birnen gedeihen Trauben, Kiwis, Feigen und Kirschen im Garten der Schmids. Vom frühen Frühjahr an blüht immer irgendwo etwas. Christrosen, Schneeglöckchen, Tränendes Herz, Azaleen, Rhododendren, Flieder, Pfingstrosen, Fingerhut, Lilien, Hortensien, Liebesbeeren, Trompetenblumen, Kamelien und Rosen – die Schmids haben Mühe, alles aufzuzählen. Der Gärtnermeister liefert natürlich sofort die lateinischen Namen mit dazu. „Und das hier ist ein Shishigashira“, verwirrt er Redakteurin und Fotograf der LKZ. So heißt der Japanische Fächerahorn, der jetzt noch unspektakulär grün aussieht, dessen gekräuselte Blätter sich im Herbst aber leuchtend rot verfärben.

Deko-Akzente gesetzt

Magdalene Schmid hat im Garten stilvolle Deko-Akzente gesetzt. Sie beschränkt sich auf Metall- und Keramikobjekte. „Der Schnickschnack gefällt mir inzwischen richtig gut“, sagt Hans-Joachim Schmid anerkennend. Früher habe er nichts damit anfangen können. „Wir lieben unseren Garten“, ist sich das Ehepaar einig. Das kann man gut verstehen.

Gartentipp: lieber lang statt häufig gießen

Die Dauer macht’s, sagt Gärtnermeister Hans Schmid. Bei Hitze und Trockenheit sei es besser, die Pflanzen im Garten lang zu bewässern anstatt mehrfach am Tag kurz drüberzugießen. So erreiche man, dass das Wasser in der Erde weiter nach unten dringt und die Pflanzen tiefer wurzeln. Blieben die Wurzeln nah an der Oberfläche, vertrockneten sie leicht. „Pflanzen kann man erziehen“, so Schmid. In seinem Garten wird lediglich alle zwei bis drei Tage gegossen. (tiwi)

Zur Serie

In unserer Sommerserie stellen wir immer mittwochs und freitags besondere Gärten im Landkreis Ludwigsburg vor.